Es gibt Menschen, die schneiden Filme. Und es gibt Menschen, die dafür sorgen, dass die, die Filme schneiden, dafür auch gehört und gewürdigt werden. Silke Spahr gehört zur zweiten Sorte. Und wenn man ihr eine Stunde zuhört, versteht man, warum sie einen Sendervertreter dazu bringen kann, in der Rauchpause plötzlich zu verraten, wo seine roten Linien wirklich liegen.
Der Credit to the Edit Podcast hat diesmal die Geschäftsstelle des Bundesverbands Filmschnitt (BFS) in Berlin besucht, und mit Silke Spahr darüber gesprochen, was so ein Verband eigentlich den ganzen Tag macht. Es geht um Verhandlungen mit ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Amazon und Netflix, um jene kleinen Nachzahlungen, die plötzlich auf dem Konto landen, wenn ein Cobra-11-Format zum zwanzigsten Mal ins Ausland verkauft wird, und um die grundsätzliche Frage, wie man als einzelne Person überhaupt einem Sender gegenübertritt, ohne unterzugehen.
Es geht aber auch um globale Themen: um das Zuhören, um Supervision, um Ohnmacht in Verhandlungen und darum, wo die Energie herkommt, wenn man seit fast zehn Jahren zwischen den Fronten sitzt. Und um eine Zukunftsfrage, die im Gespräch immer lauter wird: Wo hört Filmschnitt eigentlich auf? Gehören die Leute, die Twitch-Streams schneiden, TikTok-Creator:innen, YouTube-Cutter:innen nicht längst dazu? Der Fall Papaplatte und sein Cutter Pamabu hallt hier noch nach.
zu Gast
Silke Spahr ist seit dem 1. Januar 2016 Geschäftsführerin des BFS. Als Juristin hat sie zuvor über zehn Jahre lang die ARD-Vertriebstochter german united distributors geleitet und internationale Koproduktionen mitverantwortet. Nach einer Ausbildung zur Supervisorin und Organisationsentwicklerin beriet sie Vertriebs- und Produktionsunternehmen strategisch, unter anderem als Interimsgeschäftsführerin des Progress-Filmverleihs. Heute vertritt sie den BFS im Verwaltungsrat der VG Bild-Kunst, im Beirat der Künstlersozialkasse, bei der bagsv und in der Urheber-Allianz.

“Es ist oft so, dass wenn du alleine bist, du einer unglaublichen Macht gegenüber trittst, weil natürlich ein Produzent immer mehr Macht hat als du und der Sender schon mal allemal.”
Silke Spahr
Eine Folge über das, was passiert, bevor der Schnitt beginnt, und lange nachdem der Film abgenommen ist. Wer schon immer wissen wollte, warum plötzlich 200 Euro von RTL auf dem Konto liegen, oder wer sich fragt, ob ein Verband für einen selbst überhaupt der richtige Ort ist, sollte reinhören.


