Diesmal begrüßt der “Credit to the Edit Podcast” einen ganz besonderen Gast: Armin Maiwald, einen der Schöpfer der beliebten Kindersendung “Die Sendung mit der Maus” (zusammen mit Gert Müntefering, Dieter Saldecki und Isolde Schmitt-Menzel). Aufgezeichnet in Armin Maiwalds Firma “FLASH Filmproduktion” in Köln erkundet die aktuelle Folge die Ursprünge der Sendung, Maiwalds Herangehensweise an die “Sachgeschichten” Ende der 60er bis heute und die Geheimnisse ihres anhaltenden Erfolgs.
Armin, der zunächst Theaterwissenschaft studierte, berichtet in der Folge, wie Stummfilme der 1920er Jahre als Vorbild für das Erzählen der “Sachgeschichten” dienten. Er hebt deren Betonung auf klare, präzise Fotografie als wichtigen Einfluss auf den visuellen Stil der Sendung hervor. Ein weiteres essentielles Konzept war die sogenannte „Mosaiktheorie“: Genau wie ein Mosaik aus vielen einzelnen Teilen besteht, präsentiert “Die Sendung mit der Maus” lediglich Informationen eines einzelnen Mosaikteilchens, da ein einzelner Film nicht alles erklären kann.
Zudem betont Armin die Bedeutung, Kindern als Zuschauer auf Augenhöhe zu begegnen. Er argumentiert, dass selbst scheinbar alltägliche Themen durch die richtige Erzähldramaturgie spannend dargestellt werden können. Anstatt etwa nur die Abfolge der Herstellung von Käse zu inszenieren, stellt Armin der Sachgeschichte eine wichtige Frage voran: “Wie kommen die Löcher in den Käse?”. Mit diesem erzählerischen Kniff ändert sich die Tonalität in der Erzählung, und das Interesse junger Zuschauer:innen ist geweckt.
Rückblickend auf die sich wandelnde Medienlandschaft erkennt Armin den Einfluss digitaler Technologien auf die Montage und die Sehgewohnheiten an. Er stellt zudem fest, dass Zuschauer:innen heutzutage an schnellere Schnitte und ein höheres Erzähltempo gewöhnt sind, wodurch die früheren Filme der Sendung im Vergleich langsamer wirken. Trotzdem bleibt er den Grundwerten der Sendung treu: Klarheit, Genauigkeit und Respekt vor dem Publikum, unabhängig vom Medium und Moden.
zu Gast
Armin Maiwald, geboren 1940, ist ein deutscher Produzent, Regisseur und Autor, der vor allem als Mitbegründer der Kindersendung “Die Sendung mit der Maus” bekannt ist. Bereits 1969 drehte er die erste Sachgeschichte für die “Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger”. Sein Ansatz, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und scheinbar alltägliche Dinge spannend zu inszenieren, prägt die Sendung bis heute. Auch mit 84 Jahren bleibt er aktiv und gestaltet neue Sachgeschichten, die Generationen von Kindern inspirieren.

“Gert Müntefering rief mich an und sagte: ‘Der Günter [Dybus] hat es jetzt zwar richtig eingesprochen, aber das gibt einen ganz anderen Zungenschlag. Geh noch mal ins Studio, erzähl das noch mal so runter wie am Schneidetisch!’ So bin ich dazu gekommen, die Geschichten selber zu erzählen.”
Armin Maiwald





Rückblickend auf die sich wandelnde Medienlandschaft erkennt Armin den Einfluss digitaler Technologien auf die Montage und die Sehgewohnheiten an. Er stellt zudem fest, dass Zuschauer:innen heutzutage an schnellere Schnitte und ein höheres Erzähltempo gewöhnt sind, wodurch die früheren Filme der Sendung im Vergleich langsamer wirken. Trotzdem bleibt er den Grundwerten der Sendung treu: Klarheit, Genauigkeit und Respekt vor dem Publikum, unabhängig vom Medium und Moden.
Timeline-Shortcuts
Links zu Sachgeschichten
- Wie kommen die Löcher in den Käse?
- Das Brötchen (die erste Sachgeschichte)
- Anstreicher
- Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?
- Wie kommen die Löcher in den Käse?
- Die Wolke
- Die Maus und der Tod
Links allgemein
- Sendung mit der Maus
- Produktionsfirma von Armin Maiwald: FLASH Filmproduktion
- Bibliothek der Sachgeschichten
- Maus-Zeitreisen
Transkript der Folge lesen
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00:00 Sprecher: Liebe Filmfreunde, herzlich willkommen. Heute ist Thema die Filmmontage in Theorie und Praxis.
00:19 Jan Henrik Pusch: Na, das klingt eindeutig danach, dass wir in Köln sind. Hier ist der Podcast Credit to the Edit und mein Name ist Jan Henrik Pusch.
00:27 Rainer Nigrelli: Ich liebe das, wie wir unsere anmoderationen so komplett anders machen, nur weil wir draußen sind. Warte mal, hier geht es um Filmschnitt. Wir sind Filminitoren. Mein Name ist Rainer Nigrelli. Wir stehen hier vor einer Firma, die euch vielleicht nicht sofort etwas sagt. Sie heißt Flash. Sie gehört niemand Geringerem als Armin Maiwald, dem Godfather auf Sachgeschichten.
00:49 Jan Henrik Pusch: Und wegen dem sind wir auch hier, weil wir mit dem heute über den Schnitt von Sachgeschichten sprechen werden.
00:54 Rainer Nigrelli: Wie kommen die Löcher in den Käse? Wer kennt nicht das Müllmännerlied? Wie kommt eigentlich das Brötchen auf dem Frühstückstisch? Diese Fragen hat er alle beantwortet. Wir wollen wissen, wie es dazu gekommen ist, diese Sachgeschichten so zu erzählen, vor allen Dingen mit dieser markanten Erzählerstimme.
01:11 Jan Henrik Pusch: Also dann würde ich sagen, gehen wir jetzt mal rein. Vielen Dank an VG Bildkunst, Stiftung Kulturwerk und natürlich vielen Dank an unseren langjährigen Partner Adobe.
01:20 Rainer Nigrelli: Ich traue mich nicht zu klingeln. Klingelst du?
01:22 Jan Henrik Pusch: Mach ich.
01:28 Sprecher: Als ich gestern, wie üblich, um 16.40 Uhr die neue Folge der Lach- und Sachgeschichten gesehen habe, ist mir aufgefallen, mit welch filmischen Kniffen die Realepisoden geschnitten werden. Sei es in Zeitlupe oder raffa, ein Parallelschnitt bei der Einführung des Weber, die Verzahnung im Herstellungsprozess einer Weißblechdose oder mein Klassiker, wie kommen Löcher in den Käse. Wenn man hier dem Gauder mit der Bohrmaschine zu Lei berügt, Lei mit AI Wortwitz, dann ist es so, als würden Instaburg und Co. mit dem Klee-Klar-Klar-Witter-Bus eine Klassenfahrt nach Holland übernehmen. Die Maus schaut ganz genau hin, nimmt auseinander und setzt wieder zusammen, die Gesetze der Kausalität in einfachen Schnitten erklärt.
02:12 Rainer Nigrelli: Ja, heute sind wir mal nicht mit einem Filmeditoren zusammen, sondern mit einem Regisseur, einem Produzenten, einem Autoren. Er ist vielfach ausgezeichnet. Er hat den Grimme-Preis bekommen. Er ist Bundesverdienstkreuzträger. Ältere von uns Zuhörerinnen erinnern sich vielleicht an Robby, Tobi und das Fliebertüt. Da war er der Regisseur. Und allen ist er aber bekannt über die Sachgeschichten. Er ist einer der Erfinder der Sendung mit der Maus. Wir sind sehr, sehr froh, hier sein zu dürfen. Herzlich willkommen, Armin Maiwald.
02:43 Armin Maiwald: Ja, hallo zusammen.
02:45 Jan Henrik Pusch: Und wir wollten jetzt, wir sind jetzt hier in den Heiligen Hallen, wo wahrscheinlich sehr, sehr viele Sachgeschichten in den letzten Jahrzehnten entstanden sind und würden einmal einen kleinen Rundgang machen, die Räumlichkeiten hier angucken und mal gucken, was wir so sehen.
03:02 Armin Maiwald: Ja gut, dann fangen wir am Keller an.
03:04 Rainer Nigrelli: Alles klar. Man muss sagen, das ist riesig hier.
03:08 Jan Henrik Pusch: Und es wird immer mehr gebaut, wenn ich das richtig sehe.
03:12 Rainer Nigrelli: Ja, es ist so groß, das haben wir vorhin schon gesagt, dass es sogar einen Aufzug hier gibt.
03:16 Armin Maiwald: Ja, Gott sei Dank.
03:19 Rainer Nigrelli: Wie lange bist du schon hier, Armin, mit deiner produktionsfirma Flash?
03:23 Armin Maiwald: Wir sind hier eingezogen, 81.
03:26 Rainer Nigrelli: Okay, das ist sehr lange her.
03:28 Jan Henrik Pusch: Wir gehen jetzt in einen gläsernen Aufzug, gucken ins Grüne, obwohl wir eigentlich mitten in der Stadt sind.
03:34 Rainer Nigrelli: Auf die Bundesbahn.
03:36 Jan Henrik Pusch: Ja, das stimmt.
03:37 Armin Maiwald: Das ist die Zufahrt zum Hauptbahnhof. Und ja, da ist ein ganzer Zuchtbetrieb. Das muss man aufpassen hier, die Stufen, die sind also... Die Bauarbeiter haben also die Wärmepumpe, die hier eingebaut werden soll. Draußen steht sie noch, das musste erst betoniert werden. Und im Keller sind sie aber schon fertig. Und die haben aber hier so Dinger ausgelegt. Also ihr müsst aufpassen, dass er nicht auf die Fresse fällt.
04:02 Rainer Nigrelli: Treppen steigen können wir und fallen auch, deswegen kein Problem.
04:15 Jan Henrik Pusch: So muss eine studioteur klingen, finde ich.
04:19 Armin Maiwald: Das ist unsere Werkstatt, wo wahnsinnig viele Modelle auch gebaut worden sind. Da auf dieser Werkbank, da steht auch gerade wieder was, was der Jan gerade baut. Und ja, was braucht man hier alles? Hier sind also Requisiten. Hier kannst du drei Wohnungen komplett einrichten. Da hinten sind Schrauben, Nägel, unten Holz, Zwingen, alles, was man irgendwie braucht. Der Ausrad geht hier weiter. Gefäße aller Art, was man sich immer darunter vorstellen kann. Was man eben manchmal bei so mittelalterlichen Dingen braucht, so alte Tongefäße.
04:58 Jan Henrik Pusch: Eine Bom-Bom-Maschine, wahrscheinlich ein sehr wichtiges Utensil ganz unten.
05:01 Armin Maiwald: Wo meinste? Ach, da unten. Ja, ja, so ein Automat. Und hier sind dann so Versuche für Chemie und Physik, so Laborgeräte drin.
05:16 Jan Henrik Pusch: Gasbrenner, Bunsenbrenner.
05:18 Armin Maiwald: Alles, was man so braucht.
05:20 Rainer Nigrelli: Oh, jetzt begeben wir uns in ein studio.
05:23 Armin Maiwald: Kleines kellerstudiochen. Warte, ich mache mal ein bisschen Licht an.
05:28 Rainer Nigrelli: Armin, ich habe gerade schon meinen ersten Fanboy-Moment. Ich sehe die blaue Pappe. Ja, ja. Da ist sie.
05:36 Armin Maiwald: Das ist ja der Hintergrund für viele, viele, viele kleine Sachen. Also da zum Beispiel, das ist so ein Relikt aus einem der letzten Filme. Wie geht das mit dem Strom in der Oberleitung und wieso kriegt man ein Vogel, der auf dem Draht sitzt, keinen Schlag? Also ein Stückchen Gleis. Und das ist natürlich auch auf dieser blauen Pappe, auf diesem Hintergrund gedreht worden. Ja, und da, wenn ihr da hinguckt, alte Landkarten und was weiß ich noch, auch Wände, mit denen man einen kleinen Raum bauen kann.
06:08 Rainer Nigrelli: Ja, ja. Und vor allen Dingen in Miniaturform. Das ist ja auch was, was die Sachgeschichten auszeichnet, Dinge aufzudröseln.
06:14 Armin Maiwald: Da ist noch, wie ein Kran funktioniert. Das habe ich da noch gebaut.
06:19 Jan Henrik Pusch: Das habe ich, das habe ich gesehen, die Folge. Die lief jetzt neulich. Habe ich mit meinen Kindern noch eine Wiederholung. War sehr faszinierend.
06:28 Armin Maiwald: Ja, und das wir haben halt hier so, was weiß ich, kleine Ausstattung mit Licht und so, mit allem drum und dran, was man braucht. Ja, und der Rest ist dann einfach noch in Koffern.
06:40 Rainer Nigrelli: Ist das die original blaue Pappe?
06:43 Armin Maiwald: Ja, ist die original blaue Pappe, die wir seit der zweiten, dritten Folge für die Maus gebeten haben.
06:51 Rainer Nigrelli: Wirklich? Ja, das ist nicht die gleiche.
06:53 Armin Maiwald: Es ist mittlerweile die 792.000. Roller oder sowas, weil das ist natürlich Papier, das verschweißt. Und das muss dann immer mal, siehst ja, da haben wir was rausgeschnitten und da ist was auf dem Tisch. Aber guck mal so, ich meine, so klein zu euch, da reicht ja eigentlich so ein kleiner Tisch für. Ja, und das eben so, da kannst du dich hier noch auflegen und kannst dann mit den Händen durch und der Kai oder der, der wäre sonst an der Kamera, schon meistens aber der Kai, der guckt dann von hier und man kann dann auch von hinten noch dran. Also das haben wir extra gebaut, dieses Ding hier.
07:28 Ja, und hat uns schon viele gute Dienste geleistet.
07:32 Rainer Nigrelli: Ja, und auch uns als Zuseher, weil wir kennen die Blaupappe und haben da schon etliche Gegenstände, da eine Nahaufnahme drauf angucken können.
07:41 Armin Maiwald: Ja, wenn die kleine Blaupappe nicht reicht, dann haben wir da hinten auch noch einen blauen Vorhang, den kann man also hier noch ganz rumziehen. Wie man sieht, hier ist eine Schiene, so, na ja.
07:49 Rainer Nigrelli: Fantastisch.
07:51 Jan Henrik Pusch: Die Maus lebt auf blauem Pergament.
07:55 Armin Maiwald: Das ist eigentlich hier unten alles.
07:58 Rainer Nigrelli: Das heißt, es wird einfach sehr viel, es wird hier produziert. Also die Beiträge werden hier jetzt nicht nur erdacht, sondern die werden auch gedreht hier.
08:07 Armin Maiwald: Ja, zum Teil ja. Also gerade was so Modelle angeht, hier unten, die werden also zum Teil in der Werkstatt da drüben, wo wir gerade waren, gebaut. Und das ist ja eben auch dicht beieinander. Holst aus der Werkstatt, gehst runter ins studio und fertig.
08:25 Rainer Nigrelli: So viel zum studio.
08:29 Armin Maiwald: Ja, studiolochen muss man eigentlich sagen. Wirklich, also, wenn die besten mit der Studie ist, dann natürlich.
08:39 Jan Henrik Pusch: Gibt es denn viele Sachen, wo ihr dann zum WDR ausgewischen seid? Da war ich zu langsam mit dem Mikrofon. Das war ein klares Nein. Wir sind jetzt eine Etage höher. Im Erdgeschoss sind wir jetzt.
08:57 Armin Maiwald: So ist der sogenannte Kamerawarm hier.
09:02 Rainer Nigrelli: Ah ja, die Kamerahallen.
09:05 Armin Maiwald: Ja, da sind noch richtige schöne ESR3s drin, also richtige Filmkameras.
09:10 Rainer Nigrelli: Schienenwagen. Was heißt denn Filmkameras? Wir müssen das unseren Zuhörer ihnen natürlich erklären. Du hast doch Film gedreht, die Beiträge?
09:21 Armin Maiwald: Ja, die meisten schon.
09:22 Rainer Nigrelli: Die meisten schon.
09:23 Armin Maiwald: Mittlerweile kann man das nicht mehr sagen. Also die Zeit hat sich ja geändert, aber...
09:26 Rainer Nigrelli: Und wie lange hast du Film gedreht?
09:28 Armin Maiwald: Bis vor zwei Jahren.
09:29 Rainer Nigrelli: Das ist unfassbar. Das hat, glaube ich, niemand mehr gemacht, oder?
09:33 Armin Maiwald: Weiß ich nicht. Also ich jedenfalls habe es gemacht und ich bedauere es, dass wir es nicht mehr dürfen.
09:38 Rainer Nigrelli: Lass uns darüber vielleicht auch gleich genauer sprechen. Das bedeutet ja auch, dass du da schnitt. Also wahrscheinlich habt ihr ja dann digital geschnitten, aber schon...
09:46 Armin Maiwald: Jaja, klar. Aber das ist ein Werkzeugkoffer, also für unterwegs.
09:51 Jan Henrik Pusch: Da ist auch ein Cutter drin.
09:53 Armin Maiwald: Ja, auch, ja. Aber einer zum Schneiden von Papa oder so.
09:58 Rainer Nigrelli: Kleiner Film-Militoren-Gag.
10:00 Armin Maiwald: Ja. Licht, Stative. Wir sind ja wie ein Wanderzirkus, musst ja alles immer mitnehmen.
10:05 Rainer Nigrelli: Natürlich. Ja, klar.
10:09 Armin Maiwald: So, da soll er rein bekommen.
10:13 Jan Henrik Pusch: Guten Morgen.
10:14 Rainer Nigrelli: Guten Morgen. Kein Bild. Es ist gar kein Problem. Man kann hier weiter frühstücken.
10:18 Jan Henrik Pusch: Ich versuche nicht so laut zu kauen.
10:20 Rainer Nigrelli: Bitte, bitte laut kauen. Es ist riesig hier. Es ist Wahnsinn. Es wusste ich nicht, dass das so viel ist. Das heißt, hier vorne sind Büroräume und wo wird denn noch gearbeitet?
10:33 Armin Maiwald: Jetzt müssen wir eine Etage höher gehen.
10:35 Jan Henrik Pusch: Da wird auch geschnitten, dann nehme ich.
10:36 Armin Maiwald: Genau, ja, ja, klar.
10:38 Jan Henrik Pusch: Wie viele Schneideräume gibt es hier?
10:40 Armin Maiwald: Es gibt einen digitalen Schneideplatz und wieder eine Etage drüber. Da gibt es noch einen richtigen Filmschneideraum.
10:51 Rainer Nigrelli: Und wir laufen wieder Treppen hoch.
10:57 Armin Maiwald: Dankeschön.
11:00 Jan Henrik Pusch: Das sieht mir nach ein tonstudio.
11:04 Rainer Nigrelli: Oh, wow, das ist groß. Das heißt, hier wird Ton aufgenommen, Sprechertexte. Ja, ja, klar.
11:11 Armin Maiwald: Das ist also der Platz, der Marta-Platz. Habe ich gerade den Marc in die durch die Gegend stützend gesehen.
11:17 Rainer Nigrelli: Marc, wir kommen gleich zu dir, Marc.
11:20 Jan Henrik Pusch: Unser Kollege Mark Schubert ist wohl am Schneiden, wenn wir das richtig sehen.
11:25 Armin Maiwald: Nee, nee, der sputzt gerade.
11:28 Rainer Nigrelli: Ach so, das macht er hier. Und auch Musik. Ich sehe hier ein Klavier. Das heißt, es ist Musikfest.
11:34 Armin Maiwald: Das ist also ein amtlich abgeschossenes studio mit 0,12 oder 0,2 Sekunden Nachhallzeit.
11:41 Rainer Nigrelli: Ja, fantastisch.
11:43 Armin Maiwald: Und das hat also isolation. Da kannst du nach draußen gucken, siehst die Bahn fahren, aber hörst du nichts.
11:50 Rainer Nigrelli: So, jetzt gehen wir erst mal nicht zu Mark, sondern in einen anderen Raum.
11:53 Jan Henrik Pusch: Oh, ganz sieht mir jetzt hier nach Film aus.
11:57 Armin Maiwald: Das waren früher die Geräte zum Filmischen. Ja, kann man noch hier stehen.
12:04 Rainer Nigrelli: Ah, das sind also Tongeräte.
12:06 Armin Maiwald: Ja, ja. Für die Chordbänder, ne?
12:11 Rainer Nigrelli: Ja, ich verstehe. Das heißt, die Mischung wurde hier auch gemacht, nicht in einem, was war das, tonstudio, sondern es wurde quasi alles hier entgefertigt. Ja. Ja, okay, das ist besonders.
12:20 Jan Henrik Pusch: Ja, außer das, was im Kopierwerk abgenommen wird.
12:24 Rainer Nigrelli: Klar.
12:24 Armin Maiwald: Also das hier ist die Tonregie, ne?
12:26 Rainer Nigrelli: Aber das sind tolle Räumlichkeiten, weil das verbindet ja. Also wir können von hier aus wiederum Mark sehen im Schneideraum, wir können das tonstudio sehen. Alle sind quasi direkt verbunden und müssen nicht chatten über irgendein Smartphone oder so.
12:39 Armin Maiwald: Ja, der Peter, der hier residiert eigentlich, ist aber noch nicht nach heute.
12:45 Jan Henrik Pusch: Das führt mich zu der Frage, wie viel Festangestellte gibt es denn hier?
12:49 Armin Maiwald: Warte mal, sieben.
12:50 Rainer Nigrelli: Sieben, ja. Ach, das klingt nach einer kleinen Familie, die du hier aufgezogen hast.
12:57 Jan Henrik Pusch: So, jetzt gehen wir wieder, wenn ich das richtig sehe, die kleine Treppe runter.
13:02 Armin Maiwald: Eine andere kleine Treppe hoch.
13:04 Jan Henrik Pusch: Eine andere kleine Treppe hoch, genau. Jetzt besuchen wir tatsächlich Marc.
13:11 Rainer Nigrelli: Marc, jetzt müssen wir dir die Hand schütteln auch. Hallo, ich gebe dir so meine Hand. Marc, wir kennen, äh, Armin, wir kennen übrigens Marc sehr gut. Mit Marc Schuber zusammen habe ich zum Beispiel die erste Staffel How to Sell Drugs Online Fast geschnitten. Und was machst du denn jetzt hier?
13:31 Sprecher: Ich schneide mit dem Armin und dem Jan Beiträge für die Maus.
13:34 Rainer Nigrelli: Aber das ist kein Filmschnittblatt, richtig?
13:36 Armin Maiwald: Nee, das ist ein digitaler Schnittblatt. Marc hatte da so sein eigenes Tablet und so. Hat die, hat die, äh, Anna-Lena, die übrigens dieses Ding aus dem Keller gegeben, was sie unten aufgenommen, weißt du? Den Grundriss vom Zelt.
13:49 Sprecher: Ja, ich bin eingeladen, aber noch nicht eingebaut.
13:51 Armin Maiwald: Naja, schon klar. Jetzt hat er grad mit das Andere dran.
13:53 Jan Henrik Pusch: Könnt ihr schon verraten, was das Thema ist?
13:55 Armin Maiwald: Ja, das ist, äh, mit dem Alexander Gerst, der hat ja so eine antarktis-explosion gemacht. Und daraus machen wir auch eine Geschichte.
14:05 Rainer Nigrelli: Ah ja. Und warum hat der Marc das noch nicht eingebaut?
14:09 Armin Maiwald: Na, der ist im Moment mit anderen Sachen dran.
14:12 Rainer Nigrelli: Marc, du musst ein bisschen schneller, schneller sein. Das muss eigentlich schon da liegen, oder?
14:16 Armin Maiwald: Marc ist sehr schnell.
14:17 Sprecher: Eigentlich müsste es schon längst da liegen, natürlich.
14:20 Jan Henrik Pusch: Ich kenne Marc ja tatsächlich als Dozent bei mir an der Filmhofschule. Und da hat er uns versucht, After Effects beizubringen. Und wir waren ja zu langsam auf jeden Fall.
14:29 Sprecher: Ist das so?
14:30 Armin Maiwald: Ich erinnere, du warst der Dozent?
14:32 Sprecher: Ja, ja, ja.
14:33 Armin Maiwald: Oh, Marc. Guck mal, noch gestiegen.
14:39 Rainer Nigrelli: Marc, ist das hier ein Job, wo man nur schneidet? Oder weil After Effects, das hört sich jetzt schon so an, als müsstest du hier viele Sachen können.
14:47 Sprecher: Interessanterweise habe ich das Gefühl, dass hier, was so Bildbearbeitung angeht, deutlich mehr Anforderungen sind als anderswo. Ja, tatsächlich.
14:56 Jan Henrik Pusch: Und zwar, das musst du weiter ausführen.
14:58 Rainer Nigrelli: Was machst du mit der blauen Pappe?
15:01 Sprecher: Zum Teil verlängern, wenn man die Leg rechts und links dann das studio noch sieht, zum Beispiel. Oder wir markieren bestimmte Sachen. Oder jetzt neulich machen wir auch Spaß. Da hatten wir die Geschichte mit dem Vogel auf dem Draht.
15:16 Armin Maiwald: Ja, da haben wir unten noch am Keller gesehen, das Modellchen da, wo wir dann den Vogel explodieren lassen.
15:26 Rainer Nigrelli: Aber das ist ja das Interessante hier, dass man direkt einen Zugang zum Dreh hat. Also wir als Editoren finden das natürlich toll, direkt sagen zu können, wollen wir nicht noch was machen, passiert das?
15:37 Sprecher: Ja, das ist total super.
15:38 Armin Maiwald: Passiert haben wir auch häufig schon gemacht. Wenn wir hier am Schneiden waren, sagt der Marc, ach, da fehlt eigentlich noch dies oder jenes, komm, lass uns in den Keller gehen, machen wir schnell. Oder so, haben wir schon gemacht.
15:47 Sprecher: Schon oft, ja, das ist total super tatsächlich zum Schneiden auch.
15:50 Rainer Nigrelli: Ja, super. Ich glaube, wir, haben wir noch Fragen? Ach so, ja, ich habe eine Marc, eine private, wann gehen wir ins Kino? Lichtspiele Kalk, da laufen ganz tolle Filme.
16:00 Sprecher: Ich habe noch nicht geguckt, was live ist.
16:01 Rainer Nigrelli: Ja, ich habe gesehen, obsession läuft, das ist so ein 70er Jahre Horrorfilm. Lass uns da reingehen.
16:07 Jan Henrik Pusch: Und ab dem 3. Oktober läuft Crenco, den habe ich geschnitten, könnt ihr euch auch angucken.
16:12 Sprecher: Cool, machen wir. Kommst du mit?
16:14 Jan Henrik Pusch: Komme ich bestimmt auch mit, ja.
16:15 Sprecher: Aber nichts verraten, nichts spoilern.
16:17 Jan Henrik Pusch: Nee, also es wurde viel geweint bei den Screenings.
16:21 Sprecher: Sprich das schon mal für den Fan.
16:22 Rainer Nigrelli: Ja super, dann viel Erfolg, wir sehen uns gleich noch. Wir gehen weiter durch das riesige Haus.
16:29 Armin Maiwald: Die wollten alles gucken, die Jungs.
16:31 Sprecher: Jaja, verständlich erwartet.
16:33 Rainer Nigrelli: Das ist toll hier, wir bleiben hier. Tschüss Marc. So Jan, das ist ja wahnsinnig riesig hier.
16:43 Jan Henrik Pusch: Du hast es jetzt auch schon sehr oft erwähnt, wie groß das ist.
16:46 Rainer Nigrelli: Es tut mir leid, aber ich kann ab jetzt schon komplett die Orientierung verloren. Oh, fantastisch.
16:53 Armin Maiwald: Richtig schöner Ola Steenberg hier.
16:56 Rainer Nigrelli: Ja, den Steenberg kennen wir. Wir hatten eine Folge mit Barbara Hennings, die uns den Steenberg gezeigt hat. Ist das auch einer, der Hello sagt, wenn man ihn anmacht?
17:04 Armin Maiwald: Ich glaube nicht.
17:05 Rainer Nigrelli: Gibt es da nicht diese Digitalanzeige?
17:08 Jan Henrik Pusch: Da wird gleich Hello stehen.
17:11 Armin Maiwald: Nein, das ist die Macke von diesem Schneidetisch. Das Zellwerk ist leider kaputt gegangen. Kein Ersatz mehr. Ansonsten ist er völlig in Ordnung. Er läuft vorwärts, rückwärts.
17:25 Jan Henrik Pusch: Also ich kann sagen, die IFS hat, ich würde fast sagen exakt denselben, der ist aber kaputt. Vielleicht könnte man ja das Zellwerk von denen austauschen.
17:37 Armin Maiwald: Das ist einfach schade. Der Techniker, der den über viele, viele Jahre gewartet hat, auch der hat versucht, da noch Ersatzteile für zu kriegen, ist aber, also die anderen, also mit dem vorwärts, rückwärts zählen, also um den Ton ein bisschen zu schieben, die tun es alle, alles gut. Aber das Hauptzählwerk, wo bin ich denn hier, bei Minute drei, 27 oder sonst irgendwas, das ist leider kaputt.
18:06 Rainer Nigrelli: Aber Armin, du bedienst das jetzt so, behände, heißt das, du kannst auch schneiden?
18:11 Armin Maiwald: Ja klar, ja klar kann ich.
18:13 Rainer Nigrelli: Das heißt, wann hast du das zum letzten Mal auch wirklich getan? Vorhin meintest du, bis vor zwei Jahren habt ihr auf Film gedreht, das aber nicht mehr auf Film geschnitten. Wann war denn so das letzte Mal, dass ich selber geschnitten habe?
18:25 Jan Henrik Pusch: Ja.
18:29 Armin Maiwald: Das war, glaube ich, vor zwei Jahren, als wir noch einen Abschiedsfilm gemacht haben, für einen Redakteur, der in Rente gegangen ist, und dann haben wir gesagt, dem geben wir noch mal ein Stück Film mit. Wie schön.
18:42 Rainer Nigrelli: Das war dann Jochen Lachmuth, richtig? Ja, okay. Ja, fantastisch. Das war mir nicht klar.
18:48 Armin Maiwald: Den haben wir zum Teil auf Film gedreht, zum Teil eben auch auf Elektronik, aber dann haben ihm dann auf Filme das Ding gegeben. Den habe ich dann noch selber geschnitten.
18:56 Rainer Nigrelli: Großartig.
18:57 Armin Maiwald: Das ist ja noch die Klebepresse. Also Wumme, das typische Ding.
19:05 Rainer Nigrelli: Ja, und natürlich der weiße Handschuh, der nicht filmen darf.
19:09 Armin Maiwald: Und es sind so die Trennbretter da. Also damit hast du ja früher, ich sage mal, die ganzen Takes getrennt. Es gehen ganze Wagen vor. Wir haben da drüben also noch ein zweites kleines Archiv, wo noch diese Wagen stehen. Da hast du dann eben, was weiß ich, wenn es getrennt ist, das Material. Klappe 4711. Dann kam die Hirn und den Ton dazu hast du daneben gestellt, erst mal grob zu sortieren. Und dann war es ja so, dass du das, der erste Schritt war ja dann, das Ganze erst mal chronologisch, wie der Film dann sein sollte, hintereinander zu hängen. Bild und Ton. Weil das war ja nicht so, beim Drehen hast du ja nicht chronologisch gedreht, sondern nach Drehorten oder sonst irgendwas.
19:49 Das ist ja logisch. Und das waren also diese Trennkisten hier.
19:57 Rainer Nigrelli: Das ist ja was, was uns abhanden kommt. Wir haben ja Bins im Avid, also digitale Orte, wo wir Sachen ablegen. Aber das wird schnell unübersichtlich. Und hier ist was ganz Haptisches, wo man sich endlich dran erinnert.
20:08 Armin Maiwald: Dann gibt es eben das auch noch, den typischen Galgen mit so Klemmerchen. Da kannst du dann Sachen aufhängen. Der hat zwei Seiten. Da kannst du also Bild und Ton oder eben auch Sachen, wo der raussteigt, sagen, ah nee, das gehört eigentlich noch woanders hin. Nimmst du da raus, hängst du es da hin und wenn du an die Stelle kommst, setzt du es wieder ein oder so, ne?
20:30 Jan Henrik Pusch: Jetzt können wir mit dem Wissen von Barbara glänzen. Barbara fand diese Galgen nicht gut, weil man da ja zwei Hände braucht, um einmal die Klammer aufzumachen und dann das reinzuhalten. Sie wollte lieber die Nägel oben reingeschlagen, die da so reinhängt.
20:42 Armin Maiwald: Jaja, klar. Also Barbara, nehme ich an, hat dann auf 35 geschnitten.
20:47 Jan Henrik Pusch: Ich nehme an, alles.
20:50 Rainer Nigrelli: Bei 16 geht es natürlich nicht so leicht.
20:51 Armin Maiwald: Das sind 16er und da sind die Löcher sehr, sehr klein. Man muss schon ganz dünne Nägel haben. Bei 35 sind die Löcher ja einfach viel größer. Sehr klar.
20:58 Rainer Nigrelli: Ja.
20:59 Armin Maiwald: Also ich fand das eigentlich immer ein ganz brauchbares System mit den Klammerchen. Ja, stimmt, man braucht zwei Hände dazu, aber man hat ja auch zwei.
21:11 Rainer Nigrelli: Ja, genau. Wir haben mit Barbara Hennings darüber gesprochen, eben im Podcast der Professorin an der EFS, die das auch dort unterrichtet, ob wir nicht mal irgendwann einen Filmkurs haben könnten, wo sie eine Woche uns Schneiden beibringt. Und da war sie, glaube ich, offen für. Ich glaube, da hängt es noch ein bisschen an der Technik, weil Filmentwicklung und Filmschnitt.
21:32 Armin Maiwald: Gibt es aber noch.
21:33 Rainer Nigrelli: Gibt es noch, aber schwierig. Es wird immer schwieriger. Vielleicht können wir euch ja verbinden und dann gibt es einen Austausch, weil wir werden nach wie vor sehr interessiert an diese eine Woche Filmschnitt.
21:42 Jan Henrik Pusch: Ja, gerade dass du gesagt hast, ihr habt einen Techniker, der den immer noch wartet. Ich glaube, das wäre ein Kontakt, den man unbedingt weitergeben müsste.
21:50 Armin Maiwald: Der ist aber auch schon ureift.
21:53 Rainer Nigrelli: Wenn er das kann.
21:54 Armin Maiwald: Ich ja, man müsste ihn anrufen. Du musst ihn mal hören. Machste noch oder machst du das natürlich beim letzten, als er hier war. Und er ist dann druntergekrochen. Das war dann also schon sehr mühsam.
22:07 Rainer Nigrelli: Ja, super. Dann lass uns das Ding wieder aus.
22:11 Armin Maiwald: Ja, toll.
22:12 Rainer Nigrelli: Wir stehen weg. Ja, dann haben wir das meiste gesehen wahrscheinlich, oder Armin?
22:17 Armin Maiwald: Jojo.
22:18 Rainer Nigrelli: Dann begeben wir uns wieder in deinem Büro, richtig? Okay. Ja, lass uns doch vielleicht direkt einsteigen über dieses Thema. Du hast damals geschnitten, sogar selbst auf Film gedreht, auf Film, ich nehme an, du hast auch die Kamera in der Hand gehabt.
22:37 Armin Maiwald: Ja, ja, ich habe auch selbst gedreht. Also ich bin ja, wenn ihr so wollt, irgendwie durch die Ochsentour gegangen. Also ich war auf der Bühnenwerkstatt, ich war Tonassistent, ich war Aufnahmeleiter, ich war Kameraassistent. Und schließlich und endlich dann auch Regieassistent, bis ich schließlich zum Regisseur wurde. Manche bezweifeln das bis heute, dass ich das kann, wie auch immer. Und noch viel später habe ich mich dann selbstständig gemacht. Also und dann eine eigene Firma aufgebaut mit 0 Mark, 0 Pfennig und so.
23:15 Jan Henrik Pusch: Aber man muss schon sagen, also um das mal festzuhalten, du warst bei dem ersten Film der Sendung mit der Maus, wenn ich das richtig hochgerechnet habe, Mitte deiner 20er.
23:30 Armin Maiwald: Lass mich überlegen, ja, warte mal. Die diskussionen darüber gingen in den 60er, Mitte der 60er gingen die los. Also theoretisch, was wollen wir alles nicht und so. Und den ersten Film, der steht da oben ganz links, die linkeste Büchse oben in der obersten Dings, der erste Film, der jemals für die Maus gedreht worden ist, das Brötchen. Und den habe ich 69 gedreht, also.
23:54 Rainer Nigrelli: Wie alt warst du da?
23:55 Armin Maiwald: 29.
23:56 Rainer Nigrelli: Aber das ist sehr jung. Also du hast sehr, sehr früh angefangen, selbst Dinge zu realisieren.
24:02 Armin Maiwald: Ja, ich musste, ich musste ja. Also mein Vater ist im Krieg gefallen, meine Mutter stand danach im Krieg alleine mit zwei Kindern da. Und ich habe schon mit 14 angefangen zu arbeiten beim Anstreicher und beim Hochbau, Tiefbau und weiß ich nicht was alles. Und als ich dann Abitur gemacht habe, dann bin ich mit dem frisch ausgedruckten Abiturzeugnis oder frisch unterschrieben bin ich zur Uni, habe mich einschreiben lassen. Und damals konnte man dann damit zum WDR gehen und als Kabelhilfe sich eintragen lassen da. Das war so was wie Werkstudent. Es war also einfach auch um Miete bezahlen zu können und das Studium zu finanzieren, weil Studiengebühren meine richtig teuer damals und meine Mutter war dann auch schon tot.
24:52 Also ich musste gucken, wo ich lang blieb. Und in diesem Zusammenhang glaube ich auch im ersten Jahr, also da wurden die Kabelhilfen ja eben auch für alles mögliche, auch für Bodengänge. Und einer meiner ganz frühen Jobs war, damals gab es ja auch schon Werbefernsehen, dass man so um sechs rum oder kurz vor sechs musste man zu Fuß ins Kopierwerk rüberlaufen, die Rolle für den Werbespot nehmen, rüber in die Stollwerkpassage. Und da hatte der WDR Schneideräume gemietet. Und da saßen dann die Katarinnen und warteten schon auf das kleine Bündelchen 35 Millimeter mit dem Werbespot drauf. Die mussten dann zusammengeschnitten werden in der bestimmten Reihenfolge, so wie das wohl gebucht war.
25:35 Und da bin ich zum ersten Mal mit dem Filmschnitt in Berührung gekommen. Ich sah dann, dass ich das so machte und die sagte dann, die Heidi Tischhofer, das war damals, habe sie nie wieder gesehen. Willst du auch mal versuchen? Ich habe gesagt, weiß ich nicht. Ja, mach mal, kein Problem. 35 Millimeter, und zwar richtig noch mit Hobel, also Blankseite und Schichtseite. Und dann das roch natürlich nach, was ich acetonen oder wie das aus, was dieser Filmkit besteht. Jedenfalls habe ich da, die hat mich das machen lassen und dann hat geguckt, ob ich das richtig mache. Musste man mit einem Schwung richtig einmal Blankseite, einmal Schichtseite ab hobeln, dann in eine Presse und dazwischen.
26:18 Also dieses Klebezeugen, dann wurde das zugemacht und dann gab es einen Spruch, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, wo es was weiß ich nicht, was. Den sagte man dann auf und dann war der Kleber getrocknet in der Zwischenzeit. Und dann hielt das Zeug auch. Und dann musste das von da dann rübergebracht werden in Sender, in den Filmabtaster und das lief dann als, was weiß ich, Werbefernsehen hieß das damals, glaube ich noch.
26:42 Rainer Nigrelli: Ja, also ein früher Kontakt zum Filmschnitt. Ich fand auch spannend, du hast gerade gesagt Katarinnen. Heißt, das waren vornehmlich Frauen, richtig?
26:49 Armin Maiwald: In der Regel ja. Ich habe damals eigentlich nur zwei Katar kennengelernt. Einen, die saßen hier damals, also der WDR hatte ja, was weiß ich, Immobilien oder Räume angemittet quer durch die ganze Stadt. Hier auf dem Eigelstein überm Kölschchen Boer. Die Kneipe da oben drüber in der ersten Etage. Da waren auch Schneideräume. Da habe ich dann also auch noch, als ich dann Regieassistent war und später auch als Regisseur glaube ich, die ersten Sachen dargeschnitten, meine ich mich zu erinnern. Bin aber nicht mehr sicher. Aber als ich mich selbstständig gemacht habe, das war das zweite, was wir uns angeschafft haben damals, war ein Schneidetisch.
27:34 Jan Henrik Pusch: Hast du denn den eben angesprochenen Brötchenfilm selber geschnitten oder war das dann?
27:39 Armin Maiwald: Nee, das war eine Katterin. Die haben wir dann eingekauft. Das war die damals hieß die Usche Rössler. Jetzt heißt sie Usche Siekst. Die hat dann irgendwann später geheiratet. Das war eine sehr, sehr schnelle und sehr gute Katterin. Und dann zwischendurch hatten wir auch mal einen Mann, den Hinder Burgers. Der ist dann mit dem ZDF nach London gegangen. Und ja, ich hatte noch meinen Kattern. Aber meistens waren es Mädels.
28:08 Rainer Nigrelli: Ja, ja. Das hat sich jetzt verändert.
28:10 Jan Henrik Pusch: Aber wollen wir mal über diesen Brötchenfilm noch ein bisschen sprechen?
28:13 Rainer Nigrelli: Lass uns über die Montage des Brötchenfilms sprechen. Das ist nämlich wirklich interessant.
28:17 Jan Henrik Pusch: Das fände ich auch total spannend, wenn wir einfach mal mit dem allerersten Werk einfach mal über Schnitt sprechen. Weil ich finde, diesem Werk, kann man es ja wirklich nennen, sieht man doch sehr viel an, was deine Herangehensweise an Filme war zu dem Zeitpunkt. Ich glaube, das, was das Prägnanteste ist, es ist ja schon ein Film, der Kindern etwas zeigen soll. Er macht es aber sehr kunstvoll. Und das sehr auffällige ist, er erzählt den Ablauf rückwärts.
28:53 Armin Maiwald: Ja, genau. Ja, und das war das, was uns damals natürlich auch um die Ohren geflogen ist. Ist ja klar. Also ich habe ja eben gesagt, dass die diskussion ging so Mitte der 60er Jahren los. Also was wir unter gar keinen Umständen wollten, war ebenso im Sinne eines Lehrers mit erhobenem Zeigefinger. Also das geht so und das geht so und das geht so. Und ihr müsst da drauf achten. Klar, dass weil Schule wollten wir nicht ersetzen, konnten wir auch nicht ersetzen. Schule ist auch was Systematisches. Und Fernsehen ist ja irgendwie ein Unterhaltungsmedium. Das ist ja bis heute so. Und insofern war unsere Philosophie, wenn man das so sagen darf, also unsere Denkungsweise damals so, dass man mit einem einzigen Film nicht die ganze Welt erklären konnte, sondern immer nur einen bestimmten Aspekt.
29:43 Und das hieß bei uns damals die Mosaiktheorie. Also ein Mosaik ist ja auch ein Bild, das aus vielen einzelnen Steinchen oder sowas besteht. Aus einem einzelnen Steinchen kannst du das Gemälde noch nicht entschlüsseln. Aber wenn du dann mal 100 oder 200 Steinchen nebeneinander siehst, dann kannst du sagen, ah, das könnte ein Gesicht sein oder es könnte ein Tier sein, wie auch immer. So. Und so sollten unsere Filme sein, dass jeder Film eigentlich nur ein einzelner Stein, ein Mosaikstein sein konnte. Und der sich wirklich nur auf einen Aspekt konzentrieren sollte. Und nach langen, langen, langen diskussionen mit dem Gert Müntefering damals, das meiste in der diskussion ist, wenn sie im Lederer entstanden gegenüber vom Hauptanlagen vom Funkhaus, mit einer Menge von Kölsch, zwischendurch auch mal eine Frikadelle.
30:35 Rainer Nigrelli: Man muss sagen, auch einer der Miterfinder der… Ja, ja klar.
30:39 Armin Maiwald: Der und der Sigfried Moorhoff, ohne die wäre das also damals nie zustande gekommen. Na gut. Und Sinn des ganzen Unternehmens war, dass jede einzelne Bild, das wir aufnehmen, sollte eineindeutig sein. Also einen Begriff aus der Mathematik, den kennt ihr. Eineindeutig, da gibt es über kein rechts und kein links, sondern es ist das. Das heißt, man musste auf diesem Bild sofort erkennen, um was es geht. Und unser Vorbild waren die alten Stummfilme aus den 20er Jahren, die ja eigentlich auch keinen Ton hatten, sondern zwischendurch, wenn man irgendwas sagen muss, waren dann immer so Insatzreihen. Amalie küsst jetzt Carl Otto oder was auch immer. Das waren unsere Vorbilder, weil die waren ja auch sehr genau und sehr sauber fotografiert.
31:29 Das waren unsere Vorbilder. Und unsere ersten Filme, die waren ja auch völlig ohne Kommentar. Wir wollten die ganzen Sachen eben auch ein bisschen lustig machen. Die sollten eben auch nicht lang geschnitten sein, sondern kurz. Jedes Stück sollte nur so lang sein wie ein Musikstück. Es sollte aber eben auch nicht Orphe'sches Schulwerk sein mit Gingelklappe, über Rasselbar, sondern wir sollten, das war damals die Vorgabe, eben die Musik nehmen, die gerade en vogue war, ne? Also bei dem Brötchen war es von Roger Wittaker, weiß ich noch, Paraguayan Whistler und bei der Milch war es von Vivaldi ein Stück aus dem Frühling und beim Ei war es von, aus dem Film Tim Thaler, Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung, wobei wir bei den Hühnern auch damals schon gesagt haben, im Sinne der journalistischen Wahrheit, wir zeigen nicht das sogenannte glückliche Berghuhn in Bayern auf dem Misthaufen, sondern auch damals saßen die Hühner schon in Käfighaltung.
32:39 Wir haben damals gesagt, wenn das so ist, müssen wir es genau so zeigen. Und für die Hühner im Käfig war natürlich weder morgens um 7 noch abends um 7, wo die Welt in Ordnung ist. Das fasste ich damals so als einen Kontrapunkt auf. Ich habe gesagt, das ist genau die richtige Brechung zwischen der, sag ich mal, doch romantischen Musik und der unromantischen Wirklichkeit der Hühner, die dann da ihre Eier legen mussten.
33:10 Sprecher: Gut.
33:12 Armin Maiwald: Und um nun einige, und wir haben uns gesagt, ja, wie macht man das denn? Und da haben wir gesagt, wir müssen mit irgendwas bekanntem anfangen. Und insofern haben wir bei allen diesen drei Filmen, Brötchen, Milch und Ei, auf dem Frühstücks-Tisch angefangen. Diesen Tisch gibt es bis heute noch. Der steht bei uns auf dem Balkon.
33:31 Rainer Nigrelli: Den wollen wir auch noch sehen, bitte.
33:36 Armin Maiwald: Und eine sozusagen klassische Familie, Vater, Mutter, zwei Kinder. Und dann haben die Brötchen aufgemacht und dann sind wir den Weg rückwärts gegangen, also vom Frühstücks-Tisch. Und um ein gewisses Ordnungsprinzip da reinzukriegen, dass man da also nicht durcheinander kam, haben wir das mit Zahlen versehen.
33:54 Jan Henrik Pusch: Also so wie der Stummfilm, habt ihr einfach Tafeln dazwischen gemacht, die dann Zahlen gemacht haben.
34:00 Armin Maiwald: Der Frühstücks-Tisch war Nummer 12. Nummer 11 war eben der Brötchenjunge, das Bratner. Nummer 10 war, das Brötchen wurde aus dem Backofen rausgezogen. Und Nummer 9 war das Brötchen oder die Brötchen wurden in den Backofen rein. Und bei Null war eben Mehl und Wasser und Ei kommen also in eine Mischmaschine und werden also da zum Teig zerknetet. Und wenn wir bei Null angekommen waren, haben wir dann hinten nach das ganze nochmal vorwärts bis zur 12 rauf. Aber dann in einer viel schnelleren Abfolge. Also 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7. Das ging dann also rasend schnell.
34:34 Rainer Nigrelli: Man spult sozusagen wieder in die Jetztzeit.
34:36 Armin Maiwald: Ja, also von dem Ursprung wieder in die situation auf dem Frühstückstisch. Und das haben wir bei allen drei Filmen gemacht. Und Gert Müntefering, der ist dann damals damit zu, was weiß ich, so Meetings von Kindergärten an Pädagogen oder was da toll von so Leuten, die uns heute alle so furchtbar loben, die hätten uns damals am liebsten ans Kreuz genagelt. Es gab also keinen Vorwurf, den wir nicht auf die Ohren gekriegt hätten. Das geht ja alles viel zu schnell. Das geht über die Köpfe der Kinder hinweg. Ihr benennt die Dinge nicht. Ihr übergießt die Wirklichkeit mit einer Himbeer-roten Soße aus Musik und so was.
35:17 Rainer Nigrelli: Also ich finde ja aus heutiger Sicht das Spannende, weil ich glaube, wir erzählen nicht mehr so mutig im Fernsehen, dass man einfach sagt, nee, wir erzählen das jetzt mal rückwärts. Das finde ich eine krasse Entscheidung. Also ich spüre da auch so ein bisschen, dass ihr jung wart, als ihr das gemacht habt.
35:32 Armin Maiwald: Naja, das war eben auch eine Zeit, in der vieles einfach auch im Umbruch war. Also es gibt ja die berühmten 68er, die also versucht haben, die Welt auf links zu drehen. Also es war über ein bisschen revolution oder revolutionäres.
35:50 Rainer Nigrelli: In der Luft?
35:51 Armin Maiwald: Ja, im gesellschaftlichen Umfeld. Und wir durften damals eben auch Dinge ausprobieren. Ich glaube, wenn heute jemand auf die Idee käme, nochmal eine Sendung mit der Maus vorzuschlagen, ich bin nicht sicher, ob irgendein Intendant in irgendeiner Rundfunkanstalt in Deutschland das nochmal genehmigen würde.
36:12 Rainer Nigrelli: Ich glaube, was vor allen Dingen nicht funktionieren würde heutzutage, ist, etwas kommentarfrei zu lassen. Ich glaube, das ist völlig undenkbar heute. Ja.
36:22 Armin Maiwald: Also ich meine, das ist ja auch so. Mittlerweile erzählen wir die Filme ja auch durch. So. Und das war, nachdem uns die ersten dann gesagt haben, ihr benennt die Dinge gar nicht, die sind zu schnell. Dann haben wir eine zweite Staffel gemacht, es sind dann, glaube ich, die vier, fünf, sechs oben daneben. Dann haben wir gesagt, naja, vielleicht hat der eine oder andere an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch recht. Vielleicht muss man an der einen oder anderen Stelle einmal einen Satz oder ein Stichwort geben, um zu hinzuweisen, auf was man achten soll. Und so ist der erste Satz, der jemals in einem Mausfilm gesprochen wurde, der hieß, hier soll eine Autobahn gebaut werden, hat der Günther Dübus damals noch gemacht, zwar unser Sprecher Günther Dübus, der also bis vor zwei Jahren, glaube ich, immer noch vorne im Vorsprang gesammelt hat.
37:13 Rainer Nigrelli: Die Vorspende gesprochen hat.
37:14 Armin Maiwald: Die Vorspende gesprochen hat. Ist ja mittlerweile auch weit über 80 und hat dann irgendwann, hat er gesagt, Keenings, ich kann jetzt nicht mehr.
37:22 Rainer Nigrelli: Jetzt macht das Annette Frier.
37:23 Armin Maiwald: Ja, jetzt macht das Annette Frier, genau. Dann habe ich schon die zweite Staffel gemacht und dabei den schlimmsten und langweiligsten Film gemacht, den ich je gemacht habe.
37:34 Jan Henrik Pusch: In der Vorbereitung habe ich mir den angeguckt.
37:36 Armin Maiwald: Der Anstreicher kommt.
37:39 Jan Henrik Pusch: Es gibt ihn aber nicht komplett zu sehen. Es gibt ihn nur in Teilen und ich glaube, ich habe auch dann irgendwann schon ein bisschen weitergespult.
37:48 Armin Maiwald: Ja, klar, natürlich. Das war ja dann die Maßgabe, dass wir sagen, okay, wir machen es mal genau andersherum, wir machen es mal ganz langsam. Wir schneiden es also nicht auf Musik und schnell, sondern machen mal ganz langsam. Das fing damit an, dass meine Frau die Küche ausräumte. Und wir haben dann also, also es war gnadenlos. Und früher habe ich den immer meinen Azubis, als wir noch welche hatten hier, machen wir nicht mehr. Habe ich den manchmal vorgeführt, um zu sagen, also das ein wichtiger Hinweis, lasst euch nicht von Kritik ins Boxhorn. Danach die dritte oder vierte Staffel war das dann die, wo wir also mit, was weiß ich, Löffelgabel und so den Stil gefunden haben, der dann später dann sozusagen unser Markenzeichen wurde.
38:40 Da war dann eben auch zum ersten Mal die blaue Pappe.
38:44 Rainer Nigrelli: Was du ja meinst, ist, dass ihr da so eine Grammatik gefunden habt. In dem Fall eben Dinge noch mal so in Standbildern vielleicht auch aufzulösen und Dinge zu erklären. Dazu kommen wir auch bestimmt gleich noch. Du bist aber gerade so den Kommentar, du hast die Kommentargeschichte einfach so übersprungen, auf die wir natürlich gerne kommen würden. Also wir müssen noch mal betonen, die ersten Filme waren kommentarfrei und die ersten drei sogar rückwärts erzählt, was ich wahnsinnig nach wie vor finde. Und auch super interessant, dass du sagst, ihr habt euch an Stummfilme orientiert. Wir kennen das ja alle von Hitchcock. Wir kennen das von den Montagetheorien, wo ganz klar gesagt wird, was passiert denn, wenn man zwei Bilder zusammen montiert?
39:25 Da passiert etwas dazwischen. Das heißt, ihr seid da eigentlich sehr nah an Filme machen, Filmtheorie, Hitchcock oder Spielberg, die ja auch so erzählen.
39:33 Armin Maiwald: Also ich kann dir dazu noch eine andere Geschichte erzählen. Also zu meiner Regie-Assistentenzeit, sage ich mal, oder auch davor, zu Zeiten, wo wir noch Kameras zenden waren, wie auch immer. Da hieß es ja im Schneideraum bei den jeweiligen Cutterinnen oder Cuttern, also zum Beispiel man darf das Bild erst schneiden, wenn das Auto aus dem Bild rausgefahren ist oder wenn jemand das Bild verlassen hat oder wenn der Schwenk zu Ende ist oder so was. Und eben auch, wenn solche Tafeln oder so eine Montage waren, ja das Bild muss zwei Sekunden lang stehen, zwei Sekunden und zwei Sekunden und zwei Sekunden und zwei Sekunden. Und irgendwann, nach Feierabend, mit einer Cutter-Assistentin, die hieß, glaube ich, Marianne, weiß ich nicht mehr ganz genau, ich sagte, hör mal, Marianne, das mit den zwei Sekunden, wenn du das hinterlässt, das wird doch immer lahmarschiger.
40:25 Du kannst dem dann doch gar nicht mehr folgen. Was ist da dran falsch? Komm, lass uns mal was versuchen. Da haben wir den Papierkorb genommen und die Abfälle, die im Papierkorb waren, haben gesagt, okay, wir machen das erste Bild mal zwei Sekunden. Beim nächsten machen wir zwei Sekunden minus ein Bild. Beim dritten zwei Sekunden minus Zweifelde und so weiter und so weiter. Wie weit runter kann man das noch kürzen, dass es noch wahrgenommen wird? Und wir haben da nicht lange, tagelang oder abendelang gesessen und haben dann gesehen, also man kann es beim ersten Mal weniger Zweifelder, beim zweiten Mal weniger Dreifelder und so weiter und so weiter und so weiter, sodass das also dynamisch wird.
41:09 Und du kriegst die Bilder, wenn du dich auf den Rhythmus eingeschossen hast, absolut nicht, ohne dass es dir langweilig oder lahmarschig erscheint, sondern du folgst den Rhythmus dieses Films dann und denkst, ach ja, alles gut. So. Und 37 Frames war also für das erste Bild immer eine gute Maßregel und dann kannst du das andere schneller machen.
41:36 Jan Henrik Pusch: Also was man daran einfach hört, ihr habt ja Abläufe versucht darzustellen und die muss, um das interessant zu halten, ist es eigentlich, würde man heute sagen, total logisch, dass man da versucht, eine Dynamik reinzubringen. Aber das war etwas, was ihr sozusagen erst mal erfinden musstet.
41:54 Armin Maiwald: Ja, erfinden klingt immer so furchtbar. Wie Erfindung des Nylonstroms oder Erfinder von Penicillin. Wir haben gesucht, wir haben ausprobiert, wir haben gesagt, kann es nicht auch anders sein?
42:08 Rainer Nigrelli: Ihr habt Sachen in Frage gestellt.
42:10 Armin Maiwald: Genau. Das ist ja, sag ich mal, einer unserer Dinge bis heute, dass wir eigentlich immer auch versuchen, Dinge in Frage zu stellen, wo alle sagen, das ist so und wir dann sagen, ist es wirklich so?
42:24 Jan Henrik Pusch: Und wann habt ihr in Frage gestellt, dass eure Idee von ohne Kommentar vielleicht doch nicht die Ideale ist? Wann kam der Kommentar dazu und die Tafeln verschwanden?
42:37 Armin Maiwald: Also, das war dann so nach dem, ich würde sagen, im ersten Jahr. Unser erster Sprecher habe ich eben schon bei der Günter Dübus und dann haben wir bei den ersten Malen das so gemacht, wie wir das gelernt haben. Du setzt dich an den Schneidertisch, setzt dich mit Papier und Bleistift hin und sagst, so muss der Satz sein. Und dann hat der Günter Dübus das auch gesprochen und bei den ersten Filmen ging das auch alles. Wunderbar. Wurde auch nicht in Frage gestellt und war vielleicht so, ist vielleicht gar nicht mal so schlecht, da ab und zu einen Satz zu haben, wo man ein bisschen auf irgendwas noch hingewiesen wird.
43:13 Ich sag mal, da hast du eine Totale und in der Totale ist irgendwo ganz klein im Hintergrund irgendwie. Und wenn man da einen Satz, achtet mal genau da drauf auf diesen roten Klexta. Das ist nämlich das, wo es jetzt mit weitergeht. Da kann also so ein Kommentarsatz durchaus hilfreich sein im Sinne, diesen Film oder diese Geschichte verständlich zu machen. Und dann kam irgendwann, wir hatten dann zwischendurch, also wie, ich hab ja produziert, der war ein Wahnsinniger. Wir haben ja Filme für die Verkehrsfach gemacht. Da war ein kleiner Junge, der auch da mitgespielt hat. Und der schrieb dann eines Tages an die redaktion, nachdem die ganze Serie abgedreht war.
43:55 Ich hab übrigens dann und dann Geburtstag kommt, mich doch mal besuchen. Und der Gert Müntefering, von dem mir eben auch schon die Rede war, der fand diesen Brief so witzig und hat gesagt, hört mal, macht das doch. Das ist auch gelungen, wir sind dann dahin. Und in dem Moment, wo der aus seiner Garage eben sein Fahrrad rausholte, um in die Schule zu fahren, sind wir aus dem Bus gesprochen und haben gesagt, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Der hat Augen gemacht wie eine Kuh am Sonntag. Also der war wirklich fertig mit der Welt. Okay. Und ist ein kurzes Filmchen geworden, ich sag mal drei, vier Minuten, den habe ich übrigens viele Jahre später als Handelsrichterkollegen im Gericht wieder getroffen.
44:38 Und erinnerte sich noch dran, erinnerte sich noch an Armin damals. Ach du bist das. Natürlich so. Davon gibt es jede Menge Geschichte. Aber gut, das ist ja nicht unser Thema jetzt hier. Und dann hat der Günther Dübus, also da habe ich dem auch wieder den Text aufgeschrieben für diesen Geburtstagsfilm, gemischt, abgeliefert und dann sah der Gert Müntefering den, trief mich wütend an. Was hast du mit dem Film gemacht? Ich war mir keiner Schuld bewusst. Hast du den umgeschnitten? Ich sagte, Entschuldige, du hast den abgenommen. Warum sollte ich den umschneiden? Ja, dann müssen wir einfach einen ganz anderen Film machen. Ich sagte, nein. Ich habe genau das aufgeschrieben, der Günther hat das erzählt und so.
45:18 Da ist nichts daran geändert. Also der kreiste um den Kronenleuchter, war gar nicht mehr runterzuholen. Und ich saß da und dachte, was hat heute Morgen gefrühstückt oder was hat der geraucht oder was der Teufel was. Jedenfalls, ich konnte mir keinen Reim drauf machen. Nächsten Tag rief er an und sagte, hör mal du alte Eimer, ich glaube, ich weiß, wo ganz gelegentlich hat. Am Schneidetisch, hat er nur zwei Tonspuren, hast du das nebenher einfach so mit runter erzählt. Und der Günther hat das jetzt richtig gesprochen. Das gibt einen ganz anderen Zungenschlag. Tu mir meinen Gefallen, geh nach meinem studio, erzähl das nochmal so runter wie am Schneidetisch.
46:00 Habe ich gemacht, hat er gesagt, genau, das war es. Machs ab jetzt immer. So bin ich dazu gekommen, die Geschichten selber zu erzählen.
46:08 Rainer Nigrelli: Vor allen Dingen mit dieser Haltung zu erzählen. Wir alle kennen das ja, damit sind wir alle aufgewachsen. generationen sind aufgewachsen. Du hast gerade davon gesprochen, von generationen, die diese Haltung einfach mitbekommen haben, wo du einfach so ein bisschen Beschreiben da drangehst. Und das klingt so ein bisschen improvisierter.
46:23 Armin Maiwald: Das ist es auch. Also, die wirkliche Wahrheit ist, ich habe noch nie einen Text abgelesen beim Erzählen von dem Film.
46:30 Rainer Nigrelli: Wahnsinn.
46:32 Armin Maiwald: Ich habe auch keinen geschriebenen Text vor mir. Soll ich gucke mal das Bild an und erzähle zum laufenden Bild. Weil das ist ja so. Ich meine, ihr schneidet beide, ne? Und dann kennt ihr ja das Problem, also du sitzt am Schneidetisch und versuchst der Geschichte einen Rhythmus zu geben. Okay, da muss noch der Satz sein und das muss man da erzählen und so. Und dann schneidest du es so hin, wie du meinst. Ja, das ist jetzt die richtige Länge. Das passt genau vom Text her, machst den Text probeweise am Schneidetisch nebenher noch mit. So bla bla. Und denkst, ja, so ist es. Da hast du also die Arbeitskopie früher so.
47:14 Bist damit in die Studie gegangen. Und dann lief das und dann hast du dazu erzählt. Und dann merkst du, da sind ja noch 15 Felder. Eine halbe Sekunde oder so. Da kannst du noch irgendeinen kleinen Klops reinmachen. Das habe ich dann auch gemacht. Ja oder so. Oder sieht komisch aus, ist aber trotzdem so. Oder irgendein Zeug, was einem dann so in dem Moment gerade durch den Hut stellen kann. Durch die Rübe.
47:40 Rainer Nigrelli: Eine Sache, die ich da wirklich besonders dran finde und auch wichtig zu betonen. Wir schneiden sehr viel fiktionale Sachen. Da wird immer gesagt, oder wir haben so eine Regel, die besagt, wir müssen schon auf das Bild achten. Das Bild ist schon wichtig. Wenn man zum Beispiel, ich sage jetzt mal, ein Musikstück drunter legen würde, dann würden wir uns automatisch an der Musik orientieren und die Bilder nicht mehr so für sich sprechen lassen. Und das passiert, glaube ich, auch bei Reportagen, dokumentarischen Formaten fürs Fernsehen, wo man diesen Sprechertext so früh vielleicht auch schon formuliert hat, dass man sich eher an der Bebilderung des Sprechertexts interessiert, als an das, was du gerade gemeint hast, das, wo du eigentlich später dann kommentierst.
48:22 Armin Maiwald: Was ich für einen Fehler halte. Und weil du eben gerade von Musik sprichst, also vor diesem Problem standen mir natürlich damals auch, selbstverständlich. Der Komponist ist ja sozusagen einer der Letzten, der den Film dann irgendwie noch zu Gesicht bekommt und dann also deine Musik sich da aufdenken soll. Wir haben das völlig anders gemacht. Also unser Haus- und Hofkomponist war viele Jahre der Ingrid Hoffmann, alter Jatzer.
48:50 Rainer Nigrelli: Da kann ich ganz kurz dazu was sagen. Also Ingrid Hoffmann, der ist auch der Komponist, der Titelmelodie von Robby Tobby und das Fieber-Türk und von der Sesamstraße. Also eine Legende. Wir brauchen unbedingt den Kontakt bitte.
49:03 Armin Maiwald: Der wohnt in Rotenkirchen direkt am Rheinufer.
49:05 Rainer Nigrelli: Ich geh den besuchen. Ich habe vor kurzem eine Oper komponiert für die Oper hier in Köln. Also ganz toller Komponist.
49:12 Armin Maiwald: Ja, ja. Und den Enfries habe ich dann leider nicht mehr nehmen können, weil er diesen Job mit der Sesamstraße mit kam. Und der musste dann die ganze Sesamstraße umbauen und umkomponieren und so. Und seitdem haben wir den Manfred Schof, sehr guter Komponist auch. War auch hier lange in der Musikhochschule als Professor oder so. Und weil wir ja dann beim Schneiden auch irgendwann vorwärts kommen mussten, dann haben wir Folgendes gemacht. Dann habe ich mit dem Manfred gesprochen, habe gesagt, Manfred, wir brauchen für ein bestimmtes Ding, brauchen wir eine Musik. Wie genau lang die werden soll, kann ich dem Moment noch nicht sagen. Aber es soll, also da ist viel Natur zu sehen, soll also ein bisschen breit sein und was weiß ich, mit Walthernen, blablabla oder was auch immer.
50:06 Oder eben in industrieller Geschichte richtig mit Zackwum und Maschinen und Krach und Gedöns. Aha, aha, aha, hat er gesagt. Dann habe ich gesagt, okay, wie machen wir das? Und dann haben wir am Schneidetisch uns einen Clicktrack gebaut. Also eins, zwei, drei, vier, zwei, zwei, drei, vier. Und haben dann auf diesen Clicktrack den Rhythmus der Bilder geschnitten. Und dann kam der Manfred und hat gesagt, okay, aber da würde ich lieber zwei Takte machen. Ja klar, kannst du machen, ist kein Problem. Aber er hatte schon den Rhythmus und wir hatten da vorher gesprochen. Was stellst du dir vor? Drei Viertel, vier Viertel, fünf Viertel, sieben Achtel, was das da toll war.
50:47 Und das kannst du auch im Clicktrack. Du kannst ja auch eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, was auch immer. Und danach haben wir dann das Bild schon mal geschnitten. Das heißt, es hatte schon den Rhythmus der Musik. Und du musstest also nicht nach der komposition noch mal irgendwie ansagen, ah, Scheiße an der Stelle, das geht so gegen den Beat, da musst du noch mal was wegschneiden und noch mal drei Felder dranflicken. Film, ihr wisst ja, Film, ab ist ab und weg.
51:16 Rainer Nigrelli: So.
51:16 Armin Maiwald: Und um das zu vermeiden, sind wir diesen Weg gegangen.
51:20 Rainer Nigrelli: Ja, ja, das ist toll. Clicktrack ist ja so ein Begriff aus dem Hollywoodkino. Eigentlich ist das das, was die damals schon in den 30ern entwickelt haben, Max Steiner, Vom Winde verweht und so, wo die quasi den Film gesehen haben und die Musik komponiert haben. Und damit das synchron zum Film abspielbar war, haben sie sich einen Clicktrack dann später gebaut, damit sie auch wirklich die Takte treffen. Und ihr habt den quasi davor schon gemacht.
51:45 Armin Maiwald: If you got the chance to play on the beat, don't miss it.
51:50 Rainer Nigrelli: Ja, super. Wo waren wir? Wir waren beim Kommentar. Vielleicht können wir da auch so ein bisschen draufkommen. Ihr habt die Form gefunden, mehr oder weniger so eure Form mit der blauen Pappe, mit dem Kommentar, mit der Musik, vielleicht auch mit der Länge.
52:07 Armin Maiwald: Der Kommentar ist ja auch flapsig. Also wenn ich das erzähle, das ist ja nicht so. Das ist ja kein grammatikanisch hochwertiges Deutsch. Da passiert es auch schon mal, dass du hinten vergisst, irgendwie ein Verb dran zu hängen oder so.
52:23 Rainer Nigrelli: Ja, für mich ist das die menschliche Komponente an der Sachgeschichte, weil die Kamera ist sehr interessiert an der Sache. Ich sehe gar nicht so viele Gesichter, aber das emotionale kommt über deine Stimme und über diese Erzählung.
52:35 Jan Henrik Pusch: Und was wir uns bei der Vorbereitung mal nochmal gefragt haben, ist, was ist das Besondere, wie ihr für Kinder erzählt? Ich glaube, das ist nämlich etwas, was wenn ihr euch gefunden habt. Und da müsste man wahrscheinlich so bestimmte... Unsere Vorgehensweise war, dass wir uns unterschiedliche, die älteren, die neueren Sachen angeguckt haben, um dann mal zu verstehen, was ist das, was wahrscheinlich das Besondere ist? Und ich glaube, wir könnten so ein paar Beispiele mal in den Raum werfen, um mal über bestimmte Dinge zu sprechen. Und ich fände es total spannend, auch mal zu hören, ob manche Dinge vielleicht im Schneideraum entstanden sind oder ob vieles immer schon von vornherein sozusagen so war.
53:19 Also wie du jetzt eben gesagt hast, das hat nicht funktioniert mit dem eigentlichen Kommentar. Dann habt ihr am Produkt gemerkt, okay, lass uns das anders machen. Ich glaube, ich würde mal mit dem Löcher im Käse starten.
53:34 Armin Maiwald: Auch ein Klassiker, ja.
53:35 Jan Henrik Pusch: Weil was mir daran aufgefallen ist, ihr nehmt eigentlich ein ganz trockenes Thema. Wie wird Käse hergestellt? Aber es wird ein Klassiker, weil ihr eine Frage vorne ranstellt, die sagt, wie kommen denn die Löcher da rein? Und macht vorher ein bisschen Klamauk mit dem Bohrer, der den Käse bohrt und sonst was. Und robotern.
54:02 Armin Maiwald: Das Roboterballett war mein Sohn und seine zwei Freunde.
54:08 Jan Henrik Pusch: Und setzt dann einfach nur eine Frage obendrauf. Und plötzlich ist es ein spannendes Stück. Und genau, jetzt weiß ich nicht, hier ist wahrscheinlich recht klar, dass die Idee vorher gefallen ist. Das war keine Sache.
54:25 Armin Maiwald: Also viele Themen, die wir bekommen, gehen zurück auf Fragen von Kindern. Also es ist bis heute so, dass wir jeden Sonntag zwischen 1000 und 2000 Zuschriften bekommen. Also auf Postkarten mit gemalten Bildern, auf E-Mails und mit allem, was ihr euch vorstellen könnt. Insofern sind eigentlich die ganz einfachen Fragen von Kindern die beste Quelle, die man überhaupt haben kann. Also jeder hat schon mal ein Bleistift in der Hand gehabt oder einen Kugelschreiber. Jeder kennt das Ding. Und dann kommt die Frage von so einem Kind, damals vor gefühlten hundert Jahren, wie kommt eigentlich die Miene in den Bleistift? Okay, und dann gibt es zwei Kriterien, nachdem wir uns von damals bis heute immer orientiert haben.
55:18 Und das werden wir wahrscheinlich auch, ich hoffe, nie verlassen müssen. Das ist einmal die journalistische Sorgfasspflicht. Das heißt, wir recherchieren bei allem, was wir machen, so lange, bis der Arzt kommt. Das kann lange dauern. Manchmal Monate, manchmal ein halbes Jahr, manchmal noch länger. Also der längste Film, der mir über drei Jahre gedauert. Was macht Vitamin C in meinem Körper? Gut, auch Klassiker. Egal. Also einmal die journalistische Sorgfasspflicht zu sagen, ist es wirklich so? Und das Zweite sind dramaturgische Gesetze. Also Dramaturgie ist keine ostsibirische Geschlechtskrankheit, sondern die Kunst, eine Geschichte zu erzählen. Und ich habe ja im Hauptfach Theaterwissenschaft studiert. Was anderes gab es damals noch gar nicht.
56:15 Und eine Geschichte hat ja, sie hat einen Anfang und sie hat ein Ende. Das kann ein Happy End sein, das kann ein überraschendes Ende sein. Es hat irgendwo einen Höhepunkt oder zwei. Und es gibt eben auch, wie beim Krimi typisch, ein paar falsche Straßen, in die man geführt wird. Was man natürlich zur Meisterschaft führen kann. Das haben wir auch zum Teil schon gemacht. Okay, da wird jetzt ein Schirm draus. Oh, Scheibenklasse, da ist gar kein Schirm. Nochmal zurück, wird was anderes draus. So, also alles das aus der Werkzeugkiste der Dramaturgie, die man benutzen kann. Man kann eine Geschichte von rückwärts erzählen. Also komisch, hier habe ich also ein Ding auf dem Tisch, das ist ein schwarzes Ding.
56:59 Was ist denn das vorher gewesen? Oder was auch immer. Oder von Anfang. Ich habe hier drei Pülverchen und das wird das und das da. Oder aus der Mitte raus, dass man irgendeinen komischen Gegenstand in der Hand hat oder so. Da habe ich neulich das gefunden, irgendwo bei mir im Haushalt auf der Straße, irgendwo. Was ist denn das und was kann daraus werden? Oder was kann das vorher oder wo draus ist das so? Also du kannst eine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählen. Und du musst eben eins versuchen, die Geschichte mit einer gewissen Spannung zu versehen. Das heißt, wenn man am Anfang eine Frage stellt, die also hinreichend spannend wird zunächst mal oder klingt, wie kommen die Mähnen in den Bleistift?
57:43 Das ist zunächst mal eine banale Frage, aber eigentlich doch, ach ja, hab ich noch nie drüber nachgedacht. Dann hast du schon, ich sag mal, ein Teil der Leute auf deiner Seite. Und dann sagst du, okay, und das machen wir auch. Das ist wie in einem typischen Reisevideo. Wir machen uns mal auf die Suche. Wir fahren mal los. Wir gucken mal, wo dein Bleistift her und womit geht das los? Oh, mit Baumstamm oder was der Teufel was.
58:09 Jan Henrik Pusch: Bei der Miene geht ihr sogar so weit, dass ihr Angebote macht, wie es sein könnte.
58:15 Armin Maiwald: Ja, wir lassen hier auch einen Baum wachsen.
58:16 Jan Henrik Pusch: Da sind wir ja wirklich in der Dramaturgie schon recht weit vorne. Und auch in einer speziellen Kindertramaturgie, weil es ja eine Kreativität und ein Vorstellungsvermögen triggert. Weil man hat sich noch nie Gedanken darüber gemacht. Man denkt auch, wieso sollte man sich Gedanken drüber machen? Die sind doch da. Ihr bietet was an, wo man abschweifen kann.
58:37 Armin Maiwald: Ja, man darf dann auch Quatsch machen. Also die Kinder haben ja auch großen Spaß daran, sich zu verkleiden oder irgendwie Blödsinn zu machen und so. Und das darf ja nicht verboten sein. Auch das kann ja ein Stück aus der Werkzeugkiste der Dramaturgie sein. Okay, wir machen jetzt mal was völlig Verrücktes. Und entweder ist es so verrückt, es könnte ja doch so sein oder dass alle gleich sein. Naja, das kann es bestimmt nicht sein. Aber wie auch immer. Jedenfalls hast du dann schon deine Zuschauer als Partner, die in dem Moment dabei sind. Kann das so sein oder kann das nicht sein? Das heißt, du hast eine gewisse Art von Aufmerksamkeit erweckt und musst jetzt darauf achten, dass die bis zum Ende der Geschichte erhalten bleibt.
59:25 Rainer Nigrelli: Ja, super. Ich finde, was du eigentlich meinst ist, oder wie man es zusammenfassen könnte, ihr kommuniziert mit dem Publikum, weil ihr sagt, guck mal so. Nee, das ist natürlich Quatsch. Vielleicht so. Also ihr animiert die zum Mitarbeiten.
59:38 Armin Maiwald: Ja, klar.
59:39 Jan Henrik Pusch: Aber ihr unterhaltet auch damit. Und das ist ja das, was du auch ziemlich früh schon mal gesagt hast. Es geht ja nicht nur um Wissensvermittlung, sondern ihr macht auch Quatsch. Als anderes Beispiel kann man, glaube ich, sehr gut die Zahnpasta, die Streifen in der Zahnpasta sagen. Ein sehr schöner Film, wo du...
59:58 Rainer Nigrelli: Klassiker übrigens.
1:00:00 Jan Henrik Pusch: Wo du, ja, in einer Art Sprechgesang deinen Text vorträgst, wahrscheinlich.
1:00:06 Armin Maiwald: Weißt du, das war so eine Geschichte, wenn du tausend Sachgeschichten gemacht hast und hast immer nur, okay, da ist das Bild, da ist das Stahl, da ist ein bisschen Musik und so. Okay, ein Kommentar. Irgendwann kommst du an den Punkt, dass du sagst, ich muss jetzt mal was ganz anderes machen. Und wie könnte das aussehen? Und da hab ich gesagt, ja, also der eigentliche Herstellungsvorgang von dieser, von diesen Streifen in Zahnpasten war ja relativ banal. Okay, wir müssen dem irgendwie ein Dreh geben, dass es wieder interessant wird. Und dann haben wir eben auch mit den Zahlen, vielleicht einen Rückgriff auf eine der ersten, mit Zahnpasta haben wir eben die Zahlen auf den Spiegel geschrieben, zum Beispiel.
1:00:55 Okay. Und dann haben wir gesagt, okay, es sind eigentlich drei Geheimnisse oder vier Geheimnisse. Und dann haben wir die der Reihe nach eben aufgedreuselt. Ja, das ist eine Geschichte, die ist am Schneidetisch entstanden, als du gesehen hast, die eigentliche Herstellung ist banal. Das wird keine Geschichte, das wird nichts. Und dann habe ich da überlegt und hier gesessen, das ist hier entstanden, an diesem Schreibtisch, der Text. Und der Film ist da drüben geschnitten worden, wo er eben anscheinend geschnitten ist. Naja, gut. Und da habe ich gesagt, ich versuche das einfach mal. Ich weiß nicht, ob es funktioniert. Und dann, ja, entschuldige mal, wenn du Filme machst, dann bist du ja tatsächlich jedes Mal so, wie der Artist in der Zirkuskuppel auf dem Draht sei.
1:01:53 Du kannst damit abstürzen. Jeder Film ist ein neuer Versuch, eine Geschichte zu erzählen.
1:01:58 Rainer Nigrelli: Kein Film ist wie der andere.
1:02:00 Armin Maiwald: Natürlich nicht. Und soll auch nicht so sein. Sondern das ist eben auch die, wie sagen wir, vielleicht, wenn du so willst, die Kunst, eben die Dinge, obwohl du irgendwas erklärst, nicht immer gleichzumachen. Weil, ich meine, Langeweile ist das, was du in der Schule, ich meine, der Lehrer erklärt auch Dinge. Und was passiert? Geografie, Philosophie oder Erdkunde, religion, alle schnarchen und gucken unter sich und versuchen, möglichst nicht aufzufallen und keine Aufmerksamkeit zu erwecken, damit der Lehrer dich nicht dran nimmt. Und insofern war uns immer klar, Schule ist was Systematisches. Was wir machen, ist nicht Systematisches, sondern unsere Themen sind ja ganz unterschiedlich und auch wild durcheinander.
1:02:51 Rainer Nigrelli: Aber du meintest, das ist am Schneidetisch entstanden. Sprich, dieser Text, diese Idee, vielleicht sprech, singe ich das jetzt mal.
1:03:00 Armin Maiwald: Ja, habe ich versucht.
1:03:01 Rainer Nigrelli: Und ist dir auch übrigens gelungen, weil du bist mit 1990 echt früh dran mit Deutschrap. Das gab es im Grunde nicht, oder?
1:03:10 Armin Maiwald: Ja, also man muss dazu sagen, ich bin natürlich kein Sänger. Und das Ganze zu singen und jetzt jemanden einzukaufen, also ich dachte, komm, ich versuche das mal selbst. Und der Sprechgesang und so. Und dann ist es natürlich auch so, dann hast du den Text geschrieben und der Mann, Fritz, hat also die Musik gemacht. Und dann war natürlich auch Holperer drin, wurde dann sagen, ah, Scheiße, hast du nicht dran gedacht. Da ist ja noch ein halber Takt oder so. Dann habe ich dann auch immer irgendwelchen Blödsinn dann auch gemacht. Und ja, das ging aber auch. Und wie gesagt, es war also ein Versuch und wir haben es der redaktion vorgeführt.
1:03:50 Und die hat dann gesagt, ach ja, warum denn eigentlich nicht?
1:03:54 Rainer Nigrelli: Das Ding ist, 1990 war ich acht Jahre alt und meine Erinnerung an eine Sachgeschichte, an eine Sendung mit der Maus ist dieser Film. Ich habe mich nicht an die Musik erinnert, aber diesen Film hatte ich komplett vor Augen, weil ich kann das immer noch meinen Kindern erklären, wie das überhaupt funktioniert, dass die roten Streifen da reinkommen. Also irgendwas ist da unbewusst wahrscheinlich hängen geblieben.
1:04:12 Armin Maiwald: Guck mal, das ist das Beste, was einem passieren kann. Also irgendetwas mitzubekommen, oder irgendwie, nachdem du irgendwas, dass du nachher klüger bist als vorher, ist ja kein Fehler. Aber das muss ja nicht wehtun. In der Schule tut es manchmal weh. Du musst immer wieder in der tajenischen Vokabeln, in der englischen Vokabeln, bis du es nicht mehr hören kannst. Und das wollten wir nicht. Wir haben das immer den AHA-Effekt genannt. Wenn sich der einstellt, nach dem Bleistift zum Beispiel, ach so geht das, aha, dann beginnt dieser banale Gegenstand plötzlich ein Eigenleben zu kommen. Und du nimmst das Ding ganz anders bewusst wahr und nimmst es auch anders in die Hand.
1:05:01 Jan Henrik Pusch: Wann habt ihr eigentlich angefangen, euch als Filmemacher mit vor die Kamera zu nehmen? Ist das auch etwas, was sozusagen dann irgendwann, weil eigentlich ist das ja so ein Ding, was man in solchen Sachen auf jeden Fall vermeiden sollte. Und das ist dann wieder etwas, wo man so denkt, wenn man dann aber es durchdenkt, was dann plötzlich passiert, weil die Barriere aufgehoben wird zwischen den Leuten, die das gucken und den Leuten, die es machen, ist es plötzlich ein gemeinsames Erleben. Wann habt ihr denn damit angefangen und war das die Kampf?
1:05:36 Armin Maiwald: Das war zu Zeiten von, ich glaube Dieter Saldecki war da gerade der Redakteur. Der sagte irgendwann, also jeder kennt deine Stimme, aber keiner weiß, wie du aussiehst und wer du bist. Du musst einfach mal vor die Kamera. Wobei die Schwierigkeit da ist, grundsätzlich waren bei uns immer Interviews tabu. Machen wir nicht. Also das, was der klassische Dokumentarfilm ist. Also Herr Generaldirektor, sagen Sie doch mal, wie sind Sie da sogar gestrichen?
1:06:08 Sprecher: Gab es nicht.
1:06:11 Armin Maiwald: Und eben auch eigentlich, dass die Macher nicht davor, das haben wir da durchbrochen. Aber ich, ehrlich gesagt, ich müsste jetzt lügen, wenn ich euch irgendwer einen vom Pferd erzählen wollte, wann das, welcher Film das genau war. Ich weiß es nicht.
1:06:25 Rainer Nigrelli: Das Interessante dabei ist ja, dass das auch ein dramaturgisches Mittel sein kann. Wenn man jetzt mal zum Beispiel den Maulwurf-Film nimmt. Oder du hattest gestern noch ein anderes Beispiel. Also wo man so ein bisschen sieht. Die Ritterrüstung. Genau, die Ritterrüstung. Wo auch sozusagen du gezeigt wirst, wie du in Ritterrüstung hochgezogen wirst. Aber dass dir weh tut, dass da sozusagen beim Prozess schon irgendwas falsch läuft. Aber das wird miterzählt. Sprich, man ist auch bei euch dabei, wie ihr selbst Sachen rausfindet. Und das zeigt dir eben auch.
1:06:56 Armin Maiwald: Ja, klar. Ich meine, das ist natürlich auch der größte Spaß unter Umständen. Heutzutage gibt es ja legendäre oder legionen von Making-of-Filmen, wo du dann siehst, was eigentlich hinter den Kulissen passiert, bis du dies oder jenes zustande gebracht hast. War übrigens einer meiner ersten Filme, die ich gemacht habe. Ich glaube sogar, der zweite insgesamt. Der heißt Klappe 619. Und das war in Klappe 619, das war also in einem Spielfilm, was alles notwendig war, bis dieses Bild, also Klappe 619, in dem fertigen Film tatsächlich eingestellt werden konnte. Und das war so, einer meiner alten Chefs, der Klaas Lombard, der hat den Film gedreht, den Spielfilm. Und der Müntefering hat gesagt, mach doch mal so, was alles notwendig ist.
1:07:56 Also was weiß ich, die Schafe mussten zusammengezogen werden und das Licht und die Sonnenreflektoren und ich weiß nicht was, und Ton ab und Bild ab und Scheiße, Schafe haben nicht gemacht, was soll, noch mal zurück und blau und gedehnt. So. Und der Film war natürlich 35 Millimeter und wir durften natürlich nur 16 drehen, ist ja klar, klar. 35 war für ernsthafte Sachen und 16 war dann für, naja, muss halt sein. Und wir haben dann auf 16 geredet und dann musste ich mit der Cutterin, die den geschnitten hat, musste ich also verabreden, dass sie dann diese Szenen, die also sowohl vom Rohmaterial, die erste, die zweite, die dritte runter kopiert werden auf 16, sodass ich das mit meinem Material verbinden konnte.
1:08:44 Und mein Material war also schwarz-weiß und das Material aus dem Film war Farbe, sodass man eben auch noch ganz deutlich sehen konnte, das ist das, was die tatsächlich gedreht haben und das ist das, was dazu notwendig war. Ich glaube, der läuft vielleicht, ist heute noch im Institut für Film und Bild, den Wissenschaft und Unterricht. Sie haben den der Mas jedenfalls dann vom Sender gekriegt. Ja, das war ein Making-of, wenn du so willst oder wenn ihr so wollt. Und der machte auch klar und der ist auch mit großem Erfolg gelaufen, dann auch im Sender erst mal, dass es den Leuten durchaus Spaß machen kann, mal zu zeigen oder zu sehen, was alles notwendig ist, bis sowas fertig ist oder so.
1:09:40 Und insofern haben wir dann auch gesagt, ja klar, wenn das den Leuten Spaß macht, warum das nicht in die Geschichte einbauen? Und zu zeigen, okay, bis wir das hingekriegt haben, mussten wir Meter durch den Schlamm laufen oder mussten wir was, weiß ich, das und das anstellen. Zum großen Spaß, wenn dann der ganze Verein dann irgendwo aus der Kohlegrube kommt und schwarz ist bis oben hin und so.
1:10:07 Rainer Nigrelli: Klar. Ja, ja, das macht was mit euch auch als Filmemacher. Ihr seid dann auf einmal so Teil der Geschichte.
1:10:13 Armin Maiwald: Wenn man so will, ist es vielleicht, heute nennt man das Community. Ich kann Nieselratter nicht leiten. Also gut, OK, das ist aber meine Macke, dass ich all diese Anglizismen also.
1:10:26 Rainer Nigrelli: Ich hätte tatsächlich eine Community Frage, weil du vorhin meintest, es gibt hier dieses also die Themen, woher kommen die? Die kommen von den Zuschriften der Kinder. Und ich glaube, das ist auch ein Geheimnis für eure Dramaturgie. Warum die auch gut funktioniert, weil Kinder kommen eben auf Themen, auf die Erwachsene nicht kommen. Absolut. Und zum Beispiel haben wir uns gestern überlegt, eigentlich ist das Journalismus, der sich aber für ganz spezifische Details interessiert, die man sich als Erwachsene eigentlich nicht mehr traut, zu fragen, weil eigentlich müsste man die ja wissen. Und deswegen ist das so interessant. Deswegen guckt man eben, ja stimmt, wie war das nochmal mit den Löchern?
1:11:00 Irgendwas ist da mit der Milch, wird die geschüttelt? Wie kann das eigentlich nochmal sein, dass sowas passiert? Und dann fühlt man sich nicht ertappt. Aber man hat dann auf einmal dieses Interesse, das dann damit wieder rauszufinden.
1:11:11 Armin Maiwald: Ja, ich sage immer so, setzt mal auf einer Party ein Musiker, ein Fußballer, ein Chemiker und Verwaltungsangestellten zusammen in den Kreisen, die sollen sich unterhalten.
1:11:22 Rainer Nigrelli: Megaparty.
1:11:25 Armin Maiwald: Was geht da? Wetter? Fußball? Allenfalls noch Mädels. Okay, Ende der Durchsage. Und wenn dann, ich sage mal, der Chemiker meint wegen, sagt, okay, ich habe eine Forschung, das und das und so, machen alle ein kluges Gesicht und sagen, naja, klar, verstanden hat, keine Sau davon irgendwas. Das heißt, das ist dann auch immer manchmal unser Problem. Ich sage mal, die Fachleute unterhalten sich ja untereinander in ihrem speziellen Fach Chinesisch.
1:11:55 Rainer Nigrelli: Ja.
1:11:56 Armin Maiwald: Und eine unserer wichtigsten Dinge ist eigentlich immer, dieses Fach Chinesisch zu durchbrechen. Weil du kannst natürlich auch eine Sache so weit vereinfachen, bis sie plötzlich falsch wird. Das heißt, okay, da ist noch eine Kurve drin. Muss ich die Kurve noch nehmen? Oder kann ich die abschneiden und kann sagen, es geht so und so? Fertig. Und deswegen lassen wir da die Experten eigentlich immer noch mal drüber gucken. Einfach auch zu sagen, liegen wir da noch richtig? Oder sind wir da schon auf der falschen Seite?
1:12:28 Rainer Nigrelli: Das ist sehr schwierig.
1:12:29 Armin Maiwald: Ganz wichtig.
1:12:30 Rainer Nigrelli: Das haben wir auch im Fernsehen. Also journalistische Formate, die journalistisch korrekt sein wollen, aber trotzdem eben eine Geschichte sein wollen, müssen die die wollen abkürzen auch hier und da und vereinfachen. Sonst ist es ja nicht ein Film. Es muss ja irgendwas filmisches haben. Und das hinzukriegen ist natürlich die große Kunst. Wir haben noch ein Beispiel. Wollen wir das noch kurz annehmen?
1:12:55 Jan Henrik Pusch: Ein Beispiel machen wir noch und dann gehen wir in die Kategorie.
1:12:57 Rainer Nigrelli: Dann gehen wir in die Kategorie-Abteilung. Wir haben nämlich noch was vor mit dir.
1:13:00 Armin Maiwald: Kategorie.
1:13:00 Rainer Nigrelli: Ja. Kein deutsches Wort immerhin. Der Marc hatte...
1:13:05 Armin Maiwald: Eigentlich ein griechisches Wort.
1:13:06 Rainer Nigrelli: Entschuldigung. Ich habe auch Theaterwissenschaft studiert, aber das ist auch bei mir zu lange her. Ich weiß es nicht mehr. Also der Marc Schubert, mit dem wir vorhin gesprochen hatten, der hatte auf einen Film hingewiesen, den er persönlich sehr toll findet und den haben wir uns auch angeschaut, und zwar den Regenrinnen-Film. Und da ist wirklich was ganz Interessantes, weil das Thema ist eigentlich... Ich würde schon sagen, per definition banal und auch nicht das Aufregendste. So, aber ihr habt es geschafft, daraus eine Geschichte zu machen. Und vielleicht magst du mal ganz kurz erzählen, oder wir können ganz kurz unsere Wahrnehmung erzählen, weil wenn man das Video jetzt natürlich im Internet anklickt, dann ist, glaube ich, der Titel, wie baut man eine Regenrinne oder so.
1:13:50 Aber die erste Frage, die du dir stellst in einem Film, ist wie noch mal gewesen, wie kriege ich das Ei von meinem Büro in den Keller, in die Pfanne? Aber vielleicht magst du mal erzählen, was ihr da dann gemacht habt, was ihr euch ausgedacht habt, um dieses Thema eben überhaupt in Kinderköpfe zu bringen.
1:14:11 Armin Maiwald: Also das war eigentlich eine Geschichte, die der Jan gemacht hat. Das ist jetzt mittlerweile mein Partner, der Jan ist auch schon über 30 Jahre hier und der kam mal sozusagen gerade von der Bundeswehr und hat dann hier auch gelernt. Und wir haben da zusammen überlegt, was kann man da was machen und sagen, okay, also der eigentliche, wie eben bei der Zahnpasta-Geschichte, der Herstellungsvorgang ist eigentlich relativ banal. Was kann man machen, um der Geschichte einen Twist zu geben? Okay, und dann sind wir eben auf diese Geschichte mit dem Ei gekommen und dann haben sie durchs Treppenhaus also die Regenrinnen aufgebaut.
1:14:52 Rainer Nigrelli: Was ein irrsinniger Aufwand ist natürlich, da sind zwei Regenrinnen, ich weiß nicht, Handwerker, die das wirklich ganz penibel aufbauen, dieses System.
1:15:01 Armin Maiwald: Ja, mussten auch, weil ich meine, da kommen ja dann also irgendwelche so Stücke, wo es um die Ecke geht und was da toll war und so. Ja, aber die fanden die Dachrinnen, Leute fanden das auch ganz spannend. War dann auch schnell dabei zu sagen, ja klar machen wir. Also das ist ja häufig so, ich sag mal, mittlerweile ist die Sendung mit der Maus ja so was, was du als Sesamöffnendicht bezeichnen konntest. Ich wollte mal vor gefühlt 100 Jahren einen Film machen über Stahlherstellung. Wir hatten eigentlich Stahl gemacht. Und dann haben wir da bei ThyssenKrupp angerufen und wir wollten bei der Pressestelle einen Film machen wie Stahl.
1:15:46 Wir sagten, tut uns leid, bei uns herrscht absolutes Fernsehverbot. Bei uns kommt kein Fernseh mehr durch die Tür. Wir sagten auch, das ist schade, wir wollten das für die Sendung. Ach, für die Sendung mit der Maus. Wann wollen sie denn kommen? Okay, und dann bin ich da zur Vorbesichtigung gewesen am Hochofen, hab mir erstmal angeguckt, wie geht das dann eigentlich, und mir erklären lassen. Und dann haben die vor dem Hochofen alles freigeräumt, dass wir da, also wir hätten da Ballettafführungen inszenieren können. Aber weil die Leute eben auch wissen, wir verarschen sie nicht. Wir nehmen sie ernst. Wir nehmen auch das, was sie tun, ernst.
1:16:27 Rainer Nigrelli: Das ist übrigens auch, was ihr tut mit den ZuschauerInnen. Also ihr nehmt die Kinder ernst.
1:16:32 Armin Maiwald: Ja, klar.
1:16:33 Rainer Nigrelli: Das ist ganz wichtig. Also ihr redet da nicht von oben herab, sondern ihr euch auf Augenhöhe tatsächlich. Und ich glaube, das verstehen Kinder und nehmen das.
1:16:41 Armin Maiwald: Die sind ja über nichts schneller sauer, als wenn ihnen einer in so einem Kindergarten-Ton kommt. Ah, total, ihr lieben Kleinen, ihr wisst das ja noch gar nicht. Und dann so und so. Das fühlt sich verarscht.
1:16:51 Rainer Nigrelli: Das gibt es ja auch tatsächlich.
1:16:52 Armin Maiwald: Das gibt es ja auch. Diese Art von Kinderfernsehen gab es auch damals schon.
1:16:58 Rainer Nigrelli: Das ist was Besonderes. Ihr macht Journalismus für Kinder. Das heißt auch auf Augenhöhe. Ja.
1:17:02 Armin Maiwald: Und das waren alles damals Beispiele. Das Feuerrote-Spielmobil und Klapperkiste und Klee-Klar-Klar-Vitam, was es da alles gab. Mit Milliarden von Wissenschaftlern und Pädagogen im Hintergrund. Also alles mögliche Sachen. Das kann man so nicht machen. Um Gottes Willen, das ist der Tod. Und die gibt es alle nicht mehr. Wir haben überlebt.
1:17:26 Rainer Nigrelli: Ja, warum? Das ist ein Erfolgsrezept, ganz klar. Du willst was sagen, Jan?
1:17:33 Jan Henrik Pusch: Ich wollte euch auf gar keinen Fall unterbrechen, weil ich würde jetzt zu den Kategorien gehen. Ich finde aber dieses Thema mit Augenhöhe und Zählen und wie man mit Kindern erzählt, ich finde, das kann man noch kurz zusammenfassen, dass man wirklich sagt, dass ihr dramaturgische Mittel anwendet, um Kinder zu erreichen, ist ja genau das, was man sagt. Du machst einen Film, der muss auch für Kinder dramaturgisch interessant sein und nicht einfach nur irgendwie 0815. Von daher...
1:18:04 Armin Maiwald: Einer der ganz frühen, ich sage mal Grundsätze, philosophischen Richtschnüre, war noch in der in der Zeit, vor der ich ganz früher gesprochen habe, so in den 60er Jahren, wo wir überlegt haben, was machen wir und eigentlich im Negativ-Ausschluss immer gesagt haben, nein, so machen wir es gar nicht und so auch nicht und so auch nicht, war, dass wir uns überlegt haben, wenn wir es schaffen könnten, Geschichten zu machen, die für Kinder spannend, aber für Erwachsene, die zufällig zuschauen, auch nicht langweilig sein würden. Wenn wir es unter Umständen schaffen würden, dass Kinder zusammen mit ihren Eltern die gleiche Geschichte anschauen und dann unter Umständen hinterher darüber noch mal ins Gespräch kommen, dann würden wir wirklich was Vernünftiges geschaffen haben.
1:18:56 Aber das war ein Anspruch, eine Überlegung. Wenn wir das hinkriegen könnten, wir haben selbst erst mal nicht dran geglaubt und gesagt, okay, wir versuchen mal. So. So ist es gewesen.
1:19:09 Rainer Nigrelli: Ja, also, ich glaube, wir, Jan und ich, können bestätigen, wir gucken das jetzt, nachdem wir das als Kinder geguckt haben, mit unseren Kindern. Es funktioniert. Und wir sprechen danach drüber. Also, das ist tatsächlich weiterhin wirkungsvoll.
1:19:23 Jan Henrik Pusch: Und gucken uns plötzlich den Kran in der Nachbarschaft ganz anders an, als wir es noch vorher gemacht haben, wo wir eben das Modell unten sehen.
1:19:30 Rainer Nigrelli: Da könnten wir übrigens auch noch mal ganz kurz zum Schnitt kommen. Also, man schärft quasi mit den Sachgeschichten den Blick der Kinder auf bestimmte Dinge im Leben, könnte man jetzt als These mal so aufstellen. Und das machen wir, wenn wir schneiden, wir Editoren ja auch. Also, wir gucken uns Dinge an und versuchen, rauszufinden, wie erzählt man das, was wir vorhin gesagt haben. Marc guckt sich was an und sagt, vielleicht brauchen wir noch diesen Schritt. Lass uns den vielleicht doch nochmal aufnehmen, da unten im studio.
1:19:58 Armin Maiwald: Ja, das war eben auch eine der Ansätze von Gert Müntefering. Zum Beispiel damals, davor gab es ja Kinderprogramm, da saßen die Kinder immer in Sonntagskleidung, brav im studio und eine Tante erzählte, was so dein Onkel bastelte, irgendwas und sagt, wir müssen raus aus dem studio. Wir müssen den Kindern die Welt zeigen, in der sie leben. Also, unser Anspruch war eben auch, geht mit offenen Augen durchs Leben, schaut euch diese und jenes an und guckt an und fragt euch, was ist das, woher kommt das, wie geht das und so. Und ja, das scheint uns doch in Teilen gelungen zu sein.
1:20:35 Rainer Nigrelli: Ja, genau. Und wie gesagt, die Verbindung zum Schnitt ist da. Also, wir fragen uns das natürlich auch mit dem Material, das wir bekommen und müssen schärfen den Blick auf bestimmte Aspekte, die man dann für das Geschichten erzählen braucht.
1:20:47 Armin Maiwald: Du hast gerade gesagt, ihr macht meist fiktionale Dinge. Okay, bei den Spielfilmen, so war ich auch Regie-Assistent dabei. Da wird ja wahnsinnig viel Geld und Gedankenschmalz darauf verwendet, es in der fiktion so aussehen zu lassen, als wäre es die Wirklichkeit. Da werden also alte Eisenbahnwaggons und Autos aus den 17er-Jahren rangekarrt und so. Um die illusion zu erwecken, man befände sich im Erzählstrand der Geschichte dabei. So wir haben genau das Gegenteil. Wir haben die krasse Realität der Gegenwart. Also sozusagen wir haben das dokumentarisch und müssen versuchen, da draußen eine Geschichte zu machen. Also es ist sozusagen die Umkehrung dessen, was ihr normalerweise macht.
1:21:37 Rainer Nigrelli: Aber wir verstehen das, was du uns erzählst. Wir können folgen.
1:21:41 Armin Maiwald: Okay.
1:21:41 Rainer Nigrelli: Ja, dann lass uns doch mal in die erste Abteilung der Kategorien, griechisches Wort übrigens, hüpfen.
1:21:48 Sprecher: Liebe Filmfreunde, kommen wir nun zu unserer Rubrik Knutsch the Kintop. Was sind ihre Darlings?
1:21:55 Jan Henrik Pusch: In der Kategorie fragen wir normalerweise nach dem bestgeschnittenen, je nachdem, aus welcher Welt wir den Gast da haben. Hier wäre die Frage nach dem bestgeschnittenen Mausfilm.
1:22:07 Rainer Nigrelli: Hast du noch eine in Erinnerung?
1:22:08 Armin Maiwald: Ja, habe ich eine in Erinnerung. Ja, und zwar ist das eine Geschichte, die ich komplett zweimal geschnitten habe. Und zwar war das die Geschichte von Katharina. Katharina war ein Mädchen, ein sechsjähriges Mädchen, das genau am 25. Mausgeburtstag morgens um 6 Uhr gestorben ist. Das war ein behindertes Kind, das eine seltene Muskelerkrankung hatte. Und wir kriegten also mit dieser gesamten Fanposti nach dem 25. Mausgeburtstag kam eben auch ein Brief der Großmutter, die schrieb Ich wollte Ihnen nur sagen, dass an diesem Tag nicht nur schöne Erinnerungen geknüpft sind, sondern auch eine traurige. Meine Enkelin ist im Alter von sechs Jahren, genau morgens um 6 Uhr. Die wollte sich so sehr gefreut.
1:22:57 Die wollte also auf den Hongkali-Platz, wollte bei der Feier dabei sein und um 6 Uhr ist sie völlig unerwartet gestorben. So und dieser Brief der Großmutter landete dann im Zuschauerbüro und der Dieter Saldecki zog den mit schwitzen Fingern raus und ich kriegte den dann hier an diesen Schreibtischen, hab den von da nach da gelegt und wieder zurück und sag, was macht man denn mit sowas und er sagte, können wir nicht eine Geschichte machen über dieses Mädchen? Wer war das? Wie lebte das und so? Und ich wusste da also überhaupt nichts mit anzufangen, hatte auch keine Lösung. Das einzige, was mir sinnvoll erschienen war, an die Großmutter zurückzuschreiben und sagen, ja, wir haben die Briefe, tut uns leid und wir wollten natürlich unter gar keinen Umständen die Trauer der Familie irgendwie beeinflussen oder unterbrechen oder sowas.
1:23:52 Aber wenn Katharina es selbst beantworten könnte noch, würde sie überhaupt wollen, dass wir über sie eine Geschichte machen würden? Und dann schrieb mir zwei Tage später die Mutter, also nicht die Großmutter, ja, das hätte Katharina auf jeden Fall gewollt, die hätte immer schon vorgehabt, im Brief zu schreiben, kommt mich doch mal besuchen und zeigt, wie ich lebe. Da habe ich gesagt, okay, ich gehe also erstmal zu den Eltern und frage erstmal im Sinne der Sachgeschichte, wie war das denn, wie ging das denn und so. Und bin dann nach Düsseldorf gefahren und dann überlegst du dir ja, wenn du auf die Tür zugehst, was ist denn der erste Satz, wie fällst du denn mit der Tür ins Haus.
1:24:43 Ich kam gar nicht dazu, weil als ich so den Treppenabsatz hochkam, stand die Mutter oben, die Christiane und sagte Armin, da bist du ja, komm rein. Ich gehörte bei denen schon zur Familie und sie sagt mir sozusagen als Erstes, dieses kleine Mädchen hätte sozusagen jeden Mausfilm, den wir jemals von vorne bis hinten rückwärts vorwärts erzählen können. Okay, da hatte ich schon meine Basis und dann habe ich gesagt, erzählt mir doch mal in drei Dürren setzen, aber nicht zu viel. Was war das für ein Mädchen? Und dann haben sie gesagt, ja, das war eigentlich ein sehr fröhliches Mädchen, gelacht und hat immer Blödsinn gemacht und so blablabla.
1:25:22 Ich sagte, okay, ich könnte mir Folgendes vorstellen, ganz im Gegenteil zu dem, was ich vorhin gesagt habe, dass wir Interviews nie machen, never ever. Ich mache jetzt einen Film nur aus Interviews und habe gesagt, könntet ihr euch vorstellen, dass wir mit der Kamera kommen, ihr setzt euch an einen Ort, wo ihr euch wohlfühlt und erzählt aus eurer Sicht als Eltern, was war das denn für ein Mädchen und was waren die Probleme und wo ging es gut und bla und gedünnst. Ja, haben wir gemacht, haben wir gesagt, okay, wir kommen mit dem minimalst denkbaren Team, was möglich ist, einen Kameramann, ich habe den Ton selber gemacht, und einen Assistenten, der also permanent Filme gewechselt hat.
1:26:09 Na klar, Filme, auch Filme. Und habe dem Dieter Saldecki, der der Redakteur war, gesagt, hör mal Dieter, es kann sein, ich habe jetzt mit den Eltern gesprochen und die würden das auch machen, aber es kann sein, dass ich da mehrere tausend Meter Material verdreht habe und es wird keine Geschichte draus. Trägst du das Risiko mit? Hat er gesagt, ja, mache ich. Okay, bin ich dahin und dann haben wir drei Tage mit den Eltern gesessen und das war also, wir haben denen gesagt, ihr könnt jederzeit abbrechen, ihr könnt uns jederzeit rausschmeißen, es ist überhaupt kein Thema, wenn euch nichts übelt, es ist eure Tochter und dann liefen natürlich ab und zu die Tränen und die Mutter war die bessere Erzählerin als der Vater.
1:26:58 Und dann, wenn sie dann anfängt zu heulen, habe ich gesagt, wollen wir Schluss machen? Nee, ich gehe noch schnell einen Kaffee machen und dann machen wir weiter so. Und wir sind dann, wir drei Teams, sind dann jeden Tag eigentlich sehr in uns gekehrt, wenn man mal so sagen darf, nach Hause gefahren. Das hat uns auch nicht kalt gelassen. Und dann kam natürlich auch wieder diese journalistische Sorgfaltspflicht, dass ich dachte, alle, für alle Eltern sind alle Kinder die größten, die besten, die teuersten und so. Und das, was die Eltern von ihrer Tochter erzählt haben, das war einfach so positiv, dass ich dachte, so doll kann es nun auch wieder nicht gewesen sein.
1:27:41 Okay. Und da habe ich gesagt, was mache ich denn jetzt? Und dann haben wir mit denen verabredet, dass wir zu jedem, mit dem dieses Mädchen in ihrer kurzen Lebenszeit tun hatten, dass wir jeden befragen würden, stimmt das so? Und hat das so stattgefunden? Und es stellte sich raus, jawohl, von ihren Kindergartenfreundinnen, von der Lehrerin, von, was weiß ich, den Ärzten, die sie dann, also die Maschinen abgeschrieben hat. Und es stellte sich raus, das muss ein wirklich verrücktes, sehr fröhliches Mädchen gewesen sein. Also ein Beispiel, im Kindergarten, die hatte so einen elektrischen Rollstuhl, hat die Nachlaufen mit den Kindern gespielt, ist auf die Fresse gefallen, haben die anderen es wieder aufgestellt, kein Problem, weiter im Rollstuhl, weiter Nachlaufen gespielt.
1:28:28 Also, die muss auch sehr clever gewesen sein. Also, es stellte sich raus, das stimmte alles. Und dieser Film war dann also wirklich eine andere Reihung von Aussagen von allen Möglichen. Und ganz zum Schluss kam der Vater raus und hat gesagt, also, wollen wir so sagen, ich habe dann noch mal so von so ein paar Sachen da, so mit so Video 8 oder was, das Fernsehzeug war, ein paar Aufnahmen gemacht. Und alles, was in der Erzählung dann beschrieben war, dass sie also zum ersten Mal, als sie in ersten Ton gesagt hat, sich vor ihrem ersten Ton erschrocken hat und dass sie zum ersten Mal mit dem Löffel selbst irgendwas in den Mund stecken konnte.
1:29:10 Das heißt, die Hälfte davon hat mehr erzählt, wir gingen daneben und so. Aber das war auf diesen Amateur-Video-Dingern plötzlich drauf und ich habe mir also wirklich den Arsch abgearbeitet, um dieses Material so zu kriegen, dass ich das in den Filmen irgendwie reinkriege. Und dann haben wir den geschnitten. Und dann war das eine Geschichte, wo ich das drückte derartig auf die Tränendrüse. Alle haben gesagt, und das ist bestätigt von allen Quellen, dass es ein fröhliches und lustiges Mädchen gewesen ist. Das muss dieser Film abwinden. Also weg damit. Nochmal. Wir fangen von vorne an und haben dann also ein Film draus gemacht. Und den halte ich für den wirklich bestgeschnittenen Film, weil es uns gelungen ist, aus diesem an sich traurigen Anlass, einen Film zu machen, der ein lebenslustiges, fröhliches Mädchen zeigt mit der Tragik, dass sie also zur Unzeit gestorben ist.
1:30:19 Und das war, würde ich sagen, ja, das war ein wirklich gutes Ding.
1:30:25 Jan Henrik Pusch: Wie habt ihr den Schalter umgelegt von einmal schon fertig geschnitten, noch mal neu anzufangen? Ist das wirklich nur ein Schalter im Kopf? Ich kann mir das nicht vorstellen.
1:30:36 Armin Maiwald: Du musst dir vorstellen, das war ja alles Film. Das heißt, wir haben das ganze Zeug noch mal kopieren lassen. Bei Filmschnitt, ab ist ab, ab ist weg. Klar, du hast es negativ dann noch irgendwo im Kopierwerk liegen. Du kannst dann sagen, okay, reiß mir noch mal eine neue Arbeitskopie runter. Klar. Und dann fängst du noch mal von vorne und sagst, okay, bis dahin, ja, bildet es ab. Aber da müssen wir wegnehmen. Da müssen wir anders.
1:31:00 Rainer Nigrelli: Ich glaube, was du meinst, man muss mutig sein und das erkennen und dann einfach noch mal machen. Und natürlich in Absprache mit der redaktion in deinem Fall sagen, da ist noch mehr drin, da liegt mehr drin. Und ihr habt es geschafft offenbar. Wir verlinken, wir werden das verlinken.
1:31:17 Armin Maiwald: Ja, der hat da nicht jede Menge Preise und ich weiß nicht, was er da so Großes gedöhnt ist. Der hat dann auch den letzten Goldenen Löwen von RTL gekriegt und so.
1:31:28 Rainer Nigrelli: Ja, werden wir verlinken und darauf hinweisen. Wir haben eine neue Kategorie, eine schnelle. Die fahre ich mal ab.
1:31:36 Sprecher: Tipps und Tricks am Schneidetisch.
1:31:41 Rainer Nigrelli: Hast du einen schnellen Tipp für Leute, die sich in Schneideräumen befinden? Was ist so ein guter Tipp?
1:31:47 Armin Maiwald: Was ist ein guter Tipp? Das gesamte Material, ich habe das immer genannt, ausländisch lernen. Das heißt, wirklich genau zu schauen, zu mustern. Weil manchmal ist da, wenn die, wenn es schon heißt, aus- und im Nachklapp passiert da noch irgendwas ganz Merkwürdiges, wo du denkst, vielleicht kann man daraus irgendwas machen. So. Da entstehen manchmal Dinge, also der Kommissar Zufall, den gibt es ja bei der Kriminalpolizei, den Kommissar Zufall gibt es auch beim Film. Ich habe also beim Film, es ist ja nach damals immer einfacher gewesen, heutzutage mit diesen ganzen digitalen, du shuttelst das Material hin und her und so. Da habe ich schon gesehen, habe ich schon gesehen, weiter, weiter, weiter, weiter, weiter, schnell, schnell, schnell, schnell.
1:32:40 Rainer Nigrelli: Wir hatten ja auch mit Ola darüber gesprochen, Ursula Höf, die, wann hat sie angefangen zu schneiden in den 70ern, meine ich, ich vergesse es immer, die uns das auch gesagt hat. Sie hat das optische Gedächtnis genannt, das ist bei ihr sehr stark ausgeprägt und das kommt davon, dass man auch das Material dauernd sieht und während man heute das gar nicht mehr sehen muss.
1:32:57 Armin Maiwald: Ja und du sagst dann, da war doch noch, als wir eigentlich da schon gedreht haben, da war doch noch ein Rest auf der Rolle und wir haben das noch rausgegnudelt und da ist doch noch, da ist doch noch so ein blöder Baum drauf, der gerade umfiel. Wo ist denn das so? Aber als Tipp, ja, schau dir das Material genau an und und lerne es auswendig. Weil ich meine, das finde ich ja heute an dieser ganzen digitalen Kiste so furchtbar. Mich hat mal vor Jahren einer gefragt, was ist der Unterschied zwischen Film und Video? Du bist das ganz einfach, in einem Satz zu erklären. Bei Filmen denkst du nach, bevor du drauf drückst.
1:33:36 Punkt. Und beim Video lässt es laufen, ist bestimmt fast dabei. Und dann gucken wir mal. Das heißt, die Überlegungen, die du dir früher vorher gemacht hast, was brauche ich denn tatsächlich, die fällt jetzt weg. Sondern du lässt einfach laufen. Die Zeit kommt jetzt da, dass du das ganze Material, das dann irgendwann durchgelaufen ist, einfach gucken musst und gucken musst und gucken musst. Und die Zeit läuft dir dann auch weiter. Und das kostet ja auch im Nachhinein eine postproduktion.
1:34:09 Rainer Nigrelli: Absolut, ja. Ja, und wir bedauern, dass, wie gesagt, wir haben es vorhin anklingen lassen, wir hätten gerne den Filmschnittkurs mit Armin Maiwald und Barbara Hennings natürlich zusammen. Vielleicht kriegen wir das ja hin, dieses Denken wieder zu kultivieren.
1:34:22 Armin Maiwald: Ja, ja. Deswegen zurück zum allerersten Satz. Im Sinne von Stuhlfilmen. Du gehst ins Kino, die Frauen gehen auf, niemand weiß nichts. Okay, du siehst das erste Bild. Du weißt, ich bin im Wald in New York City, auf dem Wochenmarkt, in der Waschküche oder wo auch immer. Das heißt, das erste Bild zeigt dir schon einen Punkt, wo die Geschichte losgehen soll. Ganz gleich, was das ist. Und wenn du es klug machst, hängt das nächste Bild sich logisch an das erste dran und führt dich einen Schritt weiter. Ob das nun damit schon den Hauptdarsteller darzustellen oder eine Katastrophe, die als erstes passiert, oder was auch immer. Da drin besteht dann deine Kunst, das zu machen, dass es irgendwie gut funktioniert.
1:35:14 Und nicht jetzt als Gedankenkine im Kopf, sondern einfach, okay, du siehst das, du siehst das. Und was musst du als nächstes wissen? Das und das. Und danach musst du das wissen. Weil du musst den Zuschauer auf deine Seite bringen. Also ich behaupte ja immer, ein Macher schließt einen Vertrag mit dem, der das anschauen soll. Okay. Der Macher sagt, okay, Jungs und Mädels, ich erzähle euch eine Geschichte. Und die sitzen da und sagen, ah, du willst eine Geschichte erzählen? Okay, nimm mal los. So, wenn ich meinen Vertrag jetzt nicht erfülle, dass ich in der Erzählung irgendwelche Löcher reinmache und er sagt, oh, verstehe ich jetzt nicht.
1:36:00 Was haben die jetzt da gerade gemacht? Hab ich da was übersehen oder so was? Das heißt, die sind ausgestiegen aus der Geschichte und ich habe meinen Vertrag nicht erfüllt. Dann darf ich mich nicht wundern. Und dieses eher eine dramaturgische Gesetz, was ja letztlich nichts anderes ist als das, das gilt ganz gleich, ob du eine Musik machst oder ein Gedicht schreibst oder ein Buch schreibst oder einen Film machst oder sonst irgendeinen Quatsch machst. Das heißt, die Kunst besteht darin, tatsächlich die Geschichte zu erzählen und nicht einfach nur Fakten um dich zu werfen.
1:36:39 Rainer Nigrelli: Voll gut. Das waren das Zwei-Tipps im Grunde. Also wir haben quasi dieses das Material kennen und auswendig kennen und so. Und die Dramaturgie natürlich im Betrieb zum Vertrag einhalten. Genau, zum Vertrag. Lass uns mal schnell in die nächste hüpfen.
1:37:01 Jan Henrik Pusch: Hier ist die Frage nach einem Zitat, was mal in einem Schneideraum, wir haben ja gehört, dass du in vielen Schneideräumen schon warst, gefallen ist, was dir in Erinnerung geblieben ist.
1:37:16 Armin Maiwald: Ja, ja, eine Sprache vom Marc. Bezieht sich auf den digitalen Schnitt und der sagte, das Problem sitzt immer vor dem Rechner.
1:37:34 Rainer Nigrelli: Alles klar, viele Grüße an Marc.
1:37:35 Jan Henrik Pusch: Ein klassischer Marc. Das haben wir gedacht, du hast schon genug Kinderfragen gehört in deinem Leben, deshalb wollen wir es vielleicht mal anders machen und nehmen jetzt dieses Mal vor allem Erwachsenenfragen. Und zwar beginne ich aber dann direkt mit der Frage von Christian und zwar, was war die lustigste Kinderfrage, die du bisher bekommen hast?
1:38:07 Armin Maiwald: Was wiegt eine Wolke?
1:38:11 Rainer Nigrelli: Und habt ihr das beantworten können? Ah ja, es gibt einen Wolkenfilm.
1:38:14 Armin Maiwald: Ja.
1:38:14 Rainer Nigrelli: Ach toll, okay. Verlinken wir?
1:38:16 Armin Maiwald: Gibt noch ein, woher weiß die Kopfschmerztablette, dass die in den Kopf soll, wo ich die doch erst in den Magen schlucke.
1:38:25 Rainer Nigrelli: Ja, auch super. Ja, genau. Weil das weiß sie ja wahrscheinlich nicht so genau, ne?
1:38:29 Armin Maiwald: Natürlich, ja. Das sind also diese berühmten Fragen, die sich Kinder einfach stellen. Selbstverständlich machen die das. Weil die entdecken die Welt um sie rum ja mit ihren kindlichen Augen. Und man wird ja im Laufe seines Lebens so sehr verbogen und verdorben, dass man sich gar nicht mehr traut, einfache Fragen zu stellen, ne?
1:38:51 Rainer Nigrelli: Total. Tom fragt, der ist allerdings auch erwachsen, ob es mal ein Thema gab, das du angegangen bist, was du aber als nicht umsetzbar, für nicht umsetzbar gehalten hast.
1:39:02 Armin Maiwald: Gibt es. Wo wohnt der liebe Gott?
1:39:04 Rainer Nigrelli: Ganz einfach. Ja klar.
1:39:05 Armin Maiwald: Kannst du keine seriöse Antwort darauf geben.
1:39:07 Rainer Nigrelli: Das ist eine philosophische Frage natürlich.
1:39:09 Armin Maiwald: Du kannst es glauben, dass der Erfolge sieben lebt und einen langen Bart hat oder auch nicht. Aber da draußen eine Geschichte zu machen.
1:39:18 Rainer Nigrelli: Ja, du könntest es aber versuchen natürlich. Du könntest dich versuchen anzunähern.
1:39:22 Armin Maiwald: Ja, ich könnte mir auch eine Frikadelle anziehen.
1:39:26 Rainer Nigrelli: Okay, alles klar. Kira, eine tolle Dramaturgin, die auch hier das Festival für Montagekund namens Eddie motion veranstaltet. Sie fragt, wie hat sich denn die Montage der Beiträge im Laufe der Zeit angesichts der steigenden Medienkompetenz der Zielgruppe verändert? Sprich, das ist natürlich jetzt eine ganz andere Welt, in der du dich befindest. Du bist jetzt nicht mehr in den 70ern. Jeder hat ein Smartphone, jeder schaut am Computer Dinge auf YouTube.
1:39:56 Armin Maiwald: Hat sich denn, mit der Gegenfrage fange ich an, hat sich die Medienkompetenz tatsächlich verbessert? Eine Frage, die ich wohl eher mit Nein beantworten würde. Der Medienkonsum hat sich drastisch erhöht, klar. Tablet und ich weiß nicht mehr, und heute TikTok und was es nicht alles gibt. Klar, die ganze Schnittfrequenz hat sich verändert, selbstverständlich. Wenn ich mir heute einen Film angucke, den ich vor 40 Jahren geschnitten habe, da kannst du zwischen jedem Schnitt in der nächsten und halbes Fernsehspiel packen. Die sind aus heutiger Sicht gnadenlos langsam. Nicht nur der eine Film mit dem Maler, den wir ganz am Anfang darüber gesprochen haben. Und heute arbeitest du natürlich auch sehr viel mehr, das habe ich eben als Stichwort schon mal gesagt, mit Symbolbildern.
1:40:47 Also Frau Schmitz fährt von A nach B, da musst du also nicht mehr sagen, kommt aus dem Haus, sie öffnet die Autotür, steigt eine drittensche Sonne, Frau Schmitz fährt, Autotür zu, zack, sie ist schon am nächsten Ort. Weiß jeder, was gemeint ist. Das heißt, durch häufige Wiederholung, dass man die Autofahrt gar nicht mehr zeigen muss, weiß jeder, was damit gemeint ist. Das heißt, das hat sich dramatisch verändert. Und aber dann ist es eben auch wieder so im Sinne der Verkürzung. Manchmal kannst du diese Verkürzung so weit treiben, dass es falsch wird.
1:41:22 Rainer Nigrelli: Aber hat sich der Schnitt verändert? Sind deine Sachgeschichten jetzt anderes als noch, sag ich mal, als ihr eure Grammatik gefunden habt?
1:41:30 Armin Maiwald: Ja, zum Teil ja.
1:41:32 Rainer Nigrelli: Zum Teil ja.
1:41:32 Armin Maiwald: Zum Teil ja.
1:41:33 Rainer Nigrelli: Aber vielleicht machst du die ja auch absichtlich immer noch mit dieser Haltung, weil du sagst, ist ja nichts Falsches daran, gegen die Mode zu gehen, sondern so zu erzählen, wie du denkst.
1:41:43 Armin Maiwald: Ja, also ich halte ja von modischen Erscheinungen sowieso nicht viel. Wir haben uns ja in der Erzählung auch nie an modische Dinge, an die sogenannte Kindersprache oder so was, an die Jugendsprache angelehnt, weil das war auch eine der wichtigsten Kernsätze ganz vom Anfang 1960, dass gesagt wurde, hängt euch an keine Mode an, hängt euch an keinen Trend an, weder in Klamotten noch in der Sprache, denn wer sich an eine Mode anhängt, ist mit dieser Mode auch weg vom Fenster. Ihr müsst bitte schön klassisch sein. Und der Voraussetzung damals war, dass jede Geschichte sollte innerhalb von drei Jahren wiederholbar sein. Das heißt, es war auf Wiederholbarkeit angesetzt.
1:42:38 Das heißt, du musstest mehr oder weniger klassisch arbeiten.
1:42:41 Rainer Nigrelli: Zeitlos sein. Und ich glaube, das Problem ist, wenn man auf Mode geht, dann ist das natürlich gnadenlos veraltet nach drei Jahren.
1:42:49 Jan Henrik Pusch: Ich glaube, wir bekommen Besuch.
1:42:50 Rainer Nigrelli: Oh, ein Hund kommt.
1:42:51 Armin Maiwald: Na, Hund? Ja.
1:42:53 Rainer Nigrelli: Ist das ein Flashhund?
1:42:55 Armin Maiwald: Nee.
1:42:56 Rainer Nigrelli: Oh, jetzt ist er wieder weg.
1:42:59 Armin Maiwald: Das war Hund.
1:42:59 Rainer Nigrelli: Das war Hund.
1:43:01 Armin Maiwald: Emma.
1:43:02 Jan Henrik Pusch: Dann würde ich jetzt noch... Tatsächlich haben wir auch ein, zwei Kinder dann doch, die sich reingeschmuggelt haben. Und zwar ist hier Nils, der fragt, wie kommen sie auf die Ideen für die Beiträge oder, und das finde ich eine sehr spannende Frage, wie schaffen sie es, dass sie gefühlt überall drehen dürfen?
1:43:23 Armin Maiwald: Ja, die Frage habe ich zum Teil eben schon beantwortet. In der langen Zeit, in der wir arbeiten, haben die Leute gemerkt, wir sind nicht zu denen in den Betrieb oder ins Labor oder sonst irgendwo hingekommen und haben denen erzählt, wir machen was für die Wissenschaft und verarschen sie nachher. Sondern wir haben denen immer gesagt, wir wollen das und das zeigen. Können wir das? Ja oder nein? Und dann haben die den Film nachher gesehen, waren in der Regel meistens sehr stolz darauf, dass sie dann irgendwann vorkommt. So bei, wir auch immer, und das war eine der ersten Dinge, die ich also ganz schnell abgebogen habe, auch gefühlt vor 1000 Jahren, haben wir irgendwann mal gedreht und dann kam der Chef da zu mir und sagte, hören Sie mal, was kostet das denn, wenn Sie ganz unauffällig da den Firm namen noch mal?
1:44:18 Wie gesagt, das kostet, dass wir sofort das Gehöft verlassen.
1:44:22 Rainer Nigrelli: Ja genau, geht nicht.
1:44:24 Armin Maiwald: Geht nicht. Wir sind ein öffentlich-rechtliches System. Wir sind nicht dazu da, für irgendeine Firma, auch wenn sie was Gutes machen, Werbung zu machen. Das ist auch ein Selbstschutz gewesen, zu sagen, wir sind neutral, wir dürfen neutral sein. Und die Leute, auch die Konkurrenz, hat das dann gesehen, okay, die sind also jetzt bei denen gewesen, nicht bei Faber, sondern bei Statler oder umgedreht. Und haben aber eben nicht das Firmenlogo gemacht, sondern die haben einfach nur gezeigt, wie das Ding läuft. Und insofern war da eben auch keine versteckte oder verkappte Werbung oder sowas. Sondern die haben gesagt, okay, die haben genau das gemacht, was sie uns erzählt haben.
1:45:05 Und insofern, wie ich eben von dem Stahlwerk erzählt habe, so ist das mittlerweile eine Art Sesam öffne dich.
1:45:12 Rainer Nigrelli: Also das gehört einfach dazu, das ist ein Garant dafür. Und ich glaube, das wäre anders gelaufen, wenn es viele Sachgeschichten gegeben hätte, wo immer Firmennamen drin gestanden hätten. Dann hätte das wahrscheinlich gar nicht mehr geklappt. Ja. Sollen wir die nächste Frage noch machen?
1:45:26 Jan Henrik Pusch: Ja, sehr gerne.
1:45:27 Rainer Nigrelli: Findus und Polly. Ja. Findus und Polly fragen, wer entscheidet denn, in welcher Sprache der Vorspann gesprochen wird?
1:45:34 Armin Maiwald: Das entscheidet letztlich die redaktion. Und das ist auch von Sonntag zu Sonntag unterschiedlich. Ich kann euch erzählen, wie es dazu gekommen ist. Ja, das war schon sehr früh. Da gab es die ersten Gastarbeiter in Deutschland. Und das waren Spanier, Portugiesen, Jugoslawen und Türken. Und insofern waren die ersten vier Sprachen diese vier. Weil wir damals gesagt haben, okay, da kommen also Leute, die sprechen unsere Sprache nicht. Und die haben unter Umständen auch Kinder. Und die werden zwar den Text nicht verstehen, aber indem wir den vorne irgendwie sagen, es geht da und da drum in ihrer Sprache, könnte es sein, dass sie sich das dann anschauen und möglicherweise adaptieren sie die ein oder andere Vokabel.
1:46:30 Und das hat funktioniert. Und es ist ein Selbstläufer geworden. Mittlerweile ist es zu einer Wette in den Familien geworden. Welche Sprache ist denn heute? Es gibt keine Sprache der Welt mehr, die nicht schon irgendwann von Kisur Heli bis Chinesisch und bis Kölsch Blatt und ich weiß alles.
1:46:45 Jan Henrik Pusch: Wir spielen das bei uns nicht mehr, weil meine Frau es immer errät. Und das ist total frustrierend. Die darf nicht mehr mitmachen.
1:46:51 Rainer Nigrelli: Die darf nicht mitmachen. Wir hätten noch eine letzte Kategorie.
1:46:55 Jan Henrik Pusch: Wir haben noch eine letzte Frage. Da ist Rainer zu vorsichtig, weil das eine eher private Fast-Frage ist. Und zwar deshalb haben wir sie ans Ende geschoben. Markus fragt, sehr frech, ob du denn planst, irgendwann mal in Rente zu gehen?
1:47:13 Armin Maiwald: Also so wie ich jetzt vor euch hier sitze, bin ich 84. Und wie ihr seht, sitze ich noch an meinem Schreibtisch und habe eben mit dem Marc unten gesprochen. Hast du das, was er gestern gesagt hat, dann schon eingesetzt? Nein, hat er noch nicht. Ich kann auch nicht, weil er was anderem am Arbeiten ist. Marc ist ein Verzuse. Und vorgestern war ich mit Anna Lehner, die ihr eben beim Frühstück unten gesehen habt, in Krefeld bei einem Bundesbahn-Ausbesserungswerk. Und haben wir uns da wieder auch eine wirklich banale Frage, die ist uns sozusagen über die Füße gestolpert. Jeder ist schon mal im Zug gefahren. Fast jeder würde ich sagen, ja.
1:47:56 Ich gehe jetzt nicht auf die Verspätung oder so was. Eine andere Baustelle. Aber jeder hat sich schon mal auf so ein Sitz im Zug gesetzt. Ein banales Ding. Man setzt sich drauf und sagt, okay, bequem oder unbequem. Aber was dieser Sitz alles für Zertifizierung, für Tests und ich weiß nicht, was aushalten muss, bis dieses banale Ding da tatsächlich in dem Zug mitfahren darf. Das ist unglaublich. Und dann haben wir gesagt, okay, wir waren da gestern oder vorgestern da. Wir würden dem gern mal auf die Spur gehen. Macht er mit? Und dann saßen da plötzlich zehn Leute rum. Ja, ja, im Prinzip ja, aber das ist schwierig, weil es kommt zum Teil aus Portugal und dann gibt es also die Ausstrahlung.
1:48:48 Gibt dies und jenes und so.
1:48:49 Sprecher: Okay.
1:48:51 Armin Maiwald: Aber dann haben wir mit der redaktion gesprochen. Wäre das ein Thema? War gestern der Nils da. Er ist achte generation von Redakteuren mittlerweile für mich. Ach ja, macht. Und jetzt sind wir sozusagen noch in einem Stadium noch vor der Recherche. Das heißt, wir sind sozusagen gerade noch bei der, ich nenne es mal, Gedankenfindung. Wie gehen wir das Thema an? Vom fertigen Sitz oder im Vergleich zu einem Sitz, den man zu Hause holt. Man geht in ein Möbelhaus und kauft sich ein Sessel, weiß ich noch nicht. Alles noch völlig in der Wolke über mir, kreist noch, noch keinen Plan, noch keine Idee.
1:49:35 Rainer Nigrelli: Aber wir hören raus, es hält dich weiter. Das Thema beschäftigt dich und du arbeitest weiter.
1:49:41 Armin Maiwald: Ja, natürlich, natürlich. Also ich meine, wenn ihr jetzt gleich weg seid, dann werde ich mich mal hier an die Kiste setzen und einfach mal stichpunktartig aufschreiben, was ich von vorgestern einfach in Erinnerung behalten habe. Und was dann von diesen einzelnen Sachen unter Umständen der Nukleus wird, also der Punkt, von dem ich aus die Geschichte erzähle, weiß ich noch nicht.
1:50:07 Rainer Nigrelli: Aber Jan, hast du den Punkt gehört? Wir müssen uns überziehen und wir müssen bald weg. Wir begeben uns jetzt so in die letzte Phase und wir dachten, wir hätten noch eine wichtige Frage an dich. Weil wir ja ein Podcast sind über Filmschnitt, Filmmontage. Haben wir uns natürlich gefragt, ob die Sendung mit der MAU schon mal eine Sachgeschichte hatte zum Filmschnitt. Wir sind da nicht wirklich fündig geworden. Es gibt da ein bisschen was, aber es geht da eher so um die Filmherstellung. Wie sowas überhaupt so zustande kommt. Und ich glaube, so ins Detail seid ihr da nie gegangen.
1:50:45 Jan Henrik Pusch: Zum Geburtstag gab es mal eine produktions-making-off, wo man gesehen hat, was ihr wie produziert habt. Und wurde auch kurz mal unten Schneideplatz gesetzt.
1:50:56 Rainer Nigrelli: Und meine Frage wäre, was würde denn jetzt Armin Maiwald machen, wenn jetzt Nils von der Sendung mit der MAUS von der redaktion anrufen würde und sagen würde, hör mal Armin, wir würden super gerne mal was über Filmmontage machen. Wie funktioniert das denn eigentlich so, wenn Bilder aufeinander prallen? Was passiert da im Zuschauer? Könnten wir live das mit dir entwickeln, was du da so vermitteln würdest? Weil für uns ist auch das ein Problem. Filmschnitt verstehen Leute unserer Meinung nach erst, wenn man auch wirklich mal dabei gewesen ist und gesehen hat, was man da alles sehen kann.
1:51:27 Armin Maiwald: Oder wenn was schiefgegangen ist.
1:51:28 Rainer Nigrelli: Oder wenn was schiefgegangen ist, genau. Aber wie würde man das als Sachgeschichte aufziehen? Kann man das aufziehen als Sachgeschichte?
1:51:38 Armin Maiwald: Du erwischst mich auf dem linken Fuß. Ja, ich glaube schon, dass man das könnte. Und ich würde vielleicht dann schon sagen, okay, das muss man in einer dualen Art und Weise zeigen. Also einmal, wie das entstanden ist. Dass man also wirklich Material durchschneidet. Also deswegen heißt es ja auch Schnitt. Und das heute mit dem digitalen Schnitt, das ja, wie sagt man, nicht destruktiv ist. Sondern es bleibt ja alles da. Bis hin zu der Tatsache, dass wenn ein Schritt nicht stimmt, dann trümmst du das so lange hin und her. Das konntest du ja früher am Schneidtisch nicht. Da musstest du gucken, wann ist das richtige Filmbild, wo du dann den nächsten Schnitt anhängst.
1:52:38 Aber, dass im Zuschauer irgendwas passiert, es gibt doch dieses berühmte Bild, wo, was weiß ich, der Bär läuft, oder im Hintergrund, keiner merkt es und so. Und auch den Schnittversuch, wo man zwei Bilder aneinander, einmal entsteht das und einmal entsteht...
1:52:57 Rainer Nigrelli: Du meinst Kuleshov, den Kuleshov-Effekt.
1:53:00 Armin Maiwald: Genau, ja. Ja. Klar, da sind wir eigentlich wieder bei der Geschichte, von der ich eben erzählt habe, dass also, wenn du die Bilder aneinander setzt, dass du dir klar machen musst, was im Kopf desjenigen, der die anschaut, danach passiert, geht dir den Weg mit. Ist es... Also du siehst den ersten total, du siehst einen Großaufnahme, wie er ein Revolver nimmt oder ein Brotkrümchen oder was auch immer. Also, ich erinnere mich noch, in der Theaterwissenschaft, da gab es also ein Seminar, das hieß, die Bedeutung des Taschentuchs auf dem Theater. Ha, ha, ha, ha, ha, denkt ihr natürlich, ja klar. Was war damit gemeint? Also in den klassischen Stücken hat dann irgendjemand ein Mädchen ein Taschentuch fallen lassen.
1:53:57 Irgendjemand hat das gefunden. Daraus entwickelte sich entweder eine Katastrophe, weil da was drauf stand, was niemand wissen durfte, oder aber eine Liebschaft, oder, oder, oder, oder, wie auch immer, oder an den Parfümen konnte man rausfinden, das war der Mörder. Das ist ja im Prinzip nichts anderes als heute. Wenn du den rauchenden Kult siehst, dann ist das das Gleiche wie die Bedeutung des Taschentuchs auf dem Theater. Also an einem Detail, in einem Requisit, die verschüttete Milch, die, was weiß ich, das zerknautschte Kopfkissen, ist ja letztlich nichts anderes als das Taschentuch auf dem Theater. Das heißt, anhand eines Details kombiniert dein Kopf, das könnte so und so zusammenhängen.
1:54:43 Also auf diesem zerknautschen Kopfkissen könnte der Mörder, die Geliebte, das Opfer, der Hund geschlafen haben. Ja, so. Und jetzt ist natürlich die Frage in der Montage. Wie gehst du von diesem zerknautschen Kopfkissen aus weiter? Zeigst du einen Hund, der irgendwo rum mit dem Schwanz ist? Aha, das könnte der Hund gewesen sein. Okay, ne, macht man eine Analyse, findet man dann einen Hund da? Oder eine Frau oder was auch immer. So, das heißt, was immer du in der Montage zeigst, bewirkt in deinem Gehirn, dass daraus irgendein Bild entsteht. Möglichst das, was der Macher sich vorgestellt hat. Wenn das nicht zutrifft, und da sind wir wieder beim alten Stummfilm, wenn du einen Wald zeigst und der meint aber eine Großstadt, dann ist der Vertrag gebrochen, dann ist irgendwas verkehrt.
1:55:37 Jan Henrik Pusch: Du würdest also unterschiedliche Dinge vielleicht auch zeigen. Verschiedene, du würdest sagen, schaut mal her, wenn wir das so und so aneinander rein, passiert bei mir zumindest das und das. Und wenn wir es so und so machen, dann denken wir da und da drüber nach.
1:55:50 Armin Maiwald: Also ein Beispiel, wir würden es zum Beispiel nennen. Du siehst eine Kuh und du siehst ein Gras. Was würdest du assoziieren? Die Kuh frisst das Gras. Okay. Du zeigst das Gras erst und zeigst dann die Kuh. Was würdest du denn da assoziieren?
1:56:09 Rainer Nigrelli: Die Kuh läuft auf dem Gras.
1:56:11 Armin Maiwald: Die Kuh läuft auf dem Gras, die sitzt auf dem Gras. Ich weiß nicht, was alles, kann ja alles möglich sein. Bis hin, sie frisst das Gras. Es ist die Frage, wie du die Bilder arrangierst. Was musst du zuerst sehen, um den Gedankengang in den Fluss zu geben?
1:56:29 Rainer Nigrelli: Armin, ich habe, oder ich glaube du auch, wir haben gerade, glaube ich, die Sachgeschichte schon vor Augen. Und vor allen Dingen, wie du das dann erklärst. Und mach das doch bitte mit der Kuh auf dem Gras. Ich glaube, da kann man ganz tolle Sachen mitmachen. Und den Kindern das natürlich auch so ein bisschen näherbringen. Weil für uns ist es unfassbar schwierig, das zu kommunizieren. Wir sagen immer, wir machen Schnitt. Und alle sagen immer, ah ja.
1:56:50 Armin Maiwald: Aber, wir verstehen das.
1:56:51 Jan Henrik Pusch: Du hättest gerne eine Sachgeschichte, die du demnächst einfach jemandem geben kannst und sagen kannst, hier, guck mal, das mache ich. Ich bin demnächst in einer Schule eingeladen, wo ich in einer dreiviertel Stunde einfach den Kindern eine Grundschule meinen Beruf vorstellen soll. Dafür bräuchte ich sowas. Vielleicht hättest du noch bis Februar das vorbereitet.
1:57:15 Rainer Nigrelli: Ja, fantastisch. Fänden wir gut. Aber vielleicht kommt das ja mal irgendwann. Ja, ich glaube, ich glaube, was so jetzt ganz auffällig war, also weil wir es ja auch vom Kommentar hatten, du kannst ja auch selbst gut erzählen. Das ist natürlich auch etwas, was in dir drin steckt. Und ich glaube, das überträgt sich auch auf die Sachgeschichten. Das ist natürlich ein ganz großes Geheimnis dieser Geschichten. Mit Betonung auf Geschichte, nehmen nicht nur Interesse an der Sache, sondern auf eine Geschichte dahinter. Und das hilft.
1:57:49 Armin Maiwald: Ja, ich glaube, ich würde mich selbst auch als Geschichtenerzähler begreifen. Vielleicht im weitesten Sinne.
1:57:57 Jan Henrik Pusch: Und dafür warst du natürlich auch für uns der perfekte Gast. Vielen, vielen Dank dafür, dass wir uns das hier alles angucken durften, dass wir das alle diese Geschichten alle hören durften.
1:58:09 Rainer Nigrelli: Ich hätte noch einen Dank abzugeben vor, bevor wir bevor wir das zumachen. Vielen Dank an Birgit Fastenberg, die uns hier zu dir vermittelt hat. Genau. Weil wir es vergessen haben zu sagen. Einen großen Tipp, den wir natürlich noch abzugeben haben, ist guckt bitte euch, falls ihr den noch nicht kennt, die Geschichte über die Müllabfuhr an. Ein Klassiker auch. Musikvideo würde ich fast schon sagen. Wir halten fest, mit offenen Augen durchs Leben gehen. Das ist auch das, was FilmeditorInnen machen, erzählen und auf Augenhöhe sein. Vielen, vielen Dank, Armin Maiwald, für die Zeit.
1:58:41 Armin Maiwald: Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt.
1:58:43 Jan Henrik Pusch: Auf keinen Fall.
1:58:47 Sprecher: Wir haben also gesehen, wie Herr Eckner einen Pullover richtig herum anzieht. Ich will es nicht unnötig überhöhen, aber die Prämisse der Lach- und Sachgeschichten, wir zeigen euch, was man nicht sieht, ist ein wunderbarer Impfstoff gegen jegliche Form von ideologischen Hirnfraß. Warum? Weil die Maus hinschaut und noch genauer und noch kleinschrittiger und der Schnitt schlägt kapriolen und lässt keinen Fitzel Raum für Demagogen, Hütchenspieler und Schwarz-Weiß-Politiker. Und gelacht wird auch mehr als in dem drögen Sachkundeunterricht von Oberstudienrätin Siglinde Gülden-Pfennig. So weitet sich der Kinderblick und die zoom-funktion des kindlichen Gripses wird zur Gewohnheit. Ich wünschte, es hätte die Lach- und Sachgeschichten bereits gegeben, als ich Kind war.
1:59:30 Und ich rechtzeitig gelehrt worden wäre, wie die Löcher wirklich in den Käse kommen. Hätte mich weitergebracht als in dieses studio. Heute sehe ich gern die Folge, was ist ein Schnupfen? Weil, naja......
1:59:45 Jan Henrik Pusch: Ja Rainer, das war ein schönes Gespräch. Was nimmst du mit?
1:59:49 Rainer Nigrelli: Also ich nehme Dramaturgie mit. Ich fand super spannend, wie klar er darüber sprechen kann, wie Sachgeschichten eigentlich zu erzählen sind und wie man die spannend macht. So gesehen an dem Beispiel Regenrinne oder was du ja auch meintest. Diese Fragestellung, wie kommen Lächer in den Käse? Eigentlich ist es ein Film ja über Käseherstellung, aber durch diese Frage habe ich auf einmal ein ganz anderes Interesse, das zu gucken.
2:00:13 Jan Henrik Pusch: Aber ich finde auch den Gedanken schön, dass man sagt, man hat einen Vertrag mit dem Zuschauer, dass man ihn vernünftig durchführt, dass man ihn dramaturgisch leitet und dass man das spannend macht und schön macht. Und das finde ich wirklich einen schönen Gedanken, den ich mir glaube ich auch merken möchte und den ich auch super spannend finde für Kinder. Weil dadurch ist dieses Ernstnehmen des Zuschauers ja ziemlich deutlich.
2:00:43 Rainer Nigrelli: Und es ist ja auch etwas, was man sich im Schnitt auch vorstellt, natürlich eher auch bei der konzeption, beim Dreh und so. Aber im Schnitt ist dann die letzte Möglichkeit, dass quasi diesen Vertrag einhalten zu können und auch vielleicht besser einhalten zu können, so wie er erzählt hatte gerade von dem Film, den er zweimal gestetten hat und erst dann hingekriegt hat. Daran sieht man ja, wie wichtig dieser letzte Schritt ist in der Filmherstellung.
2:01:06 Jan Henrik Pusch: Reiner, dieses Auto ist gerade schon zum dritten Mal an uns vorbei gefahren. Er will unbedingt diesen Parkplatz, den wir hier mitten in Köln blockieren.
2:01:13 Rainer Nigrelli: Das ist ein Parkplatz einfach.
2:01:14 Jan Henrik Pusch: Auf jeden Fall, das ist gut eingeparkt.
2:01:16 Rainer Nigrelli: Dann würde ich sagen, Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass wir hier sprechen durften mit Armin Maiwald. Nochmal Danke an Birgit Fastenberg. Grüße an Mark Schubert, Innenschnitt. Auch an Jan-Willem Schmülling übrigens, der auch hier hin und wieder schneidet.
2:01:31 Jan Henrik Pusch: Genau. Und wir bedanken uns noch bei Adobe für die Unterstützung auch dieser Folge und vor allem bei der VG Bild Kunst Stiftung Kulturwerk, die uns auch unterstützen. Vielen Dank.
2:01:45 Sprecher: Sie haben gesehen, Filmschnitt ist also gar nicht zu kompliziert. Und denken Sie immer daran. Im Schnitt lässt sich die Spannung im Film erhöhen bzw. verzögern, je nachdem, ob Sie Szenen in voller Länge lassen oder Sie kürzen.




