Der Podcast über Filmschnitt
Episodencover Folge 14: Kurzfilme – Ein kleiner Schnitt – Credit to the Edit Podcast

Kurzfilme – Ein kleiner Schnitt

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Ein kleiner Schnitt

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Kurzfilme sind: kurz! Die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ definiert den Kurzfilm als einen „Film, der eine Laufzeit von 40 Minuten oder weniger aufweist, inklusive Abspann“. Kurzfilme sind: unterschiedlich! Sie verhandeln verschiedenste Themen, bewegen sich frei durch alle Genres. Und oft sind sie Experimentierfeld für Filmemacher. Kurzfilme sind: kaum zu sehen! Sie werden nur noch im Ausnahmefall im Kino gezeigt. Wenn, dann nur auf Festivals. Und deswegen sind wir umso dankbarer für die Möglichkeit, dass wir mit drei der Editor:innen des Kurzfilmprogramms des Edimotion-Festivals darüber diskutieren durften, was Montage für Kurzfilme bedeutet.

(Herzlichen Dank an dieser Stelle für die Vermittlung der Editor:innen durch Edimotion, dem Festival für Filmschnitt und Montagekunst.)

Unsere Gäste

Vreni Sarnes studiert seit 2017 Montage/Schnitt an der Filmakademie Ludwigsburg. Passend zum Thema sprechen wir mit Vreni über ihre Montagearbeit am Kurzfilm „Ein kleiner Schnitt“. Dieser thematisiert aber nicht Montagetechniken, sondern mit viel Augenzwinkern eine Vorhautverengung des Herzogs und damit dessen Nichtvermögen, die ehelichen Pflichten mit der Herzogin einzugehen. Deshalb verlangt sie vom jüdischen Finanzdirektor, mit dem Herzog über einen kleinen “Schnitt” zu sprechen.

Vreni Sarnes
Vreni Sarnes

Ich bin schon Fan von Kurzfilmen, die unter 15 Minuten lang sind.

Vreni Sarnes

Phllipp Mayer ist diplomierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und studiert an der Filmakademie Wien Filmmontage mit Fokus auf Buch und Dramaturgie. Er stellt seinen Kurzfilm “Fische” vor, in dem zwei Geschwister in einem Chinarestaurant den Tod ihrer Mutter verarbeiten. Der Film thematisiert allerdings daneben zahlreiche andere Gesprächsminiaturen, die an Nachbartischen stattfinden, was wiederum für die Montage bedeutet, diese Unterhaltung mit der vermeintlichen Haupthandlung, der zwischen der Geschwister, entsprechend abzustimmen.

Philipp Mayer
Philipp Mayer

Die Montagearbeit sehe ich in erster Linie als dramaturgische Arbeit.

Philipp Mayer

Fabio Thieme hat nicht nur zusammen mit Famil Aghayev seinen Kurzfilm geschnitten, sondern ist noch dazu der Regisseur seiner Kurzfilme. Suite ist eine Mockumentary über einen Angestellten einer Steuerkanzlei, dessen Arbeit darin besteht, für Geschäftsleute eine leere Wohnung so zu “bespielen”, dass der Eindruck entsteht, dass tatsächlich jemand in dieser Wohnung lebt. Mit Fabian sprechen wir darüber, was es für einen Schnittprozess (und ein Publikum) bedeutet, sich zwischen Fiktion und Dokumentation aufzuhalten.

Fabio Thieme
Fabio Thieme

Im Kurzfilm kann man sehr stringent einen Rhythmus durchhalten, weil es über zehn Minuten einfacher geht als über eine Stunde.

Fabio Thieme

Timeline-Shortcuts

00:16Anmoderation 00:55Gesprächsstart 11:22Suite 18:50Ein kleiner Schnitt 25:08Fische 32:19Kategorien 42:00Abmoderation
Fische in der Timeline! Viele Protagonisten können auch viele Tonspuren bedeuten!
Fische in der Timeline! Viele Protagonisten können auch viele Tonspuren bedeuten!

Links:

Kurzfilm-Montage-Tipps:

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00:04 Gast: Heutiges Thema die Filmmontage in Theorie und Praxis.

00:16 Moderation: Ja, hallo und herzlich Willkommen zu Credit to the Edit, dem Podcast über Filmschnitt. Hier sprechen wir mit Filmeditoren aus allen Genres. Und das Beste daran ist, wir sind selbst Filmeditoren. Ich bin Rainer Nigrelli und ich bin Jan Henrik Pusch.

00:30 Gast: Hallo auch von meiner Seite. Und da unser Thema heute der Kurzfilm ist, wollen wir uns doch ein wenig kürzer halten. Und ich sag einfach nur, der Kurzfilm wird über die Länge definiert und der Langfilm wird über seinen Genre definiert.

00:46 Moderation: Danke, Edimotion, für die Vermittlung der drei Editorinnen, Vreni, Fabio und Philipp, mit denen wir gleich sprechen.

00:51 Gast: Vielen Dank an Adobe für die Unterstützung dieser Folge.

00:54 Moderation: Los geht's.

01:00 Gast: Mit seinem Erstlingswerk Charlotte und Veronique hüpfte Gouda aus den Tabulatoren seiner filmkritischen Schriften und popte fidel erstmals gegen die Linse. Der notorische Schürzenjäger Patrick hetzt wie ein Suchtkranker von Dame zu Dame, von Tisch zu Tisch und bricht Herzen wie trockene Baguette. Der Schnitt folgt seinen Bröseln dabei wackelig, aber ohne Bummelei, wobei Gouda das Tempo der Bildfolge und den Film schneller laufen lässt, denn das Kurzhosenformat hat keine Zeit zum Trödeln. So wie Patrick Unruhe in unsere hausbackenden Heldinnen pflanzt, so nervös bleibt die Grundstimmung und der Schnitt zieht Patrick weiter wie an einer Schnur in das nächste Taxi an die nächste Wegwerfdame. Ein Blick zurück hinter der Sonnenbrille, dann außer Atem weiter, Abspann, Kurzfilm und raffiniert.

01:50 Gast: Ja, super. Wir sind beim Kurzfilm und dann ist das so eine lange Vorgeplänkel dann hier. Naja, also jetzt müssen wir erst mal sortieren, wer uns alles zugeschaltet ist. Das ist zum einen die Vreni, der Fabio und der Philipp. Und ich glaube, um das Ganze so ein bisschen mal für alle greifbar zu machen, damit wir uns hier ein bisschen orientieren können in dem Podcast, würde ich euch mal bitten, einfach den Titel des Filmes, das Genre und die Länge, die wir gemeinsam bei dem Edimotion Festival gesehen haben, nennt. Vielleicht fängst du, Vreni, mal an, weil ich finde, dein Titel passt hervorragend zu unserem heutigen Podcast.

02:37 Gast: Ja, der Titel ist ein kleiner Schnitt und der Film geht acht Minuten dreißig und ist eine Komödie, ein Period Piece.

02:48 Gast: Ja, der Film heißt Suit oder Sweet. Ich sage den Namen immer ungern, weil ich selbst nicht weiß, wie man es ausspricht. Es ist eine Mockumentary und sie dauert zwölf Minuten.

02:56 Gast: Und bei dir muss man dazu sagen, ihr habt den zu zweit geschnitten.

03:00 Gast: Genau, ich habe den zusammen mit Familie geschnitten, der ist leider gerade nicht da, dafür war der in Köln dabei. Genau, super.

03:07 Gast: Der Film heißt Fische und dauert 17 Minuten und Genre, boah, also ohne Genre. Nein, ich habe wirklich keine Ahnung. Es ist nicht definierbar, würde ich jetzt mal sagen.

03:23 Moderation: Nicht definierbar ist ein sehr gutes Stichwort. Der Kurzfilm definiert sich vor allen Dingen darüber, dass er kurz ist und nicht irgendwie darüber, dass es eine Komödie ist, eine Mockumentary oder was auch immer. Das ist quasi der große Nenner. Wir haben es jetzt gerade gehört, sehr unterschiedliche Längen. Jetzt habt ihr die Kurzfilme alle geschnitten. Könnt ihr vielleicht uns ganz kurz mal sagen, was ihr denkt, was so das Geile am Kurzfilmschnitt ist überhaupt?

03:50 Gast: Ja, als erstes fällt mir natürlich ein, dass es erstmal weniger Arbeit ist und man nicht so viel Material vor sich hat. Dass man nicht so eine teure Festplatte kaufen muss, sondern dass das alles auf eine kleinere passt.

04:00 Moderation: Riesenvorteil.

04:01 Gast: Aber ja, genau, damit verbunden natürlich, dass es einem auch mehr Freiraum lässt, weil man sich mehr Zeit nehmen kann, einerseits an kleinen Schnitten zu arbeiten, aber andererseits auch so ein Konzept rein zu zwingen, was halt in einem Langfilm nur in kleinen Szenen funktionieren würde. Kann man in einem Kurzfilm sehr stringent so einen Rhythmus durchhalten, weil das halt über zehn Minuten einfacher geht als über eine Stunde. Da kann man jeden Schlagzeuger fragen.

04:28 Gast: Ehrlich gesagt, muss ich jetzt mal da einhaken, weil die Kurzfilme, die ich bisher geschnitten habe, von der Schnittzeit her weiß ich nicht, ob die weniger Arbeit waren als einen Langfilm. Also man sitzt da dann doch gerne lange dran, oder? Ist das nur meine Erfahrung?

04:42 Moderation: Was heißt, du hast drei Monate an deinen Kurzfilm jeweils geschnitten?

04:48 Gast: Nein, man muss es natürlich sagen, im Verhältnis ist es halt ein anderes. An einer Minute Kurzfilm brauchst du wahrscheinlich länger, als an einer Minute Langfilm.

04:58 Moderation: Deckt sich diese Erfahrung auch bei euch?

05:00 Gast: Ich würde jetzt wahrscheinlich schon. Also wenn du es so sagst, ich glaube auch, dass ich an einer Minute Kurzfilm schon sehr lange arbeite. Aber ich kann es nicht vergleichen, weil ich habe keinen Langfilm geschnitten.

05:10 Moderation: Hat da jemand von euch schon mal was Längeres geschnitten eigentlich?

05:14 Gast: Ja, ich habe schon ein paar längere Sachen geschnitten. Ich glaube, das kann man pauschal, also ich könnte das pauschal jetzt nicht sagen. Ich glaube, grundsätzlich ist es oft so, also zum Beispiel bei dem Kurzfilm, bei Fischer, ist es so, dass der durchaus relativ komplex ist. Und dadurch haben wir, glaube ich, ca. zwei Monate daran geschnitten. Rechnet man das hoch auf einen Langfilm, dann wird natürlich die Produktion die Krise bekommen. Aber ich habe auch schon einen 30-Minute geschnitten in zwei Wochen. Also geht auch.

05:48 Moderation: Ja, mein Eindruck ist ja, dass bei Kurzfilmen, weil wir da so ein freies Feld haben, weil die Definition ja auch so frei ist, dass auch sehr viel Zeit darauf verwendet werden muss, die Form zu finden und die Erzählung zu finden. Viel mehr als bei einem formatierteren, sage ich jetzt mal, Fernsehspielfilm. Vielleicht kannst du dazu was sagen, Fabio, ihr habt ja eine Mockumentary gemacht. Und da denke ich, da ist vor allen Dingen sehr viel Aufwand von vornherein einfach gegeben, oder?

06:21 Gast: Ja, auf jeden Fall. Der größte Konflikt in dem Film, in jedem Department, war immer diese Grenze zu finden zwischen Dokumentarfilm und fiktiven Film, weil es ist gedreht, dass es so aussieht wie ein Dokumentarfilm, aber es ist eine fiktive Geschichte. Und die beiden Ebenen verschränken sich die ganze Zeit in dem Film. Und man stellt sich halt auf die Frage, wie man jetzt eine Szene ausleuchtet, damit es halt schön aussieht, aber gleichzeitig auch noch so aussieht, als hätte da halt jetzt nicht eine Crew von zwölf Leuten irgendwie Leitern aufgestellt und Lampen angebracht. Also ja, das war dann auch im Schnitt sehr schwer, weil wir dann doch ziemlich viel improvisiert haben.

06:59 Und ja, wenn man viel improvisiert, dann ist es natürlich umso schwerer, das danach zusammenzupuzzeln. Also ja, in dem Fall stimmt es auf jeden Fall, dass erst durch das Mehrmalige Gucken des Materials und das Herumschieben dann erst dieser Film entstanden. Das war im Skript, da hat er eine ganz andere Struktur gehört.

07:18 Moderation: Ja klar, und dann findet man das erst. Und bei dir, Vreni?

07:21 Gast: Also wir hatten tatsächlich für den, also wir haben relativ kurz für den Film gebraucht, weil wir hatten auch eine begrenzte Zeit. Aber da ging es, glaube ich, weniger darum, so die Struktur zu finden, die war schon sehr fest. Ich glaube, da war es dann quasi wirklich so die Feinheit in der Tonalität und im Spiel zu finden und so die Tonalität von der Komödie und dem Drama und so das dazwischen.

07:44 Gast: Und wenn wir schon mal bei der Zeit sind, würdet ihr sagen, es gibt eine perfekte Länge, die einen Kurzfilm haben sollte?

07:50 Gast: Ja, im Endeffekt guckt man dann immer, was Festivals akzeptieren und das ist halt meistens so unter 20 oder 25 und auch oft über drei oder fünf. Also versucht man dann immer so an die zehn hinzukommen, das ist zumindest meine Erfahrung.

08:03 Gast: Ich glaube, ich bin schon so, ich glaube, ich bin schon Fan von unter 50en, ehrlich gesagt. Also ich merke es manchmal bei mir, wenn ich auf einem Festival bin und ich sehe den Kurzfilm-Blog und dann ist dann ein Film, der ist dann, weißt du, da sind dann irgendwie Filme, die sind sechs Minuten, zehn, zwölf. Und dann ist einer dabei, der ist 18. Da bin ich dann manchmal überlegen, ob ich den überspringe.

08:22 Moderation: Philipps Film war 17 Minuten lang, wollte ich an dieser Stelle.

08:25 Gast: Vielleicht hätte ich den übersprungen, weiß ich nicht. Dann hätte ich auch was verpasst, aber ich glaube, also gerade so einen Kurzfilm-Blöcken, finde ich, ist es dann irgendwann schwierig, sich jedes Mal auf eine Geschichte wieder neu einzulassen, weil dann sind da fünf Filme drin. Und bei so einem 17-minütigen Film ist es dann irgendwie, da ist man dann auch relativ lange in der Welt und danach noch mal zwei Achtminütiger. Ich weiß nicht, ich bin dann glaube ich, ich erwische mich manchmal dabei, sagen wir es so.

08:50 Moderation: Du sprichst da auch gerade was an, nämlich die Rezeption. Uns ist nämlich aufgefallen, also wo werden Kurzfilme rezipiert? Wie werden die rezipiert? Meistens ja, würden wir sagen, in einem Umfeld von anderen Kurzfilmen. Also ist es quasi seltener so, dass man die sich wirklich einzeln anschaut. Wahrscheinlich kommt das daher, dass du sagst, bitte nicht länger.

09:13 Gast: Ich mag es schon auch an Kurzfilmen, oder ich glaube generell am Film eigentlich immer, so kurz wie nötig. Weil ich glaube, wenn man viele Kurzfilme geguckt hat, dann habe ich glaube ich eher, oder ich habe bei mir es so eingesprächert, dass ich eher das Problem habe, dass ich danach sage, ich fand der war zu lang und selten das Ding von, ich fand der ein bisschen zu kurz.

09:30 Gast: Ja, das ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich auch schon öfter hatte, dass man so seinen eigenen Film eben schneidet und guckt und dann sieht man ihn zum ersten Mal in so einem Kurzfilmprogramm und dann auf einmal kommt er einem so lange vor oder viel zu kurz. Also ja, das ist so interessant am Kurzfilm, dass immer so eine Verbindung zu den anderen Filmen hergestellt wird und der dann ganz anders aussieht auf einmal.

09:51 Gast: Der Zuschauer wird ja auch mit einer anderen Emotion da reingelassen. Also habe ich gerade eine Komödie gesehen und als nächstes kommt ein ganz trauriges Stück, da muss ich mich ja als Zuschauer auch erst mal drauf einlassen. Wie steht ihr dazu? Ist das eigentlich etwas, dieses Bloggucken, was ihr gut findet oder wo ihr auch Bammel vor habt, wenn ihr nicht wisst, was kommt denn vor meinem Film oder nach meinem Film?

10:12 Gast: Ich finde das auf jeden Fall gut, weil es gibt dem ganzen Kinoerlebnis noch so eine theatrale Komponente dazu. Also wenn man ja auch den Film dann mit meistens anderen Zuschauern erlebt und eben nicht alleine auf dem Laptop. Und dadurch, dass dann eben nicht nur die Filme davor und danach den Film ganz anders wirken lassen, erlebt man dann auch die Reaktion der anderen Zuschauer sofort. Und dadurch kommt so ein bisschen so eine Wärme rein. Also dass jede Aufführung eine andere ist. Mir macht das viel Spaß.

10:38 Moderation: Und ich glaube auch an dem Abend hat das ganz gut funktioniert. Also es war ja vor allen Dingen euer Film, Fabio, der auch übrigens gewonnen hat. Herzlichen Glückwunsch nachträglich nochmal. Der kam, der war auch, ich würde auch sagen, ganz gut platziert. Dafür, weil er, ich weiß nicht, wie es euch ging, aber der war sehr lustig und das Publikum ist sehr gut mitgegangen. Wenn man sich den ganz Nüchtern alleine anschaut, was ich auch getan habe, da bin ich nicht so mitgegangen. Also das hat schon sehr geholfen, dass da einfach viele Leute da waren, die sich gefragt haben, was soll das denn eigentlich da, was wir da sehen.

11:14 Vielleicht ist das der Moment, Jan, wo wir vielleicht mal auf die einzelnen Filme springen. Was denkst du? Vielleicht können wir ein bisschen über Fabios Film ein bisschen sprechen. Sehr gerne. Fabio, möchtest du mal ganz kurz sagen, worum es in Suite oder Suit oder wie du ihn aussprechen magst geht?

11:32 Gast: Ja, in dem Film ist es immer schwierig, in einem Satz zu sagen, aber man beobachtet da einen Angestellten in einer Wohnung, wo er so ein Leben oder eine Existenz von anderen Leuten vortäuscht, die da in dieser Wohnung sollen, es aber nicht tun. Also das Ganze hat steuerrechtliche Gründe und ist eigentlich auch ein Betrug. Aber praktisch sieht man, wie dieser Angestellter dann da eben Lärm macht und Strom und sinnlos Telefongespräche führt, dass dann das von außen so wirkt, als würde da jemand wohnen. Also er schafft so diese Artefakte eines menschlichen Lebens auf künstliche Art und auch irgendwie auf poetische Art und irgendwie auf tragische Art.

12:07 Moderation: Ich fand ja das Interessante, der Film beginnt ja damit, dass man sieht, dass da so Geräte an sind und da bewegt sich eine Spieleisenbahn, der Herd ist an, ein Tier bewegt sich und man kann das noch gar nicht so einordnen und denkt, okay, das ist so ein eher künstlerische, angehauchter Kurzfilm, wo vielleicht die Wohnung lebt aus irgendeinem Grund, bis man dann versteht, nee, nee, das ist diese Person, die eben aus Gründen diese Wohnung belebt hält. Wart ihr euch dessen bewusst, dass man da so verschiedene Stufen durchwandelt? Also am Anfang weiß man eben noch nicht, was es ist, dann denkt man, es ist eine Doku, dann irgendwann wird es lustig, könnte aber noch immer ernst gemeint sein, ein echter Mensch sein und irgendwann wird es absurd.

12:50 Also wie habt ihr das so in der Montage verbildlicht, wann was passieren muss?

12:54 Gast: Also die Idee kommt daher, dass es diese Wohnungen sehr wahrscheinlich gibt, die sich einfach nur nicht gerne filmen lassen und dann habe ich eben über diese Wohnung nachgedacht und dachte mir, das müsste eigentlich der Aufhänger sein. Das war auch die Struktur, die von Anfang an beabsichtigt war, dass man zuerst diese Wohnung wahrnimmt als wie so ein Organismus oder wie so ein Orchester, was von diesen Dirigenten da bedient wird. Und dann haben wir versucht, so einen Rhythmus reinzubringen in diese Geräusche und in diese Kreisbewegungen und so weiter, dass man diese Präsenz dieser Wohnung fühlt eben am Anfang und dann wieder am Ende. Wenn dann der Angestellte da wieder weg ist, dann geht es ja irgendwie wieder lustig weiter in der Wohnung.

13:36 Also das so ein bisschen aufzubauen war auch die Idee dieses Titels, der ja auch als Suite, also als so ein Musikstück funktionieren kann.

13:45 Gast: Ich glaube, wir müssen an der Stelle kurz einwerfen, dass Fabio auch der Regisseur des Films war.

13:50 Moderation: Ah ja, stimmt. Genau, meine Frage wäre noch, wart ihr euch dessen bewusst, wann ihr diese Genrewechsel, sage ich jetzt mal, vollzieht, auch im Schnitt? Ich weiß nicht, wie es euch ging, ihr habt das ja auch alle gesehen. Wusstet ihr von Anfang an, dass das so eine Mockumentary ist?

14:05 Gast: Ne, ich nicht. Also ich habe glaube ich erst mal so ganz nahe zugeguckt. Ich glaube, es gibt ja diesen Moment, wo er dann in die Kamera fragt, ob das gut war. Spätestens da, dass man das auf jeden Fall mitkriegt.

14:19 Gast: Am Anfang dachte ich schon noch naiverweise, dass es ein Dokumentarfilm ist. Aber es war dann relativ schnell so, dass es, also ich hätte es nicht als Mockumentary zuordnen können. Aber es war so, dass irgendwie eine Unsicherheit da war, also dass die Form des Dokumentarischen irgendwie nicht drauf gepasst hat. Ja, da hat es irgendwie etwas ganz Schräges bekommen.

14:50 Gast: Und da wäre von mir die Frage, das was Vreni eben angesprochen hat, warum lasst ihr den Charakter überhaupt einmal rausfallen? Wenn man es nicht gemacht hätte, glaube ich, wäre dieser Schwebezustand, ist es jetzt real oder nicht, länger geblieben. Hatte das einen Grund, warum ihr es dem Zuschauer so sagen wolltet?

15:07 Gast: Ja, das ist jetzt sehr lustig, weil diese Szene war geskriptet. Also das war kein Moment der Authentizität, wie es oft wahrgenommen wird, sondern das war genauso ein Buch, dass er dann so zur Kamera guckt und das fragt. Und es war tatsächlich so gedacht, dass dieser Moment so eine Schicht doofes Wort über Authentizität hinzufügt. Und das Feedback war auch, als über Dokumentarfilme diskutiert wurde oder bei einem anderen Festival, wo der Film lief, dass dann da Leute meinten, wegen dem Film haben sie dann sehr echt gefühlt, was da passiert ist und ihn eben als wahr hergenommen. Das sind alles dobe Wörter, aber ihr wisst, was ich meine.

15:45 Und dann musste ich sagen, dass eben genau diese Szene das allerfalscheste war an dem Film, weil es so doppelt gefakte Authentizität ist. Also ist aber lustig, dass ihr es dann gerade wieder so seht, dass diese Szene zeigt, dass es von uns eine Mockumentary war. Also ja, diese ganzen Twists waren eigentlich alle genau so geplant. Und weil du gerade mit so einem schönen österreichischen Akzent gesprochen hast, musste ich an Ulrich Seidel denken, der auch immer, den ich sehr liebe und der auch seine Dokumentarfilme oft so dreht, dass man eben sich so denkt, aber ja, kann man das jetzt noch Dokumentarfilmen nennen, dieser Kellerfilm zum Beispiel. Gab es ja dann auch Vorwürfe, dass das alles fake wäre, was aber dann wieder dadurch in Widerspruch gerät, dass ja dann irgendein Politiker seinen Job verloren hat wegen diesem Film, weil er eben wirklich da dieses Nazi-Kostüm angezogen hat mit seinen Kumpels.

16:38 Also ja, es gibt da sehr viele Verwirrspiele, wenn man sich auf diese Ebene begeht.

16:43 Gast: Und Fabio, ich habe eben eingeworfen, dass du ja auch Regisseur bist bei diesem Film vor allem, aber ich glaube, du schneidest auch häufiger an deinen Kurzfilm dann mit, richtig?

16:55 Gast: Genau. Ich mache das meistens mit Familie zusammen.

16:58 Gast: Das ist ja auch etwas, was es meinem Gefühl nach häufiger bei Kurzfilm gibt als bei Langspielfilm oder Langfilm. Aber lass uns mal irgendwie teilhaben, wie das kommt.

17:09 Gast: Dass ich den Film selbst schneide?

17:11 Gast: Du könntest ja auch sagen, ich überlasse es wirklich jemandem und ziehe mich da erstmal nochmal deutlich weiter raus.

17:17 Gast: Also das hat einen praktischen Grund, dass man ja Leute dafür oft bezahlen sollte, wenn sie eine sehr gute Arbeit machen. Low-Budget-Filme drehen und ja, also Fabian macht, ich meine, er macht das gerne und ich auch, aber ich übernehme dann eben auch gerne die Arbeit. Also auch bei früheren Projekten habe ich dann oft einfach die ganze doofe Arbeit abgenommen, was heißt, irgendwas benennen oder so, einfach um selbst die Drecksarbeit zu machen. Also Datenmanagement und so weiter. Aber nee, das ist gar nicht so wichtig. Ich glaube, viel wichtiger ist, dass gerade bei einem Kurzfilm, wenn man auch das Skript geschrieben hat und Regie geführt hat, dass man doch eine ganz klare Vision hat und dann das auch nicht alles aus den Händen geben will und ja, einfach ein bisschen diese Vision durchdrücken will.

18:07 Natürlich ist es schön, wenn man ein anderes Paar Augen hat und dann verändert sich der Film meistens zum besseren. Aber im Endeffekt bin ich dann doch irgendwie Perfektionist.

18:16 Moderation: Ja, und du hast das andere Paar Augen, ne? Also ihr seid ja zusammen und dadurch passiert das ja. Das ist ja, was unser Argument oft ist.

18:24 Gast: Würdest du es in einem anderen Team auch machen?

18:27 Gast: Ja, also ich habe auf jeden Fall so einen Zirkel aus Leuten, den ich sehr vertraue und den ich immer die Filme zeige in verschiedenen Stadien und dann ändert sich immer ganz viel. Weil ja, es wäre natürlich immer so dieses Problem, was nimmt man jetzt an und was nicht so von der Kritik. Aber ja, darum schätze ich so Freunde sehr, die mir da immer helfen. Also ja, es ist nicht nur Famis Blick darauf.

18:50 Moderation: Ja, ich würde sagen, wir könnten doch mal zu Vrenis Film springen. Ein kleiner Schnitt. Da würde mich interessieren, Vreni, hast du da auch Regie geführt?

18:59 Gast: Nein.

19:00 Moderation: Wie war denn bei euch die Konstellation?

19:03 Gast: Die Regisseurin ist Marlene, da kommt die Tone von mir, der ich hier angefangen habe. Und genau, mit ihr und dem Kameramann und dem Tonmann habe ich auch schon ein paar Sachen gemacht, gehabt vorher.

19:13 Moderation: Das heißt, die Konstellation höre ich raus. Studium, du studierst Filmmontage an der Filmakademie Ludwigsburg und machst das auch schon länger. War das denn ein besonderes Projekt? Im Abspann haben wir gesehen, dass da auch eine Finanzierung drin war. Und gerade haben wir bei Fabio und Familie rausgehört, dass das eher ein Low-Budget-Projekt war. Wie war das bei euch? Also habt ihr daran verdient oder war das ein reines Studienprojekt?

19:41 Gast: Das ist so eine Masterclass für Producer und Producerinnen, in dem das entstanden ist. Das nennt sich Atelier Ludwigsburg Paris. Und da gehen die Hälfte an die Lafamise nach Paris und die Hälfte kommt hierher nach Ludwigsburg. Und die suchen sich dann hier Teams zusammen, also Drehbuch, Regie etc. Und dann werden diese Filme meistens von dritt- oder viertjahres Studierenden realisiert. Und dieses Programm wird von Arte und SWR mitfinanziert. Und das Ziel ist eben, dann am Ende einen Kurzfilm zu haben, der quasi international produziert worden ist.

20:14 Moderation: Ja, und das sieht man dem Film auch an. Der ist ganz schön produziert und mit dem kann man auch gut pausieren gehen, in Anführungszeichen. Willst du vielleicht mal ganz kurz sagen, worum es geht? Das ist auf jeden Fall ein Historien-Kurzfilm. Ist auch nicht so oft, dass man so was sieht.

20:28 Gast: Ja, also es geht um Eheprobleme, würde ich jetzt mal sagen, von einer Herzogin und ihrem Mann, weil sie, sie haben Probleme im Bett, weil sie keinen Nachkommen zeugen können und sie sucht sich Hilfe bei dem jüdischen Finanzdirektor, weil sie davon ausgeht, dass er sich da ja bestimmt besser auskennt und dann werden da ein paar Erpressereien und ein paar Spielchen gespielt und alles ist sehr dramatisch für alle Beteiligten, bis sie rausfinden, dass alles nicht so schlimm ist.

20:59 Moderation: Ja und das Interessante fand ich bei dem Film, der ist ja kurz, ist ja unter 15 Minuten. Wenn man das Böse sagt, eine sehr, sehr lange Dialogsszene, die aber sehr ausgeklügelt ist und wo jeder Blick quasi sitzt und jeder Moment ausgearbeitet ist, war das auch die Herausforderung?

21:20 Gast: Also tatsächlich das Schwierigste war, dem Film den genau acht Minuten lang zu machen, weil wir waren immer so, wir haben immer rumgetingelt bei neun Minuten und keine Ahnung, neun Minuten dreißig, aber der musste acht Minuten lang sein, wegen eben dieser Arte SWR-Finanzierung, weil das dann ausgestrahlt worden ist.

21:40 Moderation: Ja, das wollten wir jetzt nicht hören, aber es ist eine super Herausforderung.

21:47 Gast: Ich wollte nämlich genau das hören tatsächlich, weil man hat schon den Eindruck, dass am Anfang gibt es sehr viele Details, die doch sehr, sehr schnell einmal abgearbeitet sind. Die hätte ich jetzt gerne mal zumindest eine Sekunde länger gesehen oder so. Aber da habe ich auch das Gefühl, dass es einfach bei einem 8-Minuten-Film gibt es ja auch einfach nicht so viel Schwungmasse, die man dann so reduzieren kann.

22:16 Moderation: Das ist krass.

22:16 Gast: Also das Ding ist, wir hatten irgendwie dann 8 Minuten 15 und wir waren so, okay, wir kommen dahin. Und dann aber bei 8 Minuten nochmal 15 Sekunden rauszunehmen war so, es hat sich für mich unmöglich angefühlt. Und ich würde auch bis jetzt immer noch sagen, ich hätte diesen Film auch die 15 Sekunden noch gegönnt. Aber ich habe es jetzt auch auf dem Festival irgendwie zum ersten Mal mit Publikum gesehen gehabt und ich habe das so, glaube ich, jetzt ein Jahr lang mit mir rumgeschleppt, dass ich immer dachte, ich hätte dem gerne nochmal ein paar Sekunden gegeben. Aber als ich ihn auf dem Festival gesehen habe, war ich eigentlich ganz happy.

22:48 Moderation: Es gibt eine schöne Doku über Filmmontage, eine amerikanische, wo James Cameron erzählt, wie er versucht hat Terminator zu kürzen, den zweiten. Willst du das sagen oder soll ich das?

22:59 Gast: Das war das, wo sie aus jeder Sekunde einen Frame rausgenommen haben.

23:05 Moderation: Genau, das war James Camerons Idee zu sagen, hey lass uns mal probieren den irgendwie, also desperately zu kürzen, aus jedem 24 Frames eins rauszunehmen. Was soll das denn für eine Idee sein? Und er sagt ja, er beschreibt, er hätte selbst dann, die hätten das selbst wirklich dann gemacht und durchgeführt. Und dann gibt es auch so ein komisches Beispiel, was dann gezeigt wird. Und das macht natürlich keinen Sinn, wenn man so ein Motorrad fahren sieht und das springt dann jede 23 Frames um ein Frame. Der Film ist zwar kürzer, aber er ruckelt halt. Ja, warum nicht? Habt ihr eigentlich dran gedacht, den Abspann zu kürzen? Oder das ging dann wahrscheinlich nicht?

23:45 Gast: Ich glaube, der Abspann, den wir beim Festival haben, also wir haben zwei verschiedene Absperrungen. Wir haben quasi einen kurzen für die Fernseherstrahlung und einen längeren.

23:52 Moderation: Vielleicht jetzt mal unabhängig von der Länge, sonst war der Film easy, so klingt das jetzt gerade.

23:58 Gast: Okay, also ich glaube, das mit dem Ensemble-Film und irgendwie drei Figuren, die alle eine Wichtigkeit haben und jeder irgendwie auch mal weg ist in der Szene, das war mit Sicherheit auch schwierig da irgendwie quasi trotzdem nur Fokus. Also ich glaube nicht, dass wir jetzt explizit einen Protagonisten oder eine Protagonistin gefunden haben. Für mich war es da aber ich trotzdem immer irgendwie der Finanzdirektor. Und aber damit haben wir auf jeden Fall viel rumgespielt, also wir brauchen ja auch gerade so simple Sachen, wie dass man am Anfang einfach mal alle irgendwie gesehen haben muss und so verstanden haben muss, wie die funktionieren. Und dadurch, dass es dann eben kurz ist und man drei Figuren hat, muss man ja trotzdem ein Gefühl für diese, für die Figuren entwickeln und irgendwie ein einheitliches Spiel von denen bekommen, damit man da nicht irgendwie das Gefühl hat, man kennt die Figur nicht.

24:45 Das war mit Sicherheit auch auch eine Schwierigkeit.

24:47 Moderation: Das klingt jetzt schon sehr kompliziert. Ich stelle mir das dann immer vor bei so Filmen, wo so ein Ensemble Film, sowas wie Gosford Park oder so, wo einfach ganz, ganz viele Hauptfiguren mitmachen. Wie man das überhaupt hinbekommen kann, da muss einfach wahrscheinlich sehr, sehr viel dramaturgisch nachgedacht werden und vorbereitet und ganz klar entschieden werden, was du ja hier dann auch gemacht hast.

25:08 Gast: Und da kann uns der Philipp bestimmt auch einiges zu sagen, weil bei deinem Film ist es ja auch so, dass ihr extrem viele Personen erzählt, auch wenn sie nicht immer alle im Bild sind. Also das ist ja etwas, wo man sagen muss. Da habt ihr auch einen ganz besonderen Stil gefunden. Aber Philipp, am besten erzählst du mal in ein paar Worten was zu deinem Film.

25:31 Gast: Ja, also ein China-Restaurant zu Weihnachten. Zwei Geschwister treffen sich nach längerer Zeit wieder. Es stellt sich heraus, dass die Mutter verstorben ist und der Bruder sehr beleidigt ist auf die Schwester, weil er beim Begräbnis nicht dabei war. Sie beginnen dann zu streiten. Das ist mal der Kern der Geschichte.

25:57 Gast: Aber wirklich nur der Kern.

25:59 Gast: Ja, und gleichzeitig sind eigentlich sehr viele andere Gäste vom China-Restaurant an, die alle auch ihre Probleme haben. Also die Kellnerin, die sehr österreichisch ist, die hat irgendwie einen schlechten Tag und ein Date läuft gerade sehr schlecht bei einem Nachbartisch. Ein Vater lernt mit seiner Tochter bei einem Tisch, die dann fast erstickt und zwei Schnösel sind irgendwie sehr prätentiös und reden die Kellnerinnen dauernd blöd an. Und es gibt ein Aquarium mit sehr vielen Fischen.

26:38 Moderation: Philipp, ich würde total gerne wissen, wie ihr den Film verkauft habt, also was das Pitchpapier war. Das klingt sehr breit. War das quasi schon immer so angelegt, dass das so ein breiter Film wird?

26:50 Gast: Also es gab eine erste Fassung des Drehbuchs, das ich mit Raffaele, der Regisseurin, besprochen habe. Das war noch wesentlich braver. Also da war wirklich ganz, ganz zentral die Geschichte der beiden Geschwister. Und es hat zwar das ganze Leben im Restaurant gegeben, aber es war wesentlich kleiner. Und dann eben hat sie das dann vor Dreh noch sehr stark ausgebaut. Und was ich ja dann wirklich interessant finde an dem Konzept, man hat diese Geschichte im Kern, aber dadurch, dass man so viele andere Probleme hat von allen möglichen anderen Menschen, erzählt man eigentlich durch den Stil des Films, dass die Leute kommen da mit ihren Problemen rein. Aber es ist ja alles nur relativ.

27:38 So man macht da so ein Riesending draus, das Streit zwischen den beiden und das ist fast ein bisschen peinlich. Aber man hat so das Gefühl, man hätte jetzt auch über jeden anderen einen Film machen können und die beiden sind nur die Nebengeschichte. Und das relativiert das dann ein bisschen. Und das habe ich dann eigentlich viel spannender gefunden. Und wir haben das dann auch tatsächlich im Schnitt noch mehr ausgebaut, diese Ebene.

28:00 Gast: In welchem Rahmen ist denn der Film überhaupt entstanden? Also wenn du das, ihr habt schon früh zusammengearbeitet.

28:07 Gast: Also es ist, also wir studieren beide an der Filmakademie Wien und die Raffaella ist einen Jahrgang unter mir und genau, es ist ein Filmakademie-Film. Es war einer der wenigen Filmakademie-Filme, da hat es irgendwie so eine kurze Phase gegeben. Also die Filmakademie hat vor einigen Jahren ist völlig auf digital umgestiegen und dann hat es wieder so eine kurze Phase der Filmrennaissance gegeben und da waren dann drei Filme, die auf 16mm gedreht worden sind, wo ich das Glück hatte, dass ich zwei davon geschnitten habe. Und da war eben der von der Raffaella einer davon und das ist sozusagen eben zu einem großen Teil von der Filmakademie finanziert, aber auch eben Förderungen, österreichische Filmförderung etc.

28:49 Gast: Und sag mal, ich habe bei dir gelesen, irgendwie du hast Montage mit einem zusätzlichen Schwerpunkt auf Buch und Dramaturgie studiert.

28:57 Moderation: Wie? Ah Jan, das ist doch ganz logisch verbunden, das ist doch ganz super. Nicht die Verantwortung haben, aber immer dabei.

29:05 Gast: Genau, weil der Filmakademie, es gibt halt sozusagen, man studiert das Hauptfach und da macht man ein Modul dazu und das Modul bei mir war eben Drehbuch und Dramaturgie. Aber auch aus dem Grund, weil ich eigentlich finde, dass das am nächsten dran ist zur Montage. Also es gibt ja den alten Schmäh, man schreibt das Drehbuch fertig beim Schneiden, aber ich glaube eigentlich sehe ich die Montage aber tatsächlich in erster Linie als dramaturgische Arbeit.

29:36 Moderation: Dann kannst du uns ja vielleicht sagen, inwiefern das bei dem Film besonders schwierig war, weil ich nehme an, das war es, weil wenn man sowas Breites hat, dann ist ja einfach eine Riesenfrage, zu welcher Zeit zeigt man was und wann und wie.

29:51 Gast: Ja, also das war, also wie vorher schon erwähnt, es war ja wirklich ein relativ langer Prozess jetzt bei dem Film, aber es war auch so, es war schon sehr gut vorbereitet, würde ich jetzt mal sagen, aber man kommt dann schon drauf beim Schneiden, dass halt bestimmte Dinge nicht funktionieren, dass man bestimmte Dinge präzisieren muss. Es gibt schon ein paar Ideen, die ich super finde, die erst eben in der Montage entstanden sind, wie zum Beispiel der Film beginnt jetzt mit Aquariumbildern und einem Stimmengewirr, wo man immer wieder so einzelne Sätze versteht, wo irgendwas geredet wird, und das war zum Beispiel nicht so angelegt. Und das ist eigentlich so entstanden, dass Rafaela an einer anderen Stelle, also diese Fischmontagen, das sind so Überblendungen vom Aquarium und von den Fischen, und die gibt es an drei Stellen im Film.

30:43 Und die waren ursprünglich einfach nur mit so Aquariumsatmo angelegt. Und an einer Stelle hatten wir Probleme mit dem Übergang von echter Welt zu Aquariumswelt und dann wieder raus an einen anderen Tisch und so. Und das war eine der Stellen, wo wir am meisten herumgebastelt haben. Und da kam dann der Vorschlag von Rafaela, wir könnten ja da einfach mal Stimmen hinlegen. Es gab da so Stimmenaufnahmen vom Set. Das war jetzt irgendwie nur so mal kurz drei Minuten, irgendwie die Leute irgendwas improvisieren lassen. Und dann war das an dieser einen Stelle. Und dann habe ich zufälligerweise zu Hause den Film noch einmal einen Export angesehen und so durchgeklickt und bin an diese Stelle gekommen.

31:21 Und dann hatte ich so die Realisation, Scheiße, das ist eigentlich super, weil das ist der ganze Film, dieses ganze Ding eben in a nutshell mit diesen Stimmen. Es ist von erster Sekunde an nicht realistisch, weil man kann bei dem Aquarium diese Stimmen nicht alle gleichzeitig hören. Es ist einfach räumlich nicht realistisch. Und es erzählt eigentlich genau das Richtige. Und das war dann eben so ein Ding. Da trifft sich dann eben, finde ich, das Schreiben mit dem Schneiden. Und dann hat man irgendwie den Film gefunden.

31:56 Moderation: Ja, und das wäre nicht möglich gewesen, wenn ihr nicht die Zeit gehabt hättet. Also das ist ja tatsächlich, finde ich, ein super Beispiel dafür, dass man sich den Export auch noch mal anschauen kann, unter anderen Umständen, und dann so was passiert. Ich würde sagen, wir springen mal in unsere Kategorieabteilung. Wisst ihr schon, worum es da geht? Ist nicht so wichtig, weil wir sagen es euch dann.

32:24 Gast: Was sind ihre Darlings?

32:27 Moderation: Wir wollten euch fragen, ob ihr so ganz spontan wisst, was eure Lieblings-Kurzfilme sind. Natürlich auch um besten Kurzfilme, die gut gestütten sind. Vreni.

32:39 Gast: Ich schaue gerade ganz kurz, ich habe den Titel vergessen.

32:48 Gast: Mein Lieblings-Kurzfilm heißt Vampires of Poverty. Der ist von 1977 aus Kolumbien, kennt ihn jemand?

32:55 Moderation: Oh nee, kennen wir nicht.

32:56 Gast: Leider nein.

32:57 Moderation: Kann man den sehen.

32:59 Gast: Den gibt es, glaube ich, auf Vimeo. Der dauert auch ein bisschen zu lang, also Vreni vielleicht nicht, aber ich würde den anderen auf jeden Fall empfehlen.

33:08 Moderation: Vreni hast du mittlerweile, sonst fragen wir mal Philipp.

33:11 Gast: Ja, der heißt Two Cars One Night von Taika Waititi. Das ist, glaube ich, der erste Film, den der gemacht hat. Den haben wir, glaube ich, mal, ich habe den im ersten Jahr gezeigt bekommen von unserer Dozentin und ich fand, das war irgendwie immer so ein 1a Kurzfilm. Der war kurz, zehn Minuten irgendwie und es war so eine ganz kleine Geschichte, aber so voll fein erzählt und ich finde immer, ich finde am Kurzfilm, um nochmal ganz zurück an den Anfang zu springen, ich habe immer das Gefühl, dass man da so ganz kleine Geschichten irgendwie schön groß erzählen kann, weil die so viel Raum bekommen. Die bekommen ihren ganzen eigenen Film, obwohl sie nur acht Minuten füllen können, aber trotzdem gehört ihnen ein ganzer Film.

33:52 Und das finde ich irgendwie so ein gutes Beispiel dafür.

33:55 Moderation: Philipp, wie sieht es bei dir aus?

33:57 Gast: Ich überlege schon die ganze Zeit. Ja, es gibt halt so sehr viel eher experimentelles Zeug, wie zum Beispiel Report von Bruce Connor. Den finde ich zum Beispiel ganz großartig. Ich weiß nicht, ob das jemand kennt. Das ist montiert aus so ganz kleinen Snippets des JFK-Attentats. Und im Ton hört man Radioberichte, so der Präsident kommt in Dallas an und solche Sachen. Und man sieht dann oft schon Sachen, die nach dem Attentat sind, während man im Ton noch vor dem Attentat ist. Und dann ist man im Ton nach dem Attentat. Und man sieht dann aber wieder Dinge im Bild, die vor dem Attentat waren und so. Und das ist wirklich Ton-

34:44 und Bildmontage mäßig ziemlich großartig.

34:48 Gast: Dann würde ich sagen, nächste Kategorie. Wenn wir jetzt hier die geballte Power von drei Editorinnen und Editorinnen haben, würde ich doch mal euch bitten, eure besten Tipps, die ihr an andere Editoren weitergeben könntet, hier mal zu verraten, so im kleinen Kreis. Fabio, fang du doch mal an.

35:16 Gast: Ja, ich will mich jetzt gar nicht in der Position, hier irgendwelche Tipps zu geben. Darum würde ich einfach sagen, Instrument lernen.

35:21 Moderation: Oh, ja, das heißt Rhythmusgefühl, musikalisch sein, das hilft. Das meinst du, ne?

35:28 Gast: Ich glaube, das ist das Wichtigste tatsächlich, dass man irgendwie so ein Rhythmusgefühl entwickelt, dass das irgendwie so ein Instinkt wird.

35:38 Gast: Ja, vielleicht, man neigt ja vielleicht dazu, also mir geht es zumindest so, vielleicht ist es auch so eine österreichische Filmschule, Hanecke und so Zeugs, dass man einfach alles so bis zu Ende begründen muss und man diskutiert dann immer, was bedeutet das jetzt und was soll das und Dinge und so. Ich glaube, manchmal muss man einfach wirklich auch auf dem Bauch hören.

36:02 Moderation: Absolut, das finde ich einen super Tipp, aus dem Bauch auch rausarbeiten. Vreni, wenn du noch wolltest, kannst du jetzt?

36:08 Gast: Ich mag es gerne, Leute reinzuholen, gar nicht unbedingt, weil ich das Feedback haben will, sondern manchmal nur, weil sich der Raum dann anders anfühlt und man dann den Film wieder neu gucken kann. Und ich habe tatsächlich seit ein paar Monaten immer so eine kleine, das ist jetzt eher so ein Gag, kein guter Tipp, aber ich weiß nicht, ob es mir schon so viel gebracht hat, aber ich habe immer Freude daran, es auszupacken, das ist ja auch schon gut genug. Eine kleine 3D gedruckte, einen kleinen 3D gedruckten Bernie Sanders, den ich vor mein Monitor setzen kann, damit ich sehe, wie es im Kino aussieht, weil Walter Murch das glaube ich mal irgendwie meinte, dass er so kleine Figuren davor stellt.

36:47 Und seit ein paar Monaten habe ich den immer dabei.

36:50 Moderation: Ja genau, für alle die das nicht wissen, Walter Murch lesen, dann wisst ihr auch noch theoretisch mehr darüber Bescheid, was die Idee dahinter ist, aber absolut die Größenverhältnisse einschätzen. Besonders wichtig, wenn man fürs Kino schneidet. Beenden wir mal die Kategorie Abteilung und kommen in unsere Schlussphase. Soll ich da eigentlich den Trainer nochmal abspielen? Ist Kurzfilmschnitt quasi das Medium, wo man sich ausbildet? Das klang auch an bei Edimotion am Schluss, dass das das Medium ist, dass man durchlaufen muss, damit man später lange Filme machen kann. Das ist das große Ziel. Oder ist es genau andersrum, dass Kurzfilme einfach als Medium so interessant sind, dass man da bleiben will und dass das ganz das wiederum ganz toll ist?

37:42 Auch eine komplizierte Frage.

37:44 Gast: Ja, also ich glaube, ich versuche es einfach mal. Also ich glaube, am Kurzfilm kommt man glaube ich selten vorbei, selbst wenn man wollen würde. Also klar lernt man, also ich würde jetzt einfach mal behaupten, man lernt damit irgendwie und bereitet sich auf Vorhofflang-Filme. Aber wie gesagt, ich könnte jetzt auch nicht sagen, ob es die optimale Vorbereitung ist, weil ich es noch nicht gemacht habe. Aber ich finde es immer super interessant, an mir selber zu beobachten, dass ich mich trotzdem bei jedem Projekt, egal wie viele ich jetzt davon gemacht habe, immer wieder frage, ob ich es jetzt kann oder nicht.

38:17 Moderation: Das ist normal, das wird gleich nie aufhören.

38:21 Gast: Manchmal frage ich mich auch, ob ich schlechter werde, weil ich quasi sicherer werde, theoretisch, aber dann weiß ich nicht, ob das jetzt besser oder schlechter ist.

38:28 Moderation: Ja genau, sicher werden ist immer ein Zeichen für, ja okay, man hinterfragt das vielleicht nicht mehr, das sollte man nicht, das stimmt.

38:36 Gast: Aber solange du dich fragst, ob du schlechter geworden bist, ist schon mal gut oder wirst, ist das schon ein sehr gutes Zeichen dafür, dass noch nichts passiert ist.

38:48 Gast: Naja, ja ich glaube, also da gibt es natürlich eine praktische Seite der Frage, die ist eben sozusagen für viele ist es natürlich einfach eine erste Spielwiese, dass man Kurzfilme macht, weil es einfach wesentlich leichter zu finanzieren ist und auch zu drehen und etc. Und auch die Schnittzeit und alles, was wir besprochen haben. Da ist es natürlich dann schon oft schade, wenn der Kurzfilm so das kleine Anhängsel ist, zu dem, dass man eigentlich hinspringen will zu einem langen Film. Aber gleichzeitig ist es natürlich so, wenn man jetzt wirklich so ganz praktisch gesehen Geld verdienen will mit dem Filme machen, dann ist halt Kurzfilm etwas, was nicht wirklich so verwertbar ist.

39:34 Außer es sind eben so Formate wie Musikvideo, da ist es dann wieder anders. Und da ist es natürlich dann eben spannend, weil ich vor eben diesen Bruce-Conner-Film erwähnt habe, dass es da so eine ganze Nische von Filmen gibt, die so wie der Peter Czerkowski in Österreich, die dann so ganz experimentelles Zeug machen, was dann auch wieder irgendwie interessant ist. Und die sind dann wirklich so, das könnte man sich jetzt 90 Minuten wirklich nicht anschauen, aber für fünf Minuten ist das super. Und da gibt es eben dieses Ding, macht man wirklich jetzt, ist man wirklich so Kurzfilm-Regisseur oder Regisseurin oder macht man jetzt Kurzfilme nur, damit man halt dann irgendwann mal einen Langfilm machen kann.

40:21 Und ich glaube, da zwischen diesem sozusagen Spannungsfeld bewegt sich ja eigentlich das ganze Kurzfilm scharf.

40:30 Gast: Also schlussendlich kann man es festhalten damit, dass es das Finanzielle dann das Entscheidende ist, dass zwar Kurzfilme die sind, die man mit wenig Geld produzieren kann, aber auch die sind, wo man nicht viel Geld damit gewinnen kann.

40:46 Moderation: Ja, beziehungsweise auch ein Genre, wo man eben nur das eben für dieses Genre spezifisch erzählen kann. Also es ist quasi in einem anderen Genre einfach nicht möglich, dann kurz und knackig, unter 15 Minuten, was zu erzählen, was dann, ja, was in jedem anderen dann nicht eben ginge. Also es ist doch was Besonderes und doch was Eigenständiges und eben nicht nur Ausbildungsort oder es kann das sein, muss es aber gar nicht.

41:22 Gast: Ich wollte jetzt zum Ende kommen und habe den Eindruck, dass wir rausgefunden haben, dass es unendlich viele Herausforderungen bei einem Kurzfilm gibt. Es gibt völlig unterschiedliche Kurzfilme, es gibt unterschiedliche Arten, an einen Kurzfilm heranzugehen, es gibt unterschiedliche Arten, wie man dazu kommt, einen Kurzfilm zu machen und deshalb vielen Dank euch drehen, dass ihr uns diese unterschiedlichen Filme näher gebracht habt, darüber gesprochen habt, wie sie entstanden sind. Vielen, vielen Dank.

42:02 Gast: Wir haben also gesehen, dass der Kurzfilm ein Miniaturenkabinett, ein Schrumpf-Traum unserer Ambitionen darstellt, quasi das Puppenhaus, welches die Skizzen unserer Geschichten beherbergt. Ganz gleich, ob er die Form einer atmosphärischen Dally-Click-Aufnahme, eines mehr anderen Fiebertraums, einer Meditation oder eines gespielten Witzes annimmt, der Schnitt muss immer das Fragment entschlacken, denn jede einzelne Einstellung zählt hier. So wie jegliche Filmarbeit Sinnbild für den Kampf gegen Hindernisse und Widerigkeiten darstellt, so ist insbesondere die Winzlingsform geprägt von fehlender Zeit, fehlendem Geld, fehlender Kontakte. Und doch ist der Überquell an kreativen Umgehungslösungen und menschliche Hartnäckigkeit nirgends mehr so intensiv erlebbar, wie in unseren ersten visuellen G-Versuchen. Ein Spielplatz und manchmal eine Grußkarte, welche den einen unter uns tausend für größere Träume empfiehlt.

43:03 Moderation: Ja, ultraanstrengend. Die waren toll, aber es ist ultraanstrengend. Aber dafür, dass wir das erste Mal gemacht haben, war das okay schon.

43:10 Gast: Und was man ja jetzt gar nicht gehört hat, unsere Gäste waren auf der ganzen Welt verteilt rund um den Globus. Und deshalb müssen wir auch ein bisschen die Tonqualität hier entschuldigen.

43:24 Moderation: Entschuldigung. Aber so ist das nun mal. Ich würde sagen, wir machen jetzt wirklich wieder was ganz Kurzes zum Schluss. Oder?

43:31 Gast: So machen wir das.

43:31 Moderation: Also ich sage, Links und weitere Informationen in den Show Notes.

43:35 Gast: Danke an Adobe und Edimotion.

43:38 Moderation: Schreibt uns fleißig Mail, Instagram und so weiter.

43:40 Gast: Und ein Abo dalassen. Bis dann.

43:44 Gast: Sie haben gesehen, Filmschnitt ist also gar nicht zu kompliziert. Und denken Sie immer daran. Ein jeder Film schließt grundsätzlich mit einer Ablende.

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