YouTube-Schnitt bevor es YouTube gab
Im Kinofilm ist der Anfang nicht so wichtig wie im Fernsehfilm. Denn Kinozuschauer:innen bleiben auf ihren Kinosesseln erstmal sitzen. Sie haben sich ja extra für den Kinobesuch Zeit genommen, ein Ticket erworben und können sich in der abgedunkelten Kinoumgebung ganz auf den Film konzentrieren. Fernsehzuschauer:innen hingegen greifen schnell zur Fernbedienung. Gefällt der Film nicht, so wird weggezappt. Für Filmeditor:innen bedeutet das schlicht und ergreifend: Der Anfang eines Fernsehfilms muss so interessant erzählt sein, dass man nicht wegzappt. Aber was machen Filmeditor:innen, wenn sie für die relativ jungen Ausspielungskanäle YouTube oder TikTok schneiden? Was tun, damit User:innen nicht sofort auf das nächste Video klicken oder weg swipen? Ganz einfach. Man baut dazu am Anfang einen “Thumbstopper” ein. Das haben wir uns nicht ausgedacht, sondern den gibt es wirklich. Und wie der funktioniert, das erklärt uns Filmeditorin Maike Nissen in der aktuellen Podcast-Folge.
zu Gast
Maike dreht und schneidet bereits Videos, lange bevor sie professionell als Filmeditorin arbeitet. Unter dem Pseudonym “Vegas Films” veröffentlicht sie diese von 2006 bis heute – mittlerweile über 700 Videos – u.a. auf ihrem gleichnamigen YouTube-Kanal. [Die Leser:innen dieser Zeilen werden jetzt darum gebeten, wenn sie noch niemals ein Vegas Films-Video gesehen haben, sich unmittelbar auf ihren Kanal zu begeben und sich einen Tag Zeit zu nehmen… (Ein Tag später.) Erledigt? Ok, dann weiter.] Und parallel dazu schneidet sie bis heute für diverse Auftraggeber im Onlinebereich. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass sich Maike auskennt mit dem Schnitt jeglicher Formate für Onlineplattformen.
Kurioserweise aber lassen sich die “Vegas Films”-Videos gar nicht als Formate zusammen fassen. Und wenn, dann halten sie für 1-2 Folgen und werden irgendwann wieder von neuen Formatideen abgelöst. Trotzdem sei an dieser Stelle aber auf Reihen wie “Schneller lesen” hingewiesen, oder auf Trailer und Supercuts. Videos, die alle irgendwie „meta“ sind und trotzdem etwas zu erzählen haben. Und nebenbei schaffen es diese auch, etwas über Montage zu vermitteln. Implizit, wie bei “Schneller lesen”, wo Klassiker wie “Faust” auf unterhaltsame Art und Weise auf das Essentielle verdichtet werden. Und ist das nicht irgendwie das, was Filmmontage macht? Auf das Essentielle verdichten? Finden wir schon.

“Was ein Vorteil aber auch ein Nachteil ist, dass man eine eierlegende Wollmilchsau ist”
Maike S. Nissen
Ein Gespräch über Kundenwünsche und Spaß. Professionalität und Ausdruck. Und Beepworld.

Timeline-Shortcuts
Weiterführende Links
- YouTube Kanal Vegas Films
- Let’s Play das dümmste Spiel auf diesem Planeten
- Star Wars – The Force Awakens | Vegas Trashy Trailer Films
- Die Verwandlung | Franz Kafka | Schneller Lesen
- Wie du das aller beste YOUTUBEVIDEO machst und MILLIONEN verdienst
- WIE MAN T-shirts richtig faltet | Vegas‘ Lifehacks
- Ein Tag in einer Minute! VegasFilms Supercut
- Tipps:
- YouTube Kanal VegasFilms Archiv
Transkript der Folge lesen
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00:03 Sprecher: Heutiges Thema die Filmmontage in Theorie und Praxis.
00:15 Jan Henrik Pusch: Hallo und herzlich Willkommen zu Credit to the Edit, dem Podcast über Filmschnitt. Hier sprechen wir mit FilmeditorInnen aus allen Genres. Und das Beste daran, wir sind selber Filmeditoren. Mein Name ist Jan Henrik Pusch.
00:29 Rainer Nigrelli: Und mein Name ist Rainer Nigrelli. Hi. Jetzt muss ich ja das Thema ansagen. Bitte. Heute sprechen wir mit Vegas Films. Und deswegen würde ich dich gerne auch einfach mal ansprechen mit Hallo Jan, lieber mit Neverland Ranger.
00:44 Jan Henrik Pusch: Direkt angefangen mit Rum-Nurden. Das ist immer sehr schön. Aber Vegas Films ist sozusagen mal wieder jemand, die für YouTube schneidet. Und jetzt ist die Frage, warum denn schon wieder eine YouTube-Editorin?
01:01 Rainer Nigrelli: Ach so, ist die Frage an mich? So ist es. Ach so, weil ich derjenige bin, der abnurdert. Warum? Weil Vegas Films beides kombiniert, nämlich die Arbeit am eigenen YouTube-Kanal, als auch die professionelle Arbeit an YouTube-Videos. Und das ist natürlich eine interessante Mischung.
01:19 Jan Henrik Pusch: Und das vor allem schon seit vielen, vielen Jahren. Also man könnte fast sagen, länger als es YouTube gibt. Wie das geht, werden wir hören.
01:28 Rainer Nigrelli: Und bevor wir starten, würde ich noch mal auf Adobe hinweisen, die auch diese Folge freundlicherweise unterstützen.
01:34 Jan Henrik Pusch: Und ich weise nur auf den bürgerlichen Namen von Vegas Films hin. Und zwar sprechen wir jetzt mit Maike S.
01:42 Rainer Nigrelli: Nissen.
01:47 Sprecher: So ist die aktuelle Folge des Weltenbummlers im ersten deutschen Fernsehen ein Paradebeispiel, wie die biografische Erzählung visuell bewegt und bewegend geschnitten wird. Denn Hardy Krüger wählt Geschichten von beseelten Menschen der Tat und spart Posen und Selbstdarstellung konsequent aus. Durch die epische Schnittweise werden kleine Lebensweisheiten hier groß geschrieben und man möchte auf die eigene Heldenreise gehen. So wird ein Leben zur Inspiration vieler. Das war's für heute.
02:19 Rainer Nigrelli: Ja, hallo und herzlich willkommen, Maike bzw. Vegas, Vegas Films, La Deutsche Vegas, wie sollen wir dich nennen?
02:26 Maike Nissen: Also viele Namen. Hier gerne Maike.
02:29 Rainer Nigrelli: Hey, vielleicht kannst du auch direkt mal erklären, was es damit auf sich hat, weil du bist zwar bekannt unter dem YouTube-Kanal Vegas Films, aber den kennt auch nicht jeder.
02:39 Maike Nissen: Das ist ganz abstrus. Also mit Vegas Films, ich hab, ich glaube 2006 habe ich mein erstes Video hochgeladen und ich habe das Gefühl, mich kennen viele und keiner gleichzeitig. Also das ist so ein Vegas Films Paradox, schon immer gewesen.
02:55 Jan Henrik Pusch: Aber du hast auch noch nie rausgefunden, woran es liegt.
02:58 Maike Nissen: Ich glaube, ich mache halt nicht so den großen Mainstream Content. Also ich bin relativ so random und ein bisschen nischig und ich glaube dadurch kennen mich halt und nicht alle, aber ein paar.
03:10 Rainer Nigrelli: Ich kenne dich, aber vielleicht mal für alle. Was macht Vegas Films denn für Videos? Du hast gerade random gesagt.
03:16 Maike Nissen: Ja, das ist ungefähr die schwerste Frage, die man mir stellen kann. Also ich mache so, eigentlich mache ich alles. Ich mache oft ein Format, weil ich liebe es, neue Formate mir auszudenken und dann mache ich einen zweiten Teil und dann bin ich schon langweil davon und dann kommt was anderes. Also ich glaube, die Sachen, die ich jetzt ein bisschen mehr auf meinem Kanal mache, ist das Format Schneller lesen, wo ich zum Beispiel Faust oder die Leiden des Jungwerter lese und dann in fünf Minuten relativ kurz und ein bisschen witzig nachspiele. Also das ist so ein Format, das hat es irgendwie überlebt.
03:55 Jan Henrik Pusch: Das hatte ich noch nie gelangweilt.
03:57 Maike Nissen: Nee, ich glaube auch, das ist auch sehr, sehr abwechslungsreich und das fasziniert mich so, weil ich liebe es, komplexe Sachen sehr, sehr einfach runterzubrechen. Deswegen schneide ich, glaube ich, auch so gerne.
04:11 Jan Henrik Pusch: Das stimmt. Das ist ja die Essenz des Schneidens. Du hast gerade das Schneiden erklärt.
04:17 Maike Nissen: Stimmt.
04:18 Rainer Nigrelli: Aber das ist ja auch nicht alles, was du machst. Das heißt, das ist Content, den du selbst für dich machst und dann für dein YouTube-Kanal natürlich. Aber vielleicht können wir ja mal an den Anfang spulen. Du hast vorhin 2006, meine ich, gesagt.
04:33 Maike Nissen: Genau.
04:34 Rainer Nigrelli: Hat das da auch dann direkt angefangen bei YouTube? War das sozusagen dein erster Kontakt mit Video und Videoschnitt?
04:40 Maike Nissen: Also mein erster Kontakt war MyVideo, falls ihr euch noch dran erinnert.
04:46 Jan Henrik Pusch: Das ist die deutsche Form von YouTube gewesen, richtig?
04:49 Maike Nissen: Ja, genau. YouTube auf Deutsch. Und ich weiß noch, ich habe irgendwie eine Webseite gebaut damals auf Beepworld. Da hat man immer so Mitgäste-Buch-Einträgen und im Tanz ein Skelett und allem. Dann kam Pop-up und dann kamen, laden sie ihre Videos ins Internet. Und ich war nur so, was, das geht? Also wirklich seitdem ich neun Jahre bin, habe ich irgendwie kleine Filmchen gemacht mit der Kamera von meinem Papa. Irgendwie Meerschweinchen-Dokumentationen und Barbie-Talkshows und alles. Und da habe ich zum ersten Mal gemerkt, okay, das kann man irgendwie teilen mit der Welt da draußen. Und das habe ich dann auch einfach gemacht. Ich glaube, mein erstes Video war super random, weil ich kann meine Schulter so ausrenken.
05:37 Und mein allererstes Video hieß einfach nur Schulterkarate. Und da sieht man mich, wie ich meine Schulter ausrenke. Mit so einer Logitech, so eine Webcam. Das war sozusagen der Start in meine kreative Welt.
05:52 Jan Henrik Pusch: Tatsächlich auch das älteste Video, was ich auf YouTube von dir gefunden habe, ist ein Video, wo du zu mehreren Liedern vor der Kamera performst. Und es ist ein Viso Medley sozusagen. Und der Hintergrund ist großartig, weil irgendjemand sitzt hinter dir und ist irgendein Game am Zocken. Und das ist von 2006. Vor allem diese Computer, die im Hintergrund stehen, fand ich großartig.
06:20 Maike Nissen: Geil, oder? Es sind so richtig dicke Röhren. Und daneben, ich finde es immer so toll, diese riesen Boxen zu sehen, die man früher hatte, diese Lautsprecher, die auch immer ein Geräusch gemacht haben, wenn man die angemacht hat. Das waren schöne Zeiten.
06:34 Rainer Nigrelli: Ich muss das nochmal weiter einordnen. Ich habe jetzt mein Video gehört. Wann war das? Ist das wirklich der Anfang von YouTube dann?
06:43 Maike Nissen: Also bei mir kam YouTube eigentlich offiziell später, weil dazwischen war ich nochmal bei Clipfish, habe ich ein Praktikum gemacht als Redakteurin in Köln, aus dem Dorf, bis 2009. Und erst danach habe ich so angefangen, so richtig auf YouTube hochzuladen. Also da war ich so ein kleiner Spätzünder, weil ich da noch nichts von YouTube gehört hatte. Das Lustige war, dass ich eigentlich durch meine Videos, da haben die mich angeschrieben und gefragt, ob ich auf Clipfish auch meine Videos hochladen kann oder mag. Und dadurch ist so ein Kontakt entstanden. Und dann war es irgendwann, hey, willst du nicht herkommen für ein Praktikum? Und ich weiß noch, den ersten Tag, als ich in Köln dann ankam, war ja auch ein großer Umzug von Berlin, ich komme aus Berlin.
07:29 Und dann stand ich in diesem Büro und die haben mich gefragt, ja, wo machst du denn dein Praktikum? Ich sage, ich habe keine Ahnung. Ja, dann bist du Redaktion. Haben sie gleich gesagt. Weil es gab eigentlich nur Marketing oder Redaktion. Und Marketing hätte ich schon gewusst, glaube ich, wenn ich da anfange. Und dann habe ich in der Redaktion gearbeitet. Und manchmal auch ein bisschen geschnitten. Aber das war echt sehr, sehr selten. Also da war noch nicht mein Schnitt, meine Schnittkarriere hat da jetzt nicht gerade angefangen. Und nachklipsisch habe ich Videos produziert für MTV, TAL damals. Die haben mich auch angesprochen und gesagt, hey, hast du nicht Lust, bei TAL Videos zu machen?
08:11 Und ich war so, ja, natürlich. Ich glaube, ich weiß nicht, was ich bekomme. Ich glaube, 80 Euro oder 100 Euro pro Video bekommen. Reicht. Und die haben mir immer nur das Thema gegeben, hier ist der Gast. Trinkt keinen Alkohol oder verherrliche keinen Alkohol. Und wenn du kiffst, dann muss es aussehen wie eine Zigarette. Das waren meine Ansagen. Also ich konnte machen, was ich wollte. Und das habe ich auch getan. Und dann habe ich mal irgendwann in Berlin in so einem Kostümshop eine getroffen, die ist Maskenbildnerin bei MTV. Und die hat mir gesagt, bist du nicht diese Vegas? Ich sage, ja. Und sie, ja, wir waren immer so verwirrt, als deine Videos reinkamen.
08:57 Die konnten damit auch nicht so viel anfangen.
08:59 Jan Henrik Pusch: Und die sind ganz normal gesendet worden. Und was für Gäste hattest du, wenn du sagst, die haben dir einen Gast dahingesetzt und dann hast du mit dem Video gemacht?
09:07 Maike Nissen: Nee, ich habe alles zu Hause gemacht. Sie haben mir gesagt, Green Day ist bei uns im Studio. Und dann habe ich ein Green Day Video gemacht. Und das denen auch geschickt. Also ich war, glaube ich, einmal bei MTV. Da haben sie mich eingeladen, als Farin Urlaub da zu Besuch war, weil die wussten, was ich für ein Fan war. Und so ist auch das Intro entstanden. Also das Farin Urlaub sagt, Vegas Films präsentiert. Und das ist da passiert. Das war ungefähr der beste Tag meines Lebens.
09:35 Rainer Nigrelli: Klassiker. Also für alle, die Vegas Films noch nicht kennen, bitte hier kurz Pause machen und jetzt endlich mal ein Video gucken. Und dann wird jedem auch klar, wie das Intro eines jeden Vegas-Videos aussieht.
09:46 Jan Henrik Pusch: Maike, falls du dich wunderst, warum deine Klickzahlen jetzt so hochschießen.
09:51 Maike Nissen: Ja, jetzt werde ich doch Mainstream.
09:53 Rainer Nigrelli: Wollte ich doch gar nicht sein.
09:55 Maike Nissen: Man.
09:56 Rainer Nigrelli: Und wo hast du denn jetzt Schneiden gelernt?
10:03 Maike Nissen: Die Sache ist die, mein Lebenslauf, das ist so, als hätte jemand einen normalen Lebenslauf genommen und hätte ihn einfach mal so geschüttelt, bis alles komplett durcheinander ist. Weil, was ich nach MTV natürlich der nächste logische Schritt war, ich hab Bock, mein Abi nachzuholen. Habe ich so mein Abi nachgeholt. Und dann ging es weiter, und dann ging es auch wieder in Richtung Medien. Ich habe so Nachhilfevideos geschnitten, das war auch so ein Praktikum bei SofaTutor. Und dann ging es wieder zurück für mich nach Köln zu EndemallBeyond. Und da fing das dann wirklich an. Also da wurde ich auch zum ersten Mal als Cutterin eingestellt, stand sogar mal im Arbeitsvertrag und da war wirklich mein erster Arbeitsvertrag gegen nur zwei Wochen, weil ich nur eine Aushilfe war.
10:50 Und dann nach diesen zwei Wochen, weil ich da so viel Arbeit reingesteckt habe und mich beweisen wollte, haben die dann gesagt, Mensch, die können wir nicht loslassen. Dann bin ich da drei Jahre geblieben, bis ich dann gesagt habe, ok, jetzt muss ich wieder zurück nach Berlin. Und dann habe ich noch zwei Jahre hier gearbeitet. Und dann habe ich gesagt, so, es reicht. Ich möchte keine Großraumbüros mehr und ich möchte im Pyjama schneiden mit meinen Katzen. Und habe so ein bisschen den Schritt gewagt in die Selbstständigkeit. Und bald sind es vier Jahre.
11:21 Jan Henrik Pusch: Ok, aber dann muss ich da jetzt nochmal kurz nachhaken. Ist das wahr? Schneidet man in diesem Bereich dann in Großraumbüros? Also dann alle mit Kopfhörern und irgendwie in einem Raum?
11:32 Rainer Nigrelli: Du musst immer dazu bedenken, Maike, der Jan denkt, dass alle Editor so einen riesen Saal haben.
11:38 Jan Henrik Pusch: Zu Hause mit ihren Katzen schneiden, das ist meine Vorstellung.
11:43 Maike Nissen: Das ist die Hölle. Könnt ihr euch ja vorstellen. Wenn dann um halb sechs alle so ein bisschen in Feierabend-Stimmung sind und du weißt, du musst noch über Stunden machen, das ist noch lange nicht fertig. Dann ist die auch schon mal laut geworden.
11:59 Rainer Nigrelli: Ja, ich glaube, das ist einfach inkompatibel. Die meisten Leute verstehen ja sowieso nicht, was wir tun, wenn wir schneiden. Und das dann einfach zu beobachten, warum guckst du dir das Material jetzt so oft an und warum klickst du so viel?
12:11 Jan Henrik Pusch: Und vor allem, wenn man es noch nicht mal hört. Wenn man dann noch mit Kopfhörern arbeitet, dann kriegt man es von außen ja noch weniger mit, was man da gerade tut.
12:21 Rainer Nigrelli: Jetzt hast du sehr, sehr viele Jahre Internet, Video, Streaming, MyVideo, YouTube mitbekommen. Hast du da für dich bemerkt, was für eine Veränderung gab?
12:32 Jan Henrik Pusch: Erstmal muss man ja festhalten, du hast ja vor allem die ganze Zeit parallel auch deinen Kanal gehabt, oder?
12:38 Maike Nissen: Genau, genau. Und das witzige ist eigentlich, dass obwohl ich ja professionell so arbeite und eigentlich weiß, wie ein funktionierender YouTube-Kanal sein sollte, mache ich mit meinem privaten Kanal alles falsch, was man falsch machen kann. Aber auch so ein bisschen mit Absicht. Weil ich könnte nicht jeden Mittwoch um 16 Uhr das gleiche Format hochladen. Also man muss ja wirklich, um ein bisschen erfolgreich auf YouTube zu sein, auch so eine Konstanz reinbringen. Die habe ich nicht. Absolut nicht. Aber zu dem Unterschied. Also wenn man einen großen Sprung macht von YouTube, noch relativ am Anfang. Ich meine, da haben wir da gesessen mit unseren Kameras mit Videokassetten drin.
13:18 Es gab kaum Leute, die eine Schnittsoftware hatten. Und da war noch keine Rede von Werbung oder Geld verdienen und gar nicht. Das war so richtig Anarchie. Das waren eigentlich nur Pannenvideos. Leute, die es irgendwie geschafft haben, irgendein Video da hochzuladen. Weil am Anfang war das ja wirklich noch schwer. Also man wollte noch nicht diesen Fame, weil den Fame gab es einfach nur nicht und das Geld auch überhaupt nicht. Und dann eigentlich wie es immer ist. Also ich glaube auch beim Fernsehen, wenn man sich das so anguckt, MTV war ja auch am Anfang Anarchie, Rock'n'Roll, wir machen unser Ding. Und dann wird das immer kommerzieller, wird halt auch professioneller.
14:03 am Ende ist alles so glatt gebügelt. Irgendwie. Und da habe ich so ein bisschen das Gefühl bei YouTube, dass das so ein bisschen auch in die Richtung geht. Und deswegen glaube ich auch, dass zum Beispiel TikTok, warum das jetzt so ein Trend ist, ist halt wirklich, weil da hast du noch Leute, da siehst du noch so eine Authentizität. Ich bin gerade stolz auf mich, dass ich mich nicht versprochen habe, aber ich glaube, Leute, die so richtig Erfolg haben oder viral gehen, oder die so Viralpotenzial haben, ich hasse das Wort, das hat mich auch in allen Produktionen immer so genervt. Ja, aber hat es Viralpotenzial? Das war immer wichtig.
14:46 Das sind immer die Leute, die es nicht mit Absicht machen. Und alles, wo so ein, weißte, wo so ein Content Creation Marketing-Kopf dahinter setzt und sagt, ja, wir brauchen das Hero Hub Hygiene-Konzept und so. Also, gibt es wirklich, gibt es abgefahrene Sachen. Und dann sitzen da irgendwie drei Scriptwriter dran und das geht aber nochmal durch 1000 Feedback-Schleifen, bis es am Ende wirklich glatt ist und dann, da geht so, kann was verloren gehen.
15:21 Rainer Nigrelli: Nee, da geht was verloren. Ist ja klar, wenn so viele Meinungen zusammenkommen und dann sagt halt jemand, ja, aber die Musik, da können wir die bitte austauschen und wir müssen anders starten und das können wir nicht sagen. Das vertragen unsere Zuschauerinnen nicht.
15:35 Maike Nissen: Ja, also, dass man sozusagen das Publikum wirklich ja, also, auch so unterschätzt. So, nee, den Begriff müssen wir jetzt nochmal erklären. Und da müssen wir jetzt noch eine Texteinblendung machen, weil das ist ja noch nicht ganz klar geworden. Und manchmal auch diese Entscheidung, die dann getroffen werden, dass man sagt, okay, nee, wir nehmen den dritten Take. Der ist zwar schlechter, aber da ist die Continuity da. Und dann denke ich mir so, ich nehme doch lieber die bessere Szene. Und das Milchkennchen im Hintergrund springt ein bisschen, was kaum jemandem auffällt, aber die Szene ist cool. Ah nee, die Continuity, da achten die Leute drauf.
16:16 Rainer Nigrelli: Wie ist das? Walter Merch hat dort so Schnittregeln entwickelt, wo er sagt, was ein guter Schnitt ist. Und er sagt, ich glaube, so ganz oben steht Emotion als wichtigstes Kriterium und ganz unten irgendwie so zwei Prozent Wichtigkeit hat Continuity. Also das ist quasi überhaupt niemals der wichtigste Grund, warum man schneiden sollte, die Continuity.
16:39 Maike Nissen: Hätte ich das gewusst, dann hätte ich ja ein paar Argumente gehabt. Hätte ich ja mal mitschicken können.
16:44 Rainer Nigrelli: Schicke ich dir die auch nicht. Aber das heißt, du hast hier dieses ruffe, dieses kantige, das erhältst du dir in deinem Kanal?
16:55 Maike Nissen: Genau, also da kann ich mich so ein bisschen ausleben. Also von allem, von allen Feedback-Schleifen ein bisschen erholen und ich schneide ja auch total gerne andere Projekte einfach, weil das ja also man guckt so ein bisschen über den Tellerrand dann auch mal und in allen Schnittprojekten steckt auf jeden Fall ein paar Prozent von mir. Also ich versuche immer meine Gags mit reinzubringen oder so mein Schnittstil. Ich denke mir auch manchmal, ja, deswegen haben sie mich ja auch vielleicht genommen. aber so 100%ige Freiheit, das kann ich nur auf meinem Kanal machen.
17:37 Jan Henrik Pusch: Und heißt das sozusagen, du brauchst beides, um glücklich zu sein?
17:47 Maike Nissen: Ja, ist mir gerade voll klar geworden. Wie so eine Therapiestunde, aber stimmt.
17:51 Jan Henrik Pusch: Ich finde das aber auch ein total schön Gedanken, dass man sagt, man hat diese Spielwiese, wo man ja auch irgendwie so ein ganz festes Publikum hat, was man ja auch selber gut kennt und wo man weiß, dem kann man vielleicht auch was zutrauen. Sonst wäre es ja wahrscheinlich dann nicht dein Publikum, wenn du die schon seit vielen Jahren so daran gewöhnst.
18:14 Maike Nissen: Definitiv. Und die heißen bei mir Neverland Rancher. Ganz wichtig.
18:20 Rainer Nigrelli: Wissen wir, wissen wir.
18:22 Maike Nissen: Und da sind teilweise Leute dabei schon seit Klipfisch. Das ist wirklich Wahnsinn. Also viele habe ich auch schon mal so persönlich mal so getroffen auf irgendwelchen Events oder so. das ist komisch, dass man sich so irgendwie schon so lange kennt. Also ich glaube auch, das liegt daran, weil in real life bin ich halt so ziemlich introvertiert. Also viel passiert in meinem Kopf. Und so dieses Medium über Video, damit kann ich irgendwie gut kommunizieren oder damit kann ich so ein bisschen meine Gedanken der Welt präsentieren. Jetzt zum Beispiel wie jetzt. Also ich bin ja nicht so richtig spontan. Das ist auch immer so, wenn mich Leute im echten Leben sehen, sind die auch immer ein bisschen verwirrt, weil ich halt überhaupt...
19:12 Ich meine, man kann alles cool hinschneiden. Man kann jeden cool machen. Bin ich im echten Leben nicht so. Und das ist auch immer ganz komisch, weil ich will auch irgendwie nicht, dass das in meinem echten Leben ein Ding ist. Also dass Leute sagen, hey, ich habe dein Video gesehen.
19:31 Rainer Nigrelli: Ich meine, du bist ja auch nicht Maike auf dem YouTube-Kanal. Das ist ja auch was anderes. Das trennst du ja quasi dadurch.
19:37 Maike Nissen: Und das Witzige ist auch, dass ich wirklich am Anfang war ich wirklich mehr eine Kunstfigur. Ich hatte sogar eine andere Stimme teilweise. Und ich glaube, das war das war absolut nicht bewusst. Aber ich glaube, das war auch so ein Schutz ins Ding. Weil ich meine, man stellt sich ja ins Internet. Und wenn jemand Vegas kritisiert, na, dann kritisiert er ja nicht Maike, sondern die die Rolle. Und die habe ich aber ein bisschen. Also mit den Jahren habe ich die schon abgebaut. Am Anfang habe ich noch versucht, meinen Namen geheim zu halten und so. Und irgendwann habe ich gesagt, das ist Quatsch. Ich bin auch Maike.
20:16 in den Videos habe ich dann irgendwann mal angefangen, auch mal ein bisschen ja, ich will nicht sagen, echter zu sein, weil ich war vorher nicht so wirklich fake, aber ja, mehr sehe ich ein bisschen angreifbarer zu machen. Das ist vielleicht das Wort.
20:32 Rainer Nigrelli: Also ist es, glaube ich, immer eine Mischung. Also wenn ich jetzt zum Beispiel mir das übrigens ganz tolle Let's Play angucke von diesen schlechtesten Videogames ever, dann ist das natürlich was sehr Echtes, weil ich dich beobachte, wie du dieses Spiel spielst. Aber vielleicht können wir ja mal so ein bisschen auf Formate gehen. Und was uns aufgefallen ist, vor allen Dingen mit unserem Schnittfokus. Freund, ich weiß nicht, wie hatten wir das genannt, das Komplexe, Runterkochen auf das Essenzielle? Was haben wir gesagt? Super Rainer. Okay, Danke. Podcast zu Ende. Super Danke, Maike. Also hier, Trailer oder Supercuts. Das ist ja was mich besonders interessiert. Ich weiß gar nicht, ob als Format, aber mir ist zumindest aufgefallen, dass du zum Beispiel so einen Tag hast, den du in Form eines Supercuts erzählst.
21:25 Fällt dir direkt ein, welches Video ich meine? Sonst sage ich dir nochmal.
21:30 Maike Nissen: Nee, dann sag mal.
21:31 Rainer Nigrelli: Also es gibt ein Video, wo du einen Tagesablauf machst. Dann gehst du zur Arbeit und arbeitest. Hallo, tschüss. Innerhalb von einer Minute wird ein Tag erzählt. Mit ganz kurzen Impressionen. Die Frage für mich, ist das so was ganz Natürliches bei dir? Oder ist das schon sowas, was wir Editorinnen haben, dass wir Dinge kondensieren?
21:51 Maike Nissen: Ja, ich muss wirklich überlegen, weil es ist so diese Mischung aus meinem sagen wir mal natürlichen Schnittstil, was sehr schnell ist. Und ja, ich liebe das. Sehr langatmige Prozesse so kurz darzustellen, wie weiß ich nicht, in einem Guy Ritchie Film. So eine schnelle Schnitt Sequenz einfach, zack, zack, zack, zack, fertig.
22:15 Rainer Nigrelli: Aber das Lustige ist ja, du drehst das selbst noch dazu. Also du bist jetzt nicht nur die Editorin, die das Material bekommt und denkst, um Gottes Willen, das sind vier Stunden, dann suche ich mir jetzt wirklich die Sachen raus. Sondern du drehst das ja. Das heißt, du gehst auch schon mit so einer Editorendenke daran beim Drehen.
22:32 Maike Nissen: Also ich habe, wenn ich was drehe, habe ich schon den Film im Kopf. Dann weiß ich die Übergänge, dann weiß ich, okay, das wird eine schnellere Sequenz. Ich nehme auch manchmal gar nicht so viel auf. Also wenn ich weiß, es ist ein kurzer Schnitt, warum soll ich da jetzt drei Minuten draufhalten?
22:47 Rainer Nigrelli: Kannst du das bitte mal ganz vielen Regisseurinnen erzählen, dass sie das bitte mit dieser Denke auch machen sollen?
22:53 Jan Henrik Pusch: Ja Rainer, wir müssten wieder alle auf Film drehen.
22:56 Rainer Nigrelli: Ganz teuer muss das sein, das Drehen. Das wäre echt hilfreich.
22:59 Maike Nissen: So auf goldenen SD-Karten, die man nur einmal bespielen kann.
23:06 Jan Henrik Pusch: du hast ja jetzt auch ein neues Projekt oder kann man es schon eine Reihe nennen? Das sind die Trailer, die du nachspielst. Und auch das kann man wieder auf die Essenz herunterbrechen nennen. Weil es ist ja wieder, dass du berühmten Trailer einfach nachspielst, in dem du, oder erzähl du mal, was du da tust.
23:29 Rainer Nigrelli: Ich könnte was dazu sagen, aber dann ist das Gespräch wieder zu Ende. Also was ich dazu sagen würde, Maike wäre, ich kenne das von vielen KollegInnen, die sagen, sie nehmen sich eine Musik, legen die hin und bauen darüber dann die Szene. Das heißt, sie vertrauen einer Dramaturgie, die schon funktioniert auf Tonebene. Und das ist ja quasi, was du dann tust. Du nimmst etwas, was auf der Tonebene dann auch wiederum funktioniert. Aber du machst das schräger, weil die Bilder, die du da drauflegst, natürlich dann wiederum kommentieren, was der Trailer nicht macht, weil er ja ernst gemeint ist.
24:03 Maike Nissen: Das ist auch immer so ein bisschen die kreative Herausforderung. Wie stelle ich jetzt einen Helikopter da, der auf Jurassic Park zufliegt? Also eigentlich laufe ich den ganzen Tag nur durch die Wohnung und gucke nach Dingen, die andere Dinge sein können. Und es macht auch halt so viel Spaß, weil wie gesagt, die Tonebene besteht ja völlig. Also ich muss mir um Ton keine Gedanken machen. Und das Schwere ist dann so ein bisschen das Abzuspielen, wenn die Leute reden. Dass man so ein bisschen trifft. Die Lippensynchronisation. Aber das sind auf jeden Fall eine meiner Lieblingsprojekte. Ich hatte auch schon mal einen Star Wars Teaser gemacht und da war ich sehr stolz auf meinen Stormtrooper, den ich mit so einem Obi-Eimer auf dem Kopf nachgemacht habe.
24:51 Und eigentlich bin ich nur die ganze Zeit am Lachen. Wenn ich die ganze Zeit irgendwelche Dinge habe, die aussehen wie andere Dinge.
24:57 Jan Henrik Pusch: Wir fanden die Darstellung des rollenden Droiden sehr, sehr schön.
25:02 Maike Nissen: Da war körperlicher Einsatz noch dabei.
25:06 Jan Henrik Pusch: Auf jeden Fall. Auch das Video sollten wir dringend verlinken.
25:11 Rainer Nigrelli: Also die Rolle vorwärts bitte, die müsst ihr euch angucken. Die ist sehr toll.
25:15 Jan Henrik Pusch: Und bitte nachhören.
25:18 Rainer Nigrelli: Und sag mal, diese schneller lesen Sachen, das ist ja wiederum auch was, was mit Dessenz runterkochen zu tun hat. Und ich würde jetzt sagen, so was du vorhin meintest, mit Abitur nachholen, oder? Hast du da irgendwie Sachen verbunden, dass du gesagt hast, ja, jetzt muss ich mir mal den Faust irgendwie verständlich machen? Total.
25:39 Maike Nissen: Ich muss ja die Zeit auch irgendwie überleben. Also ich war im deutschen LK, ich weiß gar nicht, was mich geritten hat. Und dann hatten wir halt so Faust und alles. Und erst als ich angefangen habe, so lustige Sketche, ich glaube, das hat mit Sketchen angefangen, zu schreiben, habe ich irgendwie gemerkt, das macht Spaß. Warum fasse ich nicht das komplette Werk einfach zusammen? Und ich habe das immer vor einer Klausur gemacht, so ein Video. Danach wusste ich, was passiert von Anfang bis zum Ende. Für mich war das eine Lernhilfe. Und das nächste wird die Verwandlung von Kafka. Und das wird richtig witzig, weil ich bin dann wirklich, ich habe so einen Käfer genommen.
26:23 Und dann habe ich da wirklich so einen PNG Käfer, also habe ich nicht selber gemacht. Und dann habe ich wirklich mein Gesicht einfach draufgesetzt, wie so ein Ei. Und ich muss jedes Mal lachen. Ich weiß nicht, mein Gesicht auf Dinge zu setzen. Es gibt nichts Schöneres auf diesem Planeten. Es macht so einen Spaß. Ich mag Gesichter auf Dingen.
26:44 Rainer Nigrelli: Alles klar, Gesichter auf Dingen, merken wir uns. Ist lustig, ne?
26:47 Maike Nissen: Das wäre jetzt gleich lustig. Das ist der Comedy Olymp ganz oben.
26:55 Rainer Nigrelli: Aber das könnte doch eine Reihe sein, die du Schülerinnen anbietest. Aber wahrscheinlich wird es dann langweilig, wenn man das dauernd macht.
27:03 Maike Nissen: Ja, ich glaube, ja. Wie gesagt, Formateile werden bei mir höchstens so Teil 3. Danach wird es schon eng.
27:13 Jan Henrik Pusch: Aber hast du nicht auch eben erzählt, dass du sowas tatsächlich mal gemacht hast? Diese Nachhilfegeschichte?
27:19 Maike Nissen: Ja, da hatten wir so... Die Kamera war oben montiert und dann hat man so Dinge geschrieben und erklärt und Bilder ausgeschnitten und drauf gelegt. So Erklärvideos halt. Und... Das ist immer interessant, weil wenn man dann so einen Skript schon sieht, kann ich schon so ein bisschen sehen, ob es funktioniert oder nicht. Allein, wenn man Kapitel drüber schreiben kann, ist es schon mal ein gutes Skript. Wenn irgendwo drin steht, dazu kommen wir später noch, bin ich schon wieder raus. Das mag ich gar nicht. Das ist wie, wenn man ein Video sieht und jemand sagt das, oder es steht da Wait till the End. Dann bin ich schon raus.
28:02 Also das sind bei mir so zwei Dinge, die bei mir überhaupt nicht funktionieren. Denke ich muss warten? Nee. Dann bin ich super trotzig. Einfach so als Verbraucher.
28:12 Rainer Nigrelli: Aber das ist ja vielleicht ganz interessant, wo du das jetzt als Verbraucher nennst. Das ist jetzt so ein harter Übergang, aber ein ganz toller, eleganter, den du jetzt gerade gebaut hast. Was für Regeln es so denn gibt für dich als jemand, der Videos erstellt, dass die Leute dranbleiben bei solchen, ich sag jetzt mal professionell, nicht Vegas Films-Videos. Da hast du mit Sicherheit jetzt im Laufe der Jahre dir auch so ein bisschen was zusammengestellt. Ich denke dann nur immer an da Vinci, das Schnittprogramm, wo es so einen Button gibt, der dir dann sagt, wo potenziell langweilige Stellen sind, weil die Einstellung, ich weiß nicht, zehn Sekunden steht, sollte aber eben viel weniger lang stehen.
28:54 Deswegen ist das zum Beispiel ein Kriterium, schnelle Einstellungen oder was gibt es noch so?
29:00 Maike Nissen: Einmal natürlich die Schnelligkeit. Dann wechselt man super oft so im Medium-Shot in Closed-Shot. Da springt man einfach rein. Das ist oft in 4K oder 8K gedreht, aber in HD ausgespielt. Das heißt, man hat da ein bisschen Luft zum springen. Eigentlich geht man nur zwischen Medium-Closed und Extreme-Closed ab. Denn immer wenn so ein richtig dover Witz kommt, dann springt man ja so komplett dass die Nase genau, schon fast den ganzen Bildschirm bedeckt. so die Leute ein bisschen natürlich anteasern soll, dass am Anfang wird oft ein Thumb- Stopper eingebaut. Also ein Daum-Stopper. Gerade so bei Facebook-Video, Instagram und TikTok, da swipet man ja mit dem Daumen immer so von unten nach oben.
29:59 Und man möchte mit diesem Thumb-Stopper am Anfang, dass der Daumen stoppt, dass man auf dem Video, dass man das unbedingt gucken will. Und das macht man, indem man was super Interessantes an den Anfang stellt. Irgendwie eine lustige Szene. Was am besten funktioniert, sind eigentlich so überraschende Gesichter. So oder jemand fällt fast in See, aber man sieht es noch nicht. Und dann sieht man es erst später. Also das ist so der Thumb-Stopper, wo man sagt, ah nee, das will ich jetzt aber noch sehen. Da gibt es nochmal so ein bisschen Unterschied. Jetzt auf Plattformen wie TikTok hast du wirklich nur, weiß nicht, eine Sekunde, um die Leute zu überzeugen.
30:38 Hey, guck mal ein Video. Auf YouTube ist das Ganze, da hast du ein bisschen mehr Zeit, weil sich die Leute auch aktiv, also in den meisten Fällen aktiv dazu entschieden haben, dein Video zu klicken. Die haben raufgeklickt und geben dir dadurch eine viel größere Chance. Weil die sagen, es ist meine Entscheidung gerade, dieses Video sehen zu wollen. Also gebe ich dem eine viel längere Chance. Bei TikTok, wenn dir da jede Sekunde irgendein Video vor die Nase gehauen wird, da bist du ja immer nur so ne, ne, ne, ne.
31:10 Rainer Nigrelli: Machst du den Content auch für TikTok? Beziehungsweise weißt du schon, dass du das anders schneiden würdest dann? Also machst du dann einen Unterschied dann schon für dich?
31:20 Maike Nissen: Definitiv. Also ich versuche gerade so ein bisschen diesen Algorithmus zu verstehen, weil der ist schon anders als YouTube. YouTube geht ja sehr viel auf Watchtime. Bei TikTok geht es mehr nach Interessen. Das heißt, es zählt auch nicht, ob du jetzt ganz viele TikToks hast mit super vielen Aufrufen und Kommentaren. Das zählt nicht. Jedes Video kriegt die Chance groß zu werden oder eben auch nicht. Indem sozusagen erst einem kleineren Pool gezeigt wird. Und wenn das denen allen gefällt, also mit den Hashtags und die haben den Algorithmus und die interessieren sich für Katzen. Und du hast gerade ein Katzenvideo gemacht. Das wird dann sozusagen für die Katzenleute erstmal ausgespielt.
32:07 Und der Algorithmus sieht dann, ah, das liked jemand, ah, das guckt jemand zu Ende, das kommentiert jemand, dann zeigen wir es auch einem größeren Publikum. Also es ist immer so ein bisschen wie so eine Beta-Phase. Wenn das gut funktioniert, dann kannst du super schnell auf der For You Page landen, sozusagen. Und damit hat man die Chance, mit einem TikTok eine viel größere Reichweite zu erlangen.
32:33 Rainer Nigrelli: Du meintest gerade, dass diese Aufmerksamkeit auf YouTube zu bekommen, da wird einem eine größere Chance gewährt, weil User sich aktiv für ein Video entscheiden und erstmal draufklicken. Aber wir sprechen doch da trotzdem von, ich weiß nicht, drei Sekunden. Oder was ist das für eine Zeitaufmerksamkeit, die da die User haben normalerweise?
32:51 Maike Nissen: Ich würde sagen, also die ersten fünf Sekunden sind entscheidend. Was wir dann meistens machen, sind lustige Szenen davor zu setzen, so nach dem Motto, wie so ein kleiner Teaser, das kommt auf euch zu. Das wird ganz, ganz lustig, das Video. Bleibt dran, bitte bleibt dran. Und dann kommt ja meistens eine Anmoderation und dann kommt noch ein Intro. Und das sind alles Sachen, die man auf TikTok zum Beispiel nicht hat. Also das ist einfach nicht die Plattform dafür.
33:18 Jan Henrik Pusch: Wollte ich gerade sagen, ist ja dann auch schon insgesamt eine nicht so geile Idee, das Intro dann ganz an Anfang zu setzen. Das wäre ja dann auch eher langweilig.
33:27 Maike Nissen: Definitiv. Also auch, dass vor dem Intro noch was gesagt wird, wo dann auch nochmal ein bisschen angeteasert wird auf das, was so nach dem Intro alles kommt.
33:38 Rainer Nigrelli: Ja, ich finde es sehr das Absurde, bei Kinotrailern auf YouTube haben diese Kinotrailer ja wiederum nochmal den Trailer des Kinotrailers innerhalb dieser fünf Sekunden. Trailer für einen Trailer quasi.
33:49 Maike Nissen: Stimmt, ein bisschen Inception-mäßig.
33:54 Rainer Nigrelli: Gibt es noch Regeln? Also gibt es Dinge, die du auf gar keinen Fall machst, die du, weiß nicht, bei langen Formaten oder auf deinem Kanal machen kannst, aber auf Profi-YouTube dann nicht?
34:04 Maike Nissen: Eine Sache, die wir festgestellt haben, du kannst ja bei Videos auch gucken, wo schalten die Leute ab. Und da haben wir gemerkt, wenn zum Beispiel Texttafeln zu sehen sind, ohne Voice-Over und du lässt die Texttafel oder die Statistik einfach so lange stehen, bis Leute das irgendwie aufgenommen haben, da steigen alle aus. Keine Chance. Also da kannst du maximal, am besten ist es, wenn man in der Moderation bleibt und die Statistik zum Beispiel um den Kopf des Moderators herum bastelt und er noch weiter erzählt, dass man dran bleibt.
34:44 Jan Henrik Pusch: Und das ist auf jeden Fall etwas, was du gelernt hast. Wenn man deine alten Sachen geguckt hat, da waren da schon noch sehr viele Texttafeln.
34:53 Maike Nissen: Ich kann mir die alten Sachen nicht mehr angucken. Da blutet mein Katterherz. Was ich damals gemacht habe, war furchtbar, viele lustige Blenden zu benutzen. Und davon bin ich, das mag ich nicht. Das mag ich nicht. Ich bin ein sehr großer Fan von harten Schnitten. Finde ich gut.
35:13 Rainer Nigrelli: Ich finde diese Blenden-Schnitte am besten. Die Star Wars Schnitte, das sind eigentlich meine Lieblingsschnitte.
35:19 Maike Nissen: Oder so diagonal, genau wie in Star Wars.
35:22 Rainer Nigrelli: Hammer. Für alle, die noch wissen wollen, wie man YouTube-Videos schneiden soll, dem sei empfohlen, wie du das allerbeste YouTube-Video machst und Millionen verdienst.
35:31 Maike Nissen: Aber erwähnen doch nicht so alte Videos, die man sich wirklich nicht mehr angucken.
35:37 Rainer Nigrelli: Okay, das schneiden wir raus.
35:38 Jan Henrik Pusch: Auf gar keinen Fall. Das verlinken wir.
35:40 Rainer Nigrelli: Das ist super. Ja, was mich noch interessieren würde und Jan auch. Ich selbst habe mal ganz kurz so ein paar YouTube-Sachen gemacht und ich dachte auch mal in irgendeiner Zeit, vielleicht ist das ja so der Bereich, wo ich mal arbeiten kann. Das war noch zur Mediakraft-Zeit. Jetzt bist du eine Filmeditorin, die vornehmlich für digitale Kanäle schneidet, also fürs Internet, My Video und so. Wie wirst du quasi, vergleichst du dich mit anderen, die wiederum zum Beispiel für das große Fernsehen schneiden? Ist das für dich ein Unterschied? Hast du da eine Haltung dazu?
36:19 Maike Nissen: Also ich hatte bis jetzt auch nur zwei Projekte, wo ich mal fürs TV geschnitten habe. Also ich habe jetzt nicht die größten TV Erfahrungen. Aber für mich war es ein bisschen sehr starr in dem. War ganz oft, ja, wir benutzen diesen Fond, weil wir den schon immer so benutzt haben. Und da muss der Werbeblock hin und hier ist die Blende und war etwas weniger künstlerische Freiheit. Und natürlich die Schnelligkeit. Aber ich meine, das ist ja auch nachvollziehbar. Im TV kannst du ja nicht so superschnell alles zeigen und Leute verpassen alles. Du kannst ja nicht zurückspulen. Was du im Internet kannst, du kannst dir den Clip einfach nochmal angucken, wenn er nicht ganz wenn das zu schnell war.
37:08 Und das waren so ein bisschen die Unterschiede für mich. Also bei digitalen Medien es ist ein Vorteil und ein Nachteil gleichzeitig, dass man da ein bisschen unterschätzt wird. So ein bisschen ja, macht mal was. So als würden wir mit unseren Smartphones rumrennen und dann ein paar Formate aus dem Ärmel schütteln. Und das hat aber andererseits halt auch den Vorteil, wenn man dadurch halt auch ein bisschen ja, man kann halt viel mitgestalten und man hat halt auch so ein bisschen Freiheit. Was auch ein Vor- und Nachteil ist, ist, dass man so eine Eier legende Wollmilchsau ist. Also, wenn ich ein Video mache, mache ich die Farbkorrektur, ich mache das Sounddesign.
37:57 Manchmal Teile vom Motion Design. Ich sage immer, ich bin keine Motion Designerin. So engagiert jemanden, das ist wirklich ein krasser Job. Ich kann vielleicht ein kleines Intro und eine Bauchbinde machen. Ich probiere mich auch gerne aus, aber Motion Designer ist sehr, sehr wichtig. Und jetzt auch, wenn ich mit jemandem zusammenarbeite, ist das oft eine Person, die gleichzeitig Redakteur ist, hat das Skript geschrieben, hat Regie bei der Folge gemacht und ist auch noch Produzent oder so. Also es sind immer viele Personen oder, nein, eine Person, die viele Jobs macht. Das ist auch meistens so, dass der Kameramann auch gleichzeitig Licht und Sound macht. Also das wird nicht aufgeteilt.
38:43 man wird so ein bisschen unterschätzt. Man hat oft nicht die Gelder, deswegen muss man viel selber machen. Aber irgendwie hat das auch so ein bisschen so ein Rock'n'Roll Charakter.
38:55 Rainer Nigrelli: Ich fand das jetzt gut mit dem, man muss sehr viel eigenständig arbeiten. Also man ist ja dadurch auch gefordert, ich sag jetzt mal, nicht nur Schnitte zu setzen, sondern man muss es zum Funktionieren bringen. Und da kostet es, was es wolle. Dann mach ich halt doch die Bauchbinde und das Logo.
39:10 Jan Henrik Pusch: Ja, aber es darf halt nur kein Geld kosten. Es kostet, was es wolle, aber nur mit eigener Power und nicht mit finanzieller Power.
39:20 Maike Nissen: Genau, ich hab immer das Gefühl, das ist so ein bisschen wie bei Apollo 13. So, wir haben jetzt diese fünf Dinge und im Schnitt muss aus diesen Dingen jetzt ein toller Film werden. Viel Spaß. Wie kommen wir dahin? So, ist immer wie so ein Rätsel.
39:36 Rainer Nigrelli: Ja, okay, und du meinst, dass sozusagen die Fernsehschneidenden KollegInnen von oben runter gucken. Das ist quasi was du erlebt hast auch, also dass man so gesehen wird. Also man wird unterschätzt, hast du gesagt?
39:49 Maike Nissen: Ja und nein. Also es gibt auf jeden Fall Leute, die wissen, wie viel Arbeit das macht, ein YouTube Format zu machen und ein Setdesign zu entwickeln und ein Kanal Konzept zu schreiben. Aber darunter sind halt auch oft Leute, die das so YouTube eher so als Zweitverwertung sehen. Gerade so im TV-Bereich so, wir haben hier diese Formate und könnt ihr da noch was draus machen. Stellt das mal auf YouTube, klippt mal ein paar Sachen raus und dann wird das ja erfolgreich sein. So ein bisschen.
40:26 Rainer Nigrelli: Da fehlt dann einfach das Verständnis, was man machen kann. Auf der anderen Seite, was ich ja auch kenne, ist, dass dann wiederum Fernsehkolleginnen dann Schwierigkeiten haben, so ein YouTube-Video zu schneiden, weil sie das einfach nicht kennen oder können oder wollen, weil man eben diesen Einsatz dann bringen muss.
40:44 Maike Nissen: Also ich glaube auch, das sind einfach so verschiedene Stile. Was mir ja auch manchmal fehlt, ist, wenn, wenn, ich mag es ja auch, früher habe ich gerne Mood-Trailer geschnitten oder da hatten wir auch mal richtige Szenen drin, wo man so Emotionen aufbaut und auch mal atmen kann dazwischen. Oder irgendwie auch mal ein Bild stehen lassen. Und das sind so Sachen, die existieren eigentlich nicht im YouTube-Kosmos. Das man mal was stehen lässt.
41:14 Rainer Nigrelli: Das ist nicht das Medium, gerade für Sachen mal einverstehen lassen.
41:18 Maike Nissen: Vielleicht mache ich einfach mal ein TikTok-Video, wo ich einfach mal was stehen lasse. Einfach umzugucken, was passiert.
41:26 Rainer Nigrelli: Ja, ach, ich kenne die Diskussion wiederum von den Kinoleuten und den Fernsehleuten, die auch runtergucken, ob die Fernsehleuten sagen, Leute, ihr könnt ja nichts stehen lassen. Ja, ich verstehe auch, dass man sich so diesen Geschmack verdirbt. Das ist ja dann so der Vorwurf, ihr Fernsehleute, ihr schneidet einfach nur schnell und ihr wollt einfach nur, dass die Leute das verstehen und ihr wollt gar nicht Emotionen auserzählen und so.
41:52 Jan Henrik Pusch: Aber ich glaube, dass was Maike gerade erzählt hat, ist ja so ein bisschen ein anderer Bereich. Da geht's ja nicht um irgendwie Geschmack, sondern es hat ja was mit Freiheit zu tun. Es ist einfach eine ganz andere Art Filme zu machen, wenn du an allen Dingen beteiligt bist und nicht überall sozusagen an einem Konzept hängst, sondern sozusagen wirklich ja, es ist eine andere Art Filmemacher zu sein. Die viel eigenständiger ist und so. Und genau. Das wollte ich da nochmal hinzuschieben.
42:29 Rainer Nigrelli: Jetzt hast du auch den Podcast beendet. Übrigens gerade, oder?
42:31 Jan Henrik Pusch: Ja, das passiert mir hin und wieder. Aber nicht so oft.
42:34 Rainer Nigrelli: Eigentlich passiert mir rein, möchte ich das sagen.
42:38 Jan Henrik Pusch: ich habe ja immer noch die gute Chance, da wir jetzt an einer Stelle sind, wo wir auch gut in die Kategorien gehen könnten, zu sagen, ich wollte jetzt abbinden für die Kategorien.
42:57 Sprecher: Das sind ihre Darlings.
43:00 Jan Henrik Pusch: Und zwar brauche ich eigentlich nicht mehr viel zu sagen, denn hier ist gefragt, liebe Maike, was ist für dich der bestgeschnittene YouTube-Film?
43:12 Maike Nissen: Das ist...
43:13 Jan Henrik Pusch: Also außer deinen alten Sachen?
43:17 Maike Nissen: Ja, natürlich. Das würde ich jetzt ein Video von mir nennen. Also, da ist das Problem.
43:26 Rainer Nigrelli: Ich habe heute T-Shirt-Falten geguckt. Und das würde ich jetzt so persönlich zu meinem Lieblings-YouTube-Video erklären.
43:35 Maike Nissen: Das ist auch einfach... Ich war zu früh dran. Ich war schon TikTok, bevor es TikTok gab. Was ich gerne gucke, ist von Wired. Also die Zeitschrift, die hat ja auch so eigene YouTube-Formate. Die sind immer so mein bestes Beispiel für das, wo drin ich arbeite. Also ein Infotainment. Da gibt es so einen Tag Support mit Ken Young heißt der. Der ist von Hangover, der Comedian. Oder aus der Serie Community. Und der macht... Also da stellen Leute per Twitter Fragen. Und er ist Harzt. Also er hat wirklich gelernt. Und er gibt medizinische Ratschläge. Und das ist eins der bestgeschnittensten Formate sozusagen in dem, was ich tue.
44:25 Die Schnelligkeit ist da. Es ist nur ein Set, in dem gesprungen wird. Also man braucht auch nicht viele Mittel, um ein lustiges Video zu machen. Und dieses Video ist einfach mal 5 Jahre alt. Und ich kann es mir immer wieder angucken. Und wenn jemand fragt, was würdest du gerne machen, dann schicke ich das. Es ist jetzt nicht, wo man denkt, oh, diese Schnitttechniken habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Aber das fasst einfach gut zusammen, was ich so mache, so Infotainment. Und es ist jetzt nicht so wie, ich glaube, das letzte Mal, wo ich so richtig geflasht war vom Schnitt, das war aber in Everything, Everywhere, All at Once, diesen Kinofilm.
45:06 Rainer Nigrelli: Fantastisch. Große Empfehlung an dieser Stelle.
45:08 Maike Nissen: Ja, oder? Ich saß einfach nur da und ich wollte nicht blinzeln, weil ich nichts verpassen wollte an Schnitttechniken und einfach neuen Dingen und ausprobieren.
45:19 Rainer Nigrelli: Jan, hast du das gesehen? Der läuft noch. Geh da rein. Da geht es ja darum, dass man in verschiedenen Universen existiert und diese gleichen Personen sind verbunden durch Schnitt. Ganz toller Film.
45:31 Maike Nissen: Finde ich auch ganz, also ich habe von Anfang bis Ende, ich glaube, ich habe nur gelacht oder geweint. Es gab nichts dazwischen.
45:37 Rainer Nigrelli: Stimmt, man ist mit offenem Wunsch davor. Jan, dann nehme ich dich mit. Ich gucke den nochmal.
45:44 Jan Henrik Pusch: Auf jeden Fall. Ja, gucke ich mir sehr gerne an. Sind hier jetzt gerade einige Tipps gekommen, die ich mir sehr gerne mal angucken werde.
45:51 Rainer Nigrelli: Finde die auch dann nachher in den Show Notes. Das können wir hier kurz erwähnen. Ich mache mal weiter mit der nächsten Kategorie.
46:05 Maike Nissen: Also, ich bin, das ist jetzt ungefähr die langweiligste Antwort der Welt. Aber es ist Ordnerstruktur. Es macht das Leben so viel einfacher. Und das Arbeiten. Wenn man die Ordner richtig bezeichnet, wenn man seine Struktur hat, wenn man die Sequenzen benennt, bei jeder Feedback-Version, kopiere ich mir die Sequenz und mache da draußen eine V2. Und dann habe ich immer noch die V1, habe ich immer noch. Wenn ich das ausspiele, hat das den gleichen Namen wie die Sequenz. Also bei mir hat ganz viel, sehr viel Struktur. Das ist die langweilige Antwort. Und die, die gut ist, habt Spaß?
46:54 Rainer Nigrelli: Großartig. Und ich glaube, lustigerweise hat Jonas Ressel, der damals für Mediakraft gestitten hat, die gleiche Antwort gegeben, was Ordnung betrifft. Und den anderen Tipp nehme ich auch sehr gerne mit, weil das ist auch was, was ich gerne mache. Ich nehme es nicht zu ernst. Ich glaube, das hilft gut arbeiten zu können.
47:14 Maike Nissen: Genau, genau. Also die Mischung aus Struktur und Humor.
47:21 Rainer Nigrelli: in die nächste Kanikorie.
47:29 Jan Henrik Pusch: Ja, Michael, eine Anekdote wäre jetzt glaube ich bei dem Trainer ganz interessant.
47:34 Maike Nissen: Ich habe da eine. Passt auf. Also ich habe mal mit jemandem zusammengearbeitet an einem Projekt. Ich nenne nicht jetzt den Namen. Aber wir hatten eine Szene, wo eine ein Mädchen einen Geburtstagskuchen so die Kerzen ausblasen sollte. Und drum herum stand ein paar Menschen und das war alles in Slow-Mo gedreht und alles wunderbar. Und in der ersten Feedback-Schleife kam der Kommentar, ob wir da noch einen Vater einbauen können. Und dann sitzt du da und denkst dir, der Vater stand nicht mal im Skript. Der wurde nicht gedreht. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Soll ich auf Getty gehen? Soll ich mir einen Vater irgendwo runterladen? Und den dann einfach in den Hintergrund setzen?
48:25 Das war ziemlich lustig.
48:26 Jan Henrik Pusch: Und dann hast du einfach deinen Vater genommen und ihn eingebaut?
48:31 Maike Nissen: Vorgrün gestellt kurz.
48:37 Jan Henrik Pusch: Die Leute denken halt, und das ist ja das Schöne, der Schnitt kann einfach an.
48:40 Rainer Nigrelli: Die trauen einem so viel zu. Das ist schon sehr nett eigentlich.
48:43 Maike Nissen: Wahnsinn. Der ist fast Gottgleich.
48:47 Rainer Nigrelli: Und du so, ja klar. Was machen wir?
48:50 Maike Nissen: Kein Problem.
48:51 Rainer Nigrelli: Ja Wahnsinn. Es gibt manche Leute, die einfach doof sind und die das nicht checken. Was man da alles, das ist ja schon gedreht ist. Allein das, dass sie das nicht begreifen.
49:00 Maike Nissen: Also ich frag mich einfach nur manchmal so, wie die drauf kommen. So die Gedankengänge würde ich gerne einfach mal nur erfahren.
49:06 Rainer Nigrelli: Fantastisch. Ja, weil du ja sagtest, wir sollen nicht so viel über alte Videos sprechen, dann sprechen wir mal ganz kurz über die neuen Videos. Vielleicht kannst du was darüber erzählen, dass du jetzt auf Patreon unterwegs bist. Das heißt, du hast dein YouTube-Kanal, dein Vegas Films Projekt auf eine neue Stufe gehieft. Kann man das so sagen?
49:27 Maike Nissen: Das kann man so sagen. Also ich habe noch nie Geld mit meinen Videos verdient. Also ich hatte mal eine Zeitlang so Werbeeinnahmen auch angeschaltet. Aber das war so wenig. Und da hat mich die Werbung so genervt, dass ich halt alle meine Videos entmonetarisiert habe. im Januar habe ich angefangen, darüber nachzudenken und so ein bisschen vorzubereiten sozusagen den Schritt auf Patreon, dass ich sage, hey, ihr könnt mich unterstützen. Und ich war so nervös, als ich dieses erste Video hochgeladen habe. Weil ich dachte, was ist, wenn niemand mitmacht? Das wäre richtig peinlich, wenn da eine 0 stehen würde. Und dann nach 3 Minuten, der erste, der 3 Euro im Monat gegeben hat.
50:15 Das werde ich auch so schnell nicht vergessen, weil das war so ein Moment, wo mir so ein Stein vom Herzen gefallen ist. Und jetzt sind es ja schon wirklich einige. Und ich habe ja jedem Freundschaftsanbändchen versprochen. Das heißt, ich knüpfe jeden Abend bestimmt zwei, weil für ein Bändchen brauche ich eine Stunde. Also die sind schon aufwendig.
50:38 Rainer Nigrelli: Aber das heißt, du suchst dir dadurch die Möglichkeit, Vegas Films weiter zu machen. Also die, ich sage mal, die professionelle Filmeditorin diesen Bereich deines Lebens ein bisschen zurückzufahren, um mehr Vegas Films machen zu können.
50:53 Maike Nissen: Ja, ein bisschen, ja, die Balance zwischen beiden zu finden. Weil ich habe in den letzten drei Jahren eigentlich so gut wie keine Videos gemacht. Und ich habe gemerkt, wie sehr mir das fehlt. Und dann habe ich überlegt, was, was brauche ich dazu, um diese Videos auch ein bisschen aufwendiger und so zu machen, wie ich sie mir vorstelle. Weil das, also wenn man den ganzen Tag im Schnitt sitzt, so acht, neun Stunden und dann danach noch ein privates Projekt macht, schneidet, ist ein bisschen viel. Und die Videos, die ich jetzt auch gemacht habe, die sind auch alle sehr, sehr rechercheaufwendig teilweise. deswegen habe ich dann so ein bisschen den Schritt zu Patreon gewagt und bin auch sehr, sehr froh, dass das jetzt so ankam, so positiv.
51:47 Jan Henrik Pusch: Also wir glauben ja, dass das auch noch weiter durch die Decke geht, aber nach dem, was du am Anfang gesagt hast, werden wir dich in einem Jahr nochmal drauf aufmerksam machen, ob du deine Ecken und Kanten verloren hast, wenn du jetzt...
51:59 Maike Nissen: Dann bin ich kommerziell und glatt gedüselt.
52:01 Jan Henrik Pusch: Also ja, du bist sehr kommerziell geworden, sozusagen, und dann werden wir dich... werden wir das jetzt überprüfen. Und dass das auf gar keinen Fall passiert.
52:10 Maike Nissen: Ja, okay, bitte passt aus.
52:11 Jan Henrik Pusch: Und alle, die das hier hören, müssen mitprüfen.
52:13 Maike Nissen: Genau, genau, das ist wichtig.
52:15 Rainer Nigrelli: Ja, dann hoffen wir natürlich, dass da auch noch mehr in die Kasse kommt, die nicht deine Mainstreamigkeit fördert, sondern einfach die Möglichkeit dir gibt, weiterhin so fantastische Videos zu machen. Was wir für uns mitnehmen können, du hast das vorhin gesagt, dass du dich ausdrückst mit Videos. Und man kann es natürlich auch präzisieren, weil du das einfach beruflich machst, dass du dich auch mit Schnitt ausdrückst. Ich glaube, das ist was, was sehr viele Filmeditor innen können, wollen, sich damit ausdrücken. Ich glaube, wir hätten alle am liebsten gerne auch so einen Kanal, wo wir uns austoben können.
52:54 Maike Nissen: Und wahrscheinlich sollten wir es einfach machen.
52:56 Rainer Nigrelli: Einfach machen.
52:58 Maike Nissen: Einfach machen.
53:00 Jan Henrik Pusch: Rainer, du hast einen Podcast. Jetzt fang dich noch in YouTube an.
53:02 Rainer Nigrelli: Ja, aber da drücken wir uns jetzt nicht direkt. Ich finde, wir sind sehr mainstream-ig geworden. Ja, Maike, vielen, vielen Dank. Und lasst uns in einem Jahr nochmal sprechen, würde ich sagen.
53:19 Maike Nissen: Ihr müsst mich überprüfen. Na, kommt ihr jetzt nicht dran vorbei.
53:21 Jan Henrik Pusch: Das machen wir gerne.
53:25 Sprecher: Wir haben also gesehen, dass der Schnitt in der Telebiografie eine Balance schaffen muss, zwischen dem Drang narzisstischer Selbstbeie und dem Interesse der Gucker, etwas aus dem vorgeführten Leben für sich selbst zu adaptieren. Der Schnitt sollte daher in Bewegung bleiben, zielgerichtete Aktion zeigen und nicht nur eine sprechende Birne. Um die Hauptfigur in sich selbst für das eigene Schicksal zu finden, braucht es eben eine gute Story und nicht nur die Darstellung des Profanen. Den Müll rausbringen und Wäsche auf die Leine hängen, kann wohl jeder und ist für dieses Format als Themenblock eher ungeil.
54:01 Jan Henrik Pusch: Ja, lieber Rainer, weißt du, was mir bei diesem Abspann gerade in den Kopf kam? Mir kam in den Kopf, dass mit der Maike jetzt jemand, hier war der genau im Gegensatz zu den Daily Soap Editorinnen steht. Und zwar ist es so, dass sie halbwegs viel Zeit für minimal kurzen Content hat. Und beim Daily Soap ist es genau gegensätzlich. Da hat man minimal Zeit im Schnitt für maximalen Content.
54:35 Rainer Nigrelli: Ja, absolut. Sie ist quasi das Gegenteil von den Daily Soap Editorinnen. Einfach das Gegenteil. Und deswegen noch mal allen, die Vegas Films noch nicht kennen, bitte anschauen. In den Show Notes findet ihr mehr oder gebt einfach Vegas Films auf YouTube ein.
54:51 Jan Henrik Pusch: Genau. Und ansonsten gebt auch mal credit to the edit.de in euren Browser ein und guckt euch die Timelines an.
55:02 Rainer Nigrelli: Das ist schön, dass du das Internet abmoderierst. Ich würde Instagram abmoderieren, weil da kenne ich mich ein bisschen aus. Da gibt es auch schöne Timelines und lustige Videos und Fotos. Aber nicht so lustig wie die von Vegas Films.
55:16 Jan Henrik Pusch: Ansonsten bedanken wir uns bei allen, die uns zugehört haben und bei Adobe, die uns unterstützt haben, auch bei dieser Folge.
55:24 Rainer Nigrelli: So, ich würde jetzt so einen Supercut tatsächlich gerne mal machen.
55:27 Jan Henrik Pusch: So machen wir es.
55:28 Rainer Nigrelli: Ja hallo Vegas, Vegas Films, La Deutsche Vegas, wie sollen wir dich nennen?
55:32 Maike Nissen: Ich bin auch Maike. Also ich bin relativ so random.
55:35 Rainer Nigrelli: Du hast gerade random gesagt. Stimmt. Maike. Stimmt.
55:38 Jan Henrik Pusch: Das ist ja die Essenz des Schneidens.
55:40 Maike Nissen: Stimmt. Eine schnelle Schnittsequenz einfach, zack, zack, zack.
55:45 Sprecher: Sie haben gesehen, Filmschnitt ist also gar nicht zu kompliziert. Und denken Sie immer daran. Das erste Ansehen des Filmmaterials bitte nur allein vollziehen.
55:57 Jan Henrik Pusch: Also was man glaube ich tatsächlich sagen muss, ist, dass wir ja, wir versuchen uns an den monatlichen Rhythmus zu halten. Wir haben ja keine Ecken und Kanten,





[…] großer Dank geht an Maike Nissen/Vegasfilms, die uns dankenswerterweise ein Quiz zusammen gestellt, das natürlich in “Teams” gespielt […]